Rottok: Meereswellen-Beobachtungen.
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Aus der Tabelle ergibt sich eine leidlich gute Übereinstimmung zwischen
den beobachteten und berechneten Werten der Geschwindigkeit und der Periode,
weniger gut für die Wellenlänge. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei anderen
Beobachtungsreihen, die zum Teil eine größere, zum Teil eine geringere Über-
einstimmung mit‘ den Berechnungen aufweisen... Im ganzen darf man, wenn man
bedenkt, daß auch den beobachteten Werten nach der Natur der Beobachtungs-
methoden größere oder kleinere Fehler anhaften, aus den Vergleichen den Schluß
ziehen, daß ‚die Beobachtungen die Berechtigung der Trochoidentheorie für
Wellen auf freiem Ozean dartun. Immerhin sind weitere sorgfältige Messungen
zur Klärung dieser Frage erwünscht, wie sie nach der bereits eingangs gemachten
Bemerkung zur Beurteilung der Seeeigenschaften eines Schiffes und zur Nutz-
anwendung für die Schiffsstauung und den Schiffbau wichtig und erforder-
lich sind.
Ausführung der Beobachtungen.
Bei. der Bestimmung der Wellenperiode, Geschwindigkeit und Länge ist
ein Unterschied zu machen, ob das Schiff still liegt oder sich in Fahrt befindet,
ob die Fortpflanzungsrichtung der Wellen parallel der Kielrichtung des Schiffes
erfolgt oder mit ihr einen Winkel bildet.
1. Bestimmung der Wellengeschwindigkeit (V)
Man messe an Bord parallel der Kielrichtung eine bestimmte, möglichst
große Strecke aus und beobachte die Zeit, die ein Wellenkamm zum Durchlaufen
dieser Strecke gebraucht. Zu diesem Zwecke macht man sich am besten an
beiden Enden der abgemessenen Strecke Marken und notiert die Zeit, zu welcher
der Wellenkamm die eine und die andere Marke passiert. Wenn angängig, haben
sich 3 Beobachter daran zu beteiligen, von denen zwei das Passieren des Wellen-
kamms an den Marken, der dritte die Uhr beobachtet.
Ist d die Länge der abgemessenen Strecke und t die beobachtete Zeit
(in Sekunden), welche die Welle zum Durchlaufen dieser Strecke gebraucht hat,
so ist
a) bei still liegendem Schiff:
u) wenn die Wellen sich parallel der Kielrichtung fortbewegen
. 1a) v2;
8) wenn die Fortpflanzungsrichtung der Wellen: mit ‚der Kielrichtung- den
Winkel 8 bildet
1b) v=“ cos ß-
Der Winkel ß darf nicht größer als 45° sein, wenn das Resultat ver-
läßlich sein soll. Es gilt dies auch für die folgenden Bestimmungen.
b) Wenn das Schiff in Fahrt ;
und seine Geschwindigkeit gleich 8 ist, so durchläuft die Welle in der Zeit t
nicht den Weg d, sondern wenn das Schiff sich in Richtung der Wellen bewegt,
die Strecke d-+s t, wenn das Schiff sich gegen die Richtung der Wellen bewegt,
den Weg d— st; die Wellengeschwindigkeit ist demnach Aal oder
10 V= 2A +3 {+ wenn He ee von cher komm, .
Die Schiffsgeschwindigkeit s ist wie d in Meter auszudrücken und bedeutet
den Weg, den das Schiff in einer Sekunde zurücklegt.
Bildet der Wellenzug mit der Schiffsrichtung den Winkel ß, so ist der
von der Welle in der Zeit t durchlaufene Weg (d +4 st) cos f, demgemäß
d ; f+ wenn die See achterlich ist, .
19) Y=(Ls) cos ß {* EEE aallk at
2. Bestimmung der Wellenperiode (T).
Man beobachte von einem festen Standpunkt aus das Passieren zweier
aufeinander folgender Wellenkämme an diesem Standpunkt oder einer bestimmten
Marke, und die Zeit, die zwischen dem Passieren verfließt. Ist diese beobachtete
Zeit gleich T‘, so ist