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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1903.
führte zunächst im Westen und weiterhin an der ganzen Küste tägliche Regen-
fälle herbei. Auf den Nordseeinseln erfuhr die Temperatur wenig Anderung;
anders über dem übrigen Gebiet und besonders im Osten, wo am 3. und 4. bei
südöstlichen Winden starke Erwärmung eintrat, beim Herumgehen des Windes
nach Südwest aber wieder starke Abkühlung folgte. Die Regenfälle waren in
dem angegebenem Umfange von ausgebreiteten Gewittern begleitet, wie auch
diese Tage vielfach durch weitverbreiteten Nebel ausgezeichnet waren.
Die Tage vom 8. bis 12. brachten die Ausbreitung niedrigen Luftdrucks
über fast ganz Europa. Im Gefolge verschiedener Minima traten nach dem
trockenen 8. Mai wieder täglich an Teilen der Küste Regenfälle auf, besonders
im Bereiche eines am 9, bis 1l. vom Alpenvorlande nach Westrußland dringenden,
am 10. an der preußischen Küste von steifen Nordostwinden begleiteten
Minimums und eines anderen Minimums, das gleichzeitig durch die südliche
Nordsee nordostwärts fortschritt. Die Temperatur zeigte an der Nordsee wenig
Änderung, an der Ostsee aber weitere starke Abnahme, als die Winde hier
zunächst nach Nordost und späterhin nach nordwestlicher Richtung drehten.
Während dieser Tage hatte sich ein bereits am 6, nordwestlich von
Schottland auftretendes Hochdruckgebiet über dem Ozean südwärts verlagert,
wodurch sich das Herannahen eines Minimums über dem Ozean ankündigte.
Dieses näherte sich in den Tagen vom 13. bis 15. dem Norwegischen Meere
und breitete sein Gebiet über Nordeuropa aus, während sich hoher Luftdruck
von der Biscayasee über Continentaleuropa ausdehnte. Das Wetter war vor-
wiegend trocken; die Winde drehten an der ganzen Küste nach Südwest, so daß
zunächst wieder Erwärmung eintrat.
Die Tage vom 16. bis 20. zeigten die Küste unter dem Einflusse eines
über Irland und Südschweden nach dem Bottnischen Busen vordringenden
Minimums; in seinem Gefolge hatte das ganze Gebiet wieder täglich Regenfälle,
und bei den zunächst nordwestlichen, an der nördlichen Nordsee am 18. viel-
fach steifen Winden erfolgte abermals ein Rückgang der Temperatur, bis die
Winde bei dem Fortschreiten des Minimums wieder zurückdrehten.
Die letzte Dekade brachte fast durchweg die Herrschaft hohen Druckes und
damit fast ausnahmslos trockenes, vielfach heiteres Wetter, das sehr starke
Erwärmung und besonders hohe Temperaturen in den letzten Tagen herbei-
führte. Die Druckverteilung erfuhr mehrfache Wandlung. Nachdem sich am
232, ein vom Mittelmeer bis nach dem hohen Norden reichendes Hochdruck-
gebiet mit einem Maximum über Mitteleuropa entwickelt hatte, verlor dieses
rasch an Umfang. Ein neues Hochdruckgebiet zog vom Ozean heran, das seinen
Kern am 23. bis 25. über die Nordsee nach Lappland verlagerte, und ein
weiterer Kern höchsten Druckes schritt am 26. bis 30. über Mittelskandinavien
nach Westrußland. Regenfälle traten nur am 25. und 26. an der östlichen
Ostsee im Bereich eines Minimums über Südosteuropa und, von Gewittern be-
gleitet, am 28, an der Nordsee im Bereiche eines Minimums über der Biscaya-
see auf. Der hohe Luftdruck über Nordeuropa nahm in den letzten Tagen
bedeutend ab, und es stellte sich am 31. eine sehr gleichmäßige Luftdruckver-
teilung ein; der Luftdruck erhielt sich aber auf der Nordseite der Küste höher
als nach Süden hin, so daß die seit dem 25. herrschenden Winde aus östlichen
Richtungen bis Ende des Monats bestehen blieben.
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