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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1903,
Dampfer, die die Midway-Inseln aufsuchen, sollten sich ihr hauptsächlich
von SO, Süd oder SW her nähern, so dafs sie zuerst eine der Inseln auf-
finden, Segelschiffe werden während des NO-Passats eine günstigere Gelegenheit
haben, wenn sie sich der Insel von Norden her nähern.
Die Inseln sollte man niemals während der Nacht anlaufen. Unter
günstigen Umständen wird man bei 7,3 m Augeshöhe den höchsten Punkt der
Sand-Insel in 10 Sm Entfernung sehen. Dieses ist bedeutend weniger, als die
Theorie die Sichtweite angibt, aber es ist durch wirkliche Beobachtungen
begründet.
Strömungen. Es ist gewöhnlich nur sehr wenig Strom im Welles-Hafen
vorhanden, und diese schwache Strömung setzt meistens westlich. Das Schiff
„Iroquois“ lag vor Anker meistens auf dem Winde, selbst bei nur schwacher
Brise. Während heftiger Stürme soll man im Hafen starke Strömung und
Wirbelströme antreffen, die durch die über das Riff geschleuderten Wasser-
massen verursacht werden. An der Hafeneinfahrt findet man fast immer eine
über die Barre hinaussetzende Strömung, die gewöhnlich mit !/2 Sm Geschwindig-
keit setzt. In der flachen Durchfahrt zwischen den Inseln und dem Riffe findet
man stets eine starke westwärts setzende Strömung. Es herrscht gewöhnlich
auch eine bemerkbare Strömung, die nordwestwärts durch die Lagune und
zwischen dem Middle-Grunde und dem NW-Ende des Riffes hinaussetzt. Dieses
sind meistens Gezeitenströme, die am stärksten bei Fluthtide sind.
Aufserhalb des Riffes findet man an jeder Seite des Atolls gewöhnlich
eine starke nordwärts setzende Strömung, die jedoch mit der Ebbe schwächer
wird und gelegentlich auch mal in entgegEngesetzter Richtung setzt. An einem
Tage wurde an der Ostseite des Riffs eine starke südwärts setzende Strömung
beobachtet. Starke Stromkabbelungen wurden 3 Sm östlich von der SO-Huk
des Riffes beobachtet. .
Gezeiten. Die Hafenzeit ist 3* 25=i2, nach neueren Beobachtungen
3b 34min Als gröfster Fluthub wurde 0,6 m beobachtet; im Mittel beträgt der-
selbe 0,26 m. Zwischen den beiden täglichen Tiden findet ein merkbarer Unter-
schied statt, wie anderwärts im Stillen Ozean. Dieser Unterschied ist am
gröfsten bei Springtide und am kleinsten bei Niptide. Bei Springtide beträgt
der Fluthub der gröfsten täglichen Tide 0,45 m, bei Niptide 0,27 m. Die
Tiden sind übrigens sehr regelmäfsig.
Vorräte. Fische verschiedener Arten, meistens denen bei den Hawalischen
Inseln gleichend, sind im Überfluls vorhanden und können mit Angel und Leine
gefangen oder im flachen Wasser geschossen werden. Eine Art, 0,15 m bis 0,23 m
lang, welche durch brillante, schmale gelbe und schwarze Streifen gezeichnet
sind, hat sehr giftige Stacheln und mufs deshalb mit grofser Vorsicht be-
handelt werden. Auf dem Riffe findet man wenige Schildkröten, und vor der
SO-Huk der Eastern-Insel gibt es auch Krebse. Aufserhalb des Riffs und
zwischen den Felsen des Mittelgrundes und dem NW-Ende des Riffs gibt es
zahlreiche Haifısche.
Seevögel kommen sehr zahlreich vor und, können leicht mit der Hand
gegriffen werden. Eier gibt es gleichfalls im Überflufs. Es gibt auch eine
Anzahl Regenpfeifer und Sumpfvögel mit sichelförmigem Schnabel auf den Inseln.
Zwei grofße Seehunde oder Seelöwen wurden im Mai 1900 auf dem nördlich
liegenden Sandinselchen gesehen.
Wasser. Schönes Wasser erhält man auf der Sand-Insel, wenn man un-
gefähr 1,5 m tief gräbt, jedoch sollten der Boden und die Seiten des Brunnens
mit Brettern ausgefüttert werden, um das sonst schnelle Eindringen des Sandes
zu verhindern. Der Brunnen füllt sich schnell, das Wasser ist zuerst milchweils,
aber setzt sich in ein paar Tagen und wird dann vollkommen klar, Es ist
züßlslich im Geschmack. Die Stromvermessungs-Gesellschaft gebrauchte das
Wasser über zwei Monate, ohne üble Folgen zu spüren. Das Wasser, welches
man auf der Eastern-Insel erhält, ist nicht so schön im Aussehen oder Geschmack,
es ist zersetzt durch Pflanzenteilchen.
Folgende Tatsache ist bemerkenswert: Die schiffbrüchige Mannschaft
des „Wandering Ministrel“, die 14 Monate auf den Inseln wohnte, lebte aus-
schliefslich von Fischen, Vögeln und Eiern. Von denen, die auf der Sand-Insel
lebten, starben mehrere an Skorbut, und andere blieben nur eben am Leben,