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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

300 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1903, 
54° 30‘ W-Lg. NO—O0 (3—5). Von hier bis Trinidad hatten wir OSO (83—4). 
Während der ganzen Reise hatten wir schönes Wetter ohne Regen. 
Am 12. Dezember wurde die Linie in 40° W-Lg. geschnitten. Am 14, De- 
zember passierten wir etwa 260 Sm 42° (NO'AN) von der Para-Mündung ‘starke 
Stromkabbelungen. Am 18, Dezember, etwa 168 Sm 20° (Nz0%40) von Paramaribo 
entfernt, segelten wir drei Stunden lang durch schmutziggrün aussehendes Wasser. 
Am Morgen des 21. Dezember kam Tobago-Insel in 309° (NW'/W) in Sicht. 
Im Laufe desselben Vormittags wurde eine starke nördliche Stromversetzung 
festgestellt. 17 Sm 180° (Süd) von Little Tobago passierte das Schiff durch 
scharf abgegrenztes schmutziggelbes Wasser; am Rande der Abgrenzung waren 
äußerst heftige Stromkabbelungen, so daß während des Hindurchsegelns das 
Wasser bis auf das Achterdeck spritzte. Das Ganze machte den Eindruck wild- 
kochenden Wassers. Gleichzeitige Lotungen ergaben 66 bis 73 m (36 bis 
40 Faden) Wasser und Korallengrund. Nachmittags um 4* 25% peilten wir 
Galera-Point-Leuchtturm 149° (SSO°/40) 5 Sm entfernt. Wir beobachteten hier 
einen nördlichen Strom von 0,5 Knoten. Von hier bis nach der Boca-Grande 
hielten wir uns in einem Abstande von etwa 5 Sm von der Küste. Eine Ver- 
setzung fand auf dieser Strecke nach keiner Richtung hin statt. Bei Dunkel- 
werden war das Leuchtfeuer von der Chacachacare - Insel klar und deutlich zu 
zehen, obgleich wir uns noch 37 Sm davon entfernt befanden. Die Luft war 
schaurig bedeckt, und während der Nacht hatten wir sehr heftige Regenböen. 
Um Mitternacht drehten wir bei, um nicht vor Tagesanbruch nach der Einfahrt 
des Golfes von Paria zu kommen. Als es Tag wurde, setzten wir Segel und 
steuerten in die Boca-Grande ein. Hier bekamen wir jedoch Stille und trieben 
wieder zurück, wobei eine Stromversetzung von NzW 1,5 Knoten beobachtet 
wurde. Um 1"N setzte der Wind mit einer starken Regenböe aus NO ein. 
Wir steuerten nun wiederum in die Boca-Grande ein und hielten uns dicht 
unter der Chacachacare-Insel, welche wir um 4“N in 1 Sm Abstand passierten. 
Von hier ab hielten wir so lange auf die Ostspitze von Goose-Insel zu, bis die 
gut sichtbare Glockentonne von Diamond Rock quer 1,5 Sm entfernt war. In 
der Boca-Grande hatten wir leichten nordwestlichen Strom. Nachdem Diamond- 
Rock passiert war, wurde keine Versetzung mehr verspürt. 
Ein Lotse kam dem Schiffe außerhalb Bocas de Dragos in einem offenen 
Segelboote entgegen; derselbe wurde aber nicht gebraucht und deshalb auch 
nicht an Bord genommen. Da wir die Reede vor Dunkelwerden nicht mehr 
erreichen konnten, so ankerten wir vorläufig in folgenden Peilungen: Port of 
Spain— Rotes Leuchtfeuer 44° (NO'!8N) und Chacachacare-Leuchtfeuer 300° 
(NWzW*%/sW) auf 10m (5,5 Faden) Wasser über Schlammgrund. 
Das rote Leuchtfeuer ist wegen der hellen elektrischen Straßenlampen 
sehr schlecht auszumachen. 
Am folgenden Morgen um 6" gingen wir bei guter Ostbrise ankerauf und 
segelten näher an die Stadt heran. Wir ankerten um 7" V in Port of Spain 
in folgenden Peilungen: Leuchtturm 66° (NO0z0’/s0) und Old Fort (Fort George) 
11° (NzO) auf 10 m (5,5 Faden) Wasser über Schlammgrund, 
Landmarken. St. David-Turm ist schon bald, nachdem man Diamond- 
Rock passiert hat, gut auszumachen; kommt man etwas näher, so ist auch Old 
Fort (Fort George) als Peilobjekt gut zu verwerten. Chacachacare-Leuchtturm 
ist stets zu sehen. Nach dem Passieren von Diamond-Rock halte man sich, 
wenn nicht gute Brise durchsteht, nicht zu dicht unter Land, sondern gehe 
lieber etwas südlicher, da man dann bei eintretender Stille Ankergrund hat, 
den man in der Nähe der Bocas unter denselben Verhältnissen nicht vorfindet. 
Im Hafen von Port of Spain lagen infolge der Wirren in Venezuela 
folgende Kriegsschiffe: Der den Venezuelanern von S. M. S., „Gazelle“ ge- 
nommene „Restaurador“ mit deutscher Besatzung und unter deutscher Flagge, 
ferner die englischen Kreuzer „Ariadne“ und „Charybdis“, die Hochseetorpedo- 
boote „Quail“ und „Rocket“ sowie die von den Engländern genommenen 
venezoelanischen Kriegsfahrzeuge „Bolivar“, „Zumbador“, „Zamora“ und 
„23. de Mayo“. Außerdem war ein amerikanisches Geschwader anwesend, 
bestehend aus den Linienschifen „Kearsarge“, „Alabama“, „Massachusetts“ 
„Iowa“ und dem Tender „Scorpion“.
	        
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