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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Hoeck, A: Winterreise des deutschen Schulschiffes „Großherzogin Elisabeth“ etc. 297 
im vergangenen als auch in diesem Jahre wurde beobachtet, daß ein ziemlich 
starker Strom auf Fora-Insel zu setzt. .Da sich etwa 135° (SO) 4 Kblg von der 
Fora-Insel eine Klippe mit 4 Faden Wasser befindet, so dürfte es angebracht 
sein, die Insel unter diesen Umständen nicht zu dicht zu passieren. 
Eine Signalstation befindet sich auf der Insel Fora; sie ist telegraphisch 
mit Funchal verbunden. Nach dem Passieren dieser Insel wurde der‘ Wind 
westlich und flaute ab, so daß wir schließlich abends alle Boote aussetzen 
mußten, um das Schiff auf die Reede zu bugsieren. 
Ankerplatz. Wir ankerten um 6° 25%" N auf 27 m (15 Faden) Wasser 
mit 110 m (60 Faden) Kette in den Peilungen: Reeds New Hotel 308° (NW°/W) 
und Fort St. Jago 72° (ONO%80). 
Eine gute Landmarke ist Reeds New-Hotel, das schon früh ausgemacht 
werden kann. Es ist ein großes gelbes Gebäude auf einer Anhöhe am Strande, 
etwas westlich von Fort Loo Rock.- Sobald man die Fora- Insel passiert hat, 
kann man Brazen Head deutlich ausmachen. Dies ist die östliche Grenze der 
Bucht von Funchal und besteht aus rötlichen, senkrecht ins Meer ab- 
fallenden Felsen. 
Bei der Ansteuerung sollte man sich ‚hier gut frei von der Küste 
halten, um nicht in den Stillengürtel zu geraten, welcher sich etwa 3 Sm 
seewärts erstreckt. Aus der Richtung, in welcher die Flaggen der Schiffe in 
der Bucht wehen, läßt sich erkennen, welcher Wind auf der Reede weht. Ist 
man gezwungen, auf die Reede zu kreuzen, so halte man sich möglichst in der 
Richtung des Taleinschnittes, da hier der Wind am beständigsten ist. 
Funchal. Die Seebrise setzt im Laufe des Vormittags ein und dauert 
unter normalen Verhältnissen bis Sonnenuntergang. Es sollen jedoch häufige 
Ausnahmen vorkommen. Schlepper sind zu erhalten. Das Wetter während der 
Liegezeit war mit wenigen Stunden Ausnahme schön bei mäßiger Land- und 
Seebrise. Am 30. September hatten wir während sechs Stunden steife westliche 
Brise (5—6) und ziemlich groben Seegang, welcher den Bootsverkehr sehr 
grschwerte. 
Von Madeira nach Rio de Janeiro. 
Wir verließen Madeira am 2. Oktober 1* 35"" N, Man muß versuchen, 
selbst wenn man westwärts bestimmt ist, erst ziemlich Süd gutzumachen, um 
von dem Einfuß des hohen Landes freizukommen. Unter Land hatten wir um- 
laufende leichte: Winde und Stille. Abends setzte Nordwestwind ein, der mit 
Stärke 3—5 bis zu den Canarischen Inseln anhielt und dem Schiffe eine Fahrt 
bis zu 7 und 8 Knoten verlieh. Am 4. Oktober hatten wir während des ganzen 
Tages die Inseln Palma und Ferro in Sicht, obgleich wir uns 60 bezw. 80 Sm 
davon entfernt befanden. Von hier bis nach 20° 30‘ N-Br. und 24° W-Lg., wo- 
selbst die polare Grenze des Nordostpassates angetroffen wurde, herrschten 
leichte veränderliche Winde. . 
Im allgemeinen war der Nordostpassat schwach, nur als wir westlich von 
der Insel San Antonio in etwa 36 Sm Abstand passierten, steigerte sich hier 
für einige Stunden: der Wind bis Stärke 6—7 mit schweren Regenböen. Auf 
8° 30‘ N-Br. und 26° 30‘ W-Lg. ging der Nordostpassat in den Südwestmonsun 
über. Der Wind blieb jetzt, von gelegentlichen Mallungen unterbrochen, im 
Südwestquadranten südlich von SW (2—4) bis 3° N-Br. und 25° W-Lg. und ging 
dann allmählich auf SSO (4—6). Ä 
Die Linie wurde in 28° W-Lg. geschnitten. Südlich der Linie ging der 
Wind allmählich von SSO auf SO und wehte schließlich aus 0OSO mit einer 
gleichmäßigen Stärke ‚von 6—7 und zeitweiligen Böen. Etwa 140 Sm 101° (0zS) 
von Fernando Noronha wurde der Passat stürmisch (8) mit sehr schweren Böen 
und Regenschauern und behielt die Stärke 6—7 bis nach etwa 14° 30‘S-Br. und 
34° 30‘ W-Lg. Hier änderte sich der Wind auf O und NO (3—4) und war zeit- 
weise sogar nördlich (3) bis nach 22° S-Br. und 40° W-Lg. Von hier bis Rio 
de Janeiro hatten wir Mallungen und meist leichte Winde aus dem Nordwest- 
und dem Nordostquadranten. Zwischen dem Kap Frio, welches in 3 Sm Abstand 
passiert wurde, und der Raza-Insel hatten wir unsichtiges Wetter. 
Eine gut auszumachende Landmarke an dieser sonst einförmigen 
Küste ist die Kirche Nossa Senhora de Nazareth. Während der Nacht drehten 
Ann. 4. Hyvär. ete.. 1903. Heft VI.
	        
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