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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1903,
Die Winterreise des deutschen Schulschiffes „GroßherzoginElisabeth“
im Atlantischen Ozean.
September 1902 bis April 1903.
Von A. Hoeck, Navigationsofüzier,
Von Bremerhaven nach Villa Baleira (Porto Santo).
Das Schulschiff „Großherzogin Elisabeth“ verließ Bremerhaven am 9. Sep-
tember 1902 und passierte am Abend desselben Tages das Weser-Feuerschiff.
Hier warf der Schlepper los, und wir lagen bei mäßigem nördlichen Winde
längs der Friesischen Inseln. Bei Haaks-Feuerschiff ging der Wind auf ONO
und wurde bald darauf östlich und späterhin bei Annäherung an die englische
Küste südlich. Gleichzeitig wurde auch das Wetter unsichtig, so daß wir
gezwungen waren, den Englischen Kanal unter halbstündigem Loten anzukreuzen.
Nach und nach flaute der Wind ganz ab und sprang dann plötzlich auf NW (2).
Kurz darauf (12. September 7° 30° V) passierten wir East Goodwin-Feuerschiff
in 2 Sm Abstand. Im Englischen Kanal hielt sich der Wind nördlich (5—7)
bei allmählich aufklarendem Wetter, Wir passierten Start Point am 13. Sep-
tember 6* 10mm V und nahmen von hier aus unsere Abfahrt. Auf 49° 50‘ N-Br.
4° 20‘ W-Lg. drehte der Wind auf NW und blieb aus diesem Quadranten mit
Stärke 2—6 und hoher nordwestlicher Dünung, in der das Schiff schwer
schlingerte, bis zur spanischen Küste. Am Mittag des 17. September waren
wir auf 44° 3‘ N-Br. 10° 36‘ W-Lg. 82 Sm mw. 329° (NNW%4W) von Kap Villano
entfernt. In der Bucht von Biscaya setzte der Strom südlich und südwestlich
etwa 0,6 Knoten. An der portugiesischen Küste wurde der Wind nordöstlich
(4—6), während die hohe Dünung eine mehr nördliche Richtung annahm. Am
folgenden Tage wurde der Wind östlich und flaute allmählich ganz ab. Auf etwa
41° 30‘ N-Br. und 12° 30' W-Lg. wurde der Wind westlich (2—3). Bis hierher
waren immer noch mäßige südwestliche Stromversetzungen. Da der Wind
krimpte, gingen wir über Stag und lagen bei mäßiger Südsüdwestbrise auf
westlichen Kursen. Im Nordwestquadranten wurden scharf ausgeprägte Wind-
bäume und während der Nacht lebhaftes Blitzen und Höfe um den Mond und
die helleren Sterne beobachtet.
Die Stramversetzungen während der nächsten Tage waren zwischen NNO
und OSO im Durchschnitt 0,7 Knoten. Mit unserem Fortkommen nach Westen
raumte der Wind mehr und mehr und blieb schließlich auf NW (4—5) be-
ständig. Wir hatten während der ganzen Zeit hohe nördliche Dünung. Auf
36° N-Br. 14° W-Lg. ging der Wind durch N auf NO (5—6) und ONO (7—8)
und blieb so.
Am 24. September 3" 30%» N ankerten wir auf der Reede von Villa
Baleira auf Porto Santo. Das Wetter war etwas unsichtig; deshalb konnte die
Insel erst auf etwa 18 Sm ausgemacht werden.
Villa Baleira. Eine sehr gute Landmarke ist der Gipfel des Berges
Anna Ferreira, welcher große Ähnlichkeit mit einem Turme hat. Ebenso ist
Cima-Leuchtturm schon früh und gut auszumachen. Die Insel Porto Santo
ist vulkanischen Ursprunges. Lebensmittel sind nur in sehr geringem Maßstabe
erhältlich und sind sehr teuer. Schiffe laufen hier selten an. Mit Madeira
besteht eine 14tägige Küstendampferverbindung. Der Verkehr mit Land wurde
mit unseren eigenen Booten aufrecht erhalten, doch mußten zum Landen durch
die Brandung die Boote der Einheimischen benutzt werden.
Der Ankerplatz. Cima-Leuchtturm mw. 94° (0%), Kirchturm 332°
(NNW!/AW), 30 m (16,4 Faden) Wasser war zufriedenstellend, ebenso der Anker-
grund. Die Bucht ist gegen südliche Winde ungeschützt. Selbst bei Ostnord-
ostwind stand noch eine beträchtliche Dünung in die Bucht hinein.
Von Villa Baleira (Porto Santo) nach Funchal (Madeira).
Wir verließen Porto Santo am 26. September um 5* 45%» V bei guter
nördlicher Brise. Von Porto Santo aus ist Madeira bei klarem Wetter gut zu
saehen. Wir passierten um 10* 30% V Fora-Insel in 2 Sm Abstand. Sowohl