Krümmel, O.: Weitere Ergebnisse der deutschen Südpolar-Expedition,
Auf der westlichen Hälfte der südlichen Wege, von 40° W-Lg.
bis Land überwiegen überall Versetzungen nach Norden und
Osten.
Auf der westlichen Hälfte der nördlichen Wege, von 30° W-Lg.
bis Land,. wechselt die vorwiegende Richtung der Ver-
setzungen zweimal:
a) SW-Strom überwiegt zwischen der amerikanischen Küste
und 60° W-Lg. sowie zwischen 50° und 40° W-Lg.
b) NO-Strom überwiegt zwischen 60° und 50° W-Lg. sowie
zwischen 40° und 30° W-Lg.
Zum Schluß fügt die Deutsche Seewarte den Wunsch an, daß die Herren
Dampferkapitäne sich nicht durch die Zahl der vorstehenden Tabellen abhalten
lassen wollen, den. Versetzungen auf diesem wichtigsten aller Dampferwege
besondere Aufmerksamkeit zu widmen; sie finden in den Tabellen Auskunft
wohl auf jede nur irgend mögliche Frage hinsichtlich Häufigkeit, Richtung und
Stärke der Strömung.
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Weitere Ergebnisse der deutschen Südpolar-Expedition.‘
Von Prof. Dr. 0. Krümmel, -
Der vorliegende zweite Bericht?). der deutschen Südpolar-Expedition
enthält im Gegensatz zum ersten weniger ozeanographische Beobachtungen im
eigentlichen Sinne, als solche meteorologischen und beschreibend naturwissen-
schaftlichen Inhalts.
Die Expedition ‚hatte sich vom 28. November. bis 7. Dezember 1901 in
Kapstadt aufgehalten, wesentlich um einige Überholungsarbeiten an Schiff und
Maschine auszuführen, wozu auch die Abdichtung eines an sich unbedenklichen
Lecks am Schraubenbrunnen des „Gauß“ gehörte. Nachdem noch 70 Tonnen
Kohlen eingenommen waren, setzte das Schiff seine Reise auf gradem Kurse
nach Kerguelen fort. Am 24. Dezember wurden südlich und dicht bei den
Crozet-Inseln zwei Eisberge gesichtet und am ersten Weihnachtstage die ‚größte
dieser Inseln, Possession Island, erblickt. Nach längerem Suchen gelang eine
Landung an der Südost-Seite der Insel, die sich als durchaus vulkanischer Ent-
stehung erwies und den Gelehrten den seltenen Anblick eines ungestörten Tier-
idylls gewährte, da die scharenweise am Strande angetroffenen See-Elefanten
und Seevögel, der Berührung mit menschlichen Wesen ungewohnt, keine Furcht
verrieten und den Landenden kaum Platz machten, Der südliche Teil der Insel
wurde von den Gelehrten fleißig durchforscht und wichtige Objekte aus allen
drei Reichen der Natur gesammelt, während das Expeditionsschiff vor der Südost-
küste auf- und abkreuzte, Leider ist, wie berichtet wird, die betreffende
britische Admiralitätskarte (807) nicht an Bord gewesen, und da auch die neu
von Kapt. Ruser aufgenommene Karte der Südostküste nicht zur Veröffentlichung
gelangt ist, wird die Identifikation der beschriebenen Örtlichkeiten nicht aus-
fübrbar; überdies ist dem Leser die Orientierung noch dadurch erschwert, daß
im Bericht des Expeditionsleiters die Peilungen offenbar bald recht-, bald miß-
weisend gegeben sind, was bei einer westlichen Deklination von nicht weniger
als 34° recht empfindlich wird. So ist das im Bericht stets erwähnte „Südwest-
kap“ tatsächlich das Südkap der Insel. Am Abend des Landungstages wurde
1) Vgl. „Ann. d. Hydr. ete.“ 1902, S. 390f. Die Niederschrift obiger Zeilen hat sich aus
äußeren Gründen leider sehr verzögert.
2) Bericht über die wissenschaftlichen Arbeiten der deutschen Südpolar-Expedition auf der
Fahrt von Kapstadt bis zu den Kerguelen, nebst Mitteilungen über die Arbeiten der Kerguelen-
Station. Berlin 1902. (Veröffentl. des Inst. f. Meereskde., Heft 2.)