292 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1903.
starken und schwachen Versetzungen erst unter etwa 30° W-Lg. angetroffen
wird, indem hier bei Fahrten von Westen nach Osten eine unvermittelte Ge-
schwindigkeitsverminderung von 10,8 Sm auf 8,2 Sm eintritt. Ebenso also wie
in den Stromrichtungen für 40° bis 30° W-Lg. ein wesentlicher Unterschied
der nördlichen und südlichen Wege festgestellt ist, besteht hier demnach auch
ein wesentlicher Unterschied in der Stromstärke zwischen beiden Wegen, eine
Bestätigung der oben besprochenen Verlagerung der Golfstromtrift nach Norden.
Auch sei schließlich darauf aufmerksam gemacht, daß die westliche Hälfte
der südlichen Dampferwege mit durchschnittlich rund 13 Sm Versetzung durch-
weg etwas größere Versetzungen bedingt als die westliche Hälfte der nördlichen
Dampferwege mit durchschnittlich rund 11,8 Sm. —
Es ıst bei den vorstehenden Darlegungen keine Rücksicht darauf ge-
aommen worden, daß die zwei verschiedenen Dampferwege in verschiedenen
Monaten bezw. Jahreszeiten befahren werden; soweit die Darlegungen nur eine
Umschreibung der in den Tabellen niedergelegten Beobachtungstatsachen bilden,
braucht auch natürlich hierauf Rücksicht nicht genommen zu werden, da der
Seemann eben nur in den betreffenden Monaten die betreffende Route fährt.
So weit indes allgemeine, geographische Schlußfolgerungen angeknüpft sind,
liegt in der Tat die Frage nahe, ob nicht etwa einige der großen Ver-
schiedenheiten zwischen den Stromvorgängen auf den nördlichen und denen auf
den südlichen Wegen durch Verschiedenheiten der Jahreszeit, d. h. durch Ver-
zschiedenheiten der jahreszeitlichen Witterung u. dgl., bedingt sein können,
Diese Frage ist indessen unseres Erachtens zu verneinen; die nördlichen Wege
werden von rund Mitte August bis Mitte Januar befahren, umfassen also Teile
des Sommers und des Winters sowie den ganzen Herbst; die südlichen Wege
zelten auch für Teile des Sommers und des Winters sowie für den Frühling.
Es sind demnach in der einen Wegegruppe nicht etwa nur Sommerbeobachtungen,
in der anderen Wegegruppe nicht bloß Winterbeobachtungen enthalten; vielmehr
liegt jeder Wegegruppe eine Mischung von Beobachtungen aus je drei Jahres-
zeiten zu grunde. Etwaige jahreszeitliche Verschiedenheiten der Strömungen
dürften also in beide Wegepaare mit ungefähr gleichem Betrage eingegangen
sein. Außerdem ist zu bedenken, daß in den Windverhältnissen, diesem Grund-
’aktor für alle Wasserbewegungen, zwar bedeutende Unterschiede- zwischen
Sommer und Winter über dem Nordatlantischen Ozean bestehen, jedoch nur
graduelle, nicht wesentliche; vorherrschend sind im Winter wie im Sommer
bekanntlich westliche Luftbewegungen. Wir sind also sicherlich berechtigt,
die Ergebnisse der Strombeobachtungen auf den beiden Dampferwegen jeweilig
zu einem geographischen Bilde in Gedanken zu verbinden, obschon die Beob-
achtungen nicht auf die gleiche Jahreszeit sich beziehen.
Fassen wir die Ergebnisse der Untersuchung noch einmal in kurzen
Sätzen zusammen, so erhalten wir:
Die Größe der Versetzungen von Dampfern steht im um-
gekehrten Verhältnisse zur Schiffsgröße, scheint dagegen
kaum von der Schnelligkeit und Maschinenkraft der Schiffe
abzuhängen. .
Ausnahmsweis große Versetzungen, die meist durch besondere
Naturereignisse, schwere Stürme, gewaltige Strömungen
u. dgl. hervorgerufen werden, kommen bei Schiffen jeder
Größe fast in gleichem Maße vor.
Alle Schiffe werden am häufigsten nach Lee oder (auf N-Br.)
nach dem Quadranten rechts von Lee versetzt.
Die Versetzungen im Sinne der herrschenden Stromrichtung
pflegen die größten zu sein.
Die Versetzungen sind im Durchschnitt auf der westlichen
Hälfte der Dampferwege wesentlich größer als auf der öst-
lichen; die Grenze der schwachen und starken Versetzungen
liegt im Mittel bei 40° W-Lg. für die südlichen, bei 30° W-Lg.
tür die nördlichen Wege.
Auf der östlichen Hälfte beider Wege sind die Versetzungen
nach allen Kompaßrichtungen ziemlich gleichmäßig verteilt.
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