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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Versetzungen auf den vereinbarten Dampferwegen zwischen dem Englischen Kanal ete, 283 
in Rechnung zu nehmen. Für spätere Untersuchungen wird dadurch die Größe 
des eigentlichen Stromes zwar leider verwischt, doch läßt sich vom see- 
männischen Standpunkte nicht viel dagegen einwenden; denn so außerordentlich 
wichtig es für den Seemann auch ist, die Faktoren zu kennen, aus denen. sein 
Schiffsort resultiert, so-ist doch immer das Wesentlichste, diesen überhaupt 
genau zu kennen, und es ist, wenn man bedenkt, daß z. B. auf Ost- oder Westkurs 
ein Fehler von 1° in der Abtrift bei einem Etmale von 500 Sm schon einen 
Breitenfehler von nahezu 9‘ verursacht, erstaunlich, mit welcher Genauigkeit im 
allgemeinen die Abtrift geschätzt wird. Auch wenn die Schiffe mehrere Tag& 
hintereinander keine astronomischen Beobachtungen gehabt haben, sind im 
ganzen die Versetzungen nicht sehr groß; bei den großen Distanzen, die die 
Schiffe durchlaufen, kommt es hierbei natürlich in allererster Linie auf die 
Genauigkeit der Besteckrechnung an, doch wird ein ziemlicher Teil davon auch 
auf den häufigen Wechsel der Stromrichtungen zurückzuführen sein. Wir sehen 
aus der Tabelle III, daß die Versetzungen in großem Maße von der Wind- 
richtung abhängig sind; da nun die Winde auf diesen Dampferwegen häufig 
wechseln, so heben sich in vielen Fällen die Versetzungen, die die Schiffe 
während mehrerer. Tage ohne astronomische Ortsbestimmungen erleiden, gegen- 
seitig auf. Hierüber wird der Seemann zwar niemals Gewißheit haben, er wird 
aber in Gegenden, in denen keine bestimmte Strömung vorherrscht, z. B. auf 
der östlichen Hälfte der Dampferwege, immerhin schließen dürfen, daß die 
Stromversetzung während mehrerer Tage ohne Beobachtung wahrscheinlich nicht 
sehr groß ist, wenn während der Zeit Winde aus entgegengesetzten Richtungen 
geweht haben. 
In der Tabelle III ist die Einwirkung der Windrichtung auf die 
Versetzung dargestellt. Wir finden darin die Bestätigung der Regel, daß die 
Dawmpfer vorwiegend nach Lee und auf N-Br. nach rechts von Lee versetzt werden; 
als Schlußzahlen der Tabellen für beide Routen ergeben sich nämlich: 
Versetzungen nach Lee, d. h. nach dem der Wind- 1 N 
richtung entgegengesetzten Quadranten . . . = 37°% de u 
Versetzungen nach rechts von dem der Windrichtung SS 40 Inde 
entgegengesetzten Quadranten . . . +... .=271% / 
Versetzungen „in den Wind auf“, . ... . = 18% 
Versetzungen nach links von dem der Windrichtung 
entgegengesetzten Quadranten ... . + . .= 18°%; 
d.h. also: von je drei Versetzungen wird ein Dampfer zweimal nach 
Lee und nach rechts, nur einmal „in den Wind auf“ oder nach links 
von dem der Windrichtung entgegengesetzten Quadranten versetzt. 
Es ist dies also das Gesamtergebnis, für die nördlichen und die südlichen 
Wege sowie für alle Windrichtungen zusammengenommen; ein Ergebnis, welches 
sich ganz mit den bedeutsam gewordenen Untersuchungen Dinklages über die 
Strömungen bei „Adlergrund-Feuerschiff“!) sowie über die Versetzungen in der 
Bai von Biscaya?) in ihrer Abhängigkeit von den Windverhältnissen. deckt; es 
gilt dies Ergebnis für Winde aus irgend einer Himmelsrichtung, sobald sie nur 
eine einigermaßen nennenswerte Stärke (über Beaufort-Skala 2) erreichen. 
Betrachten wir aber in Tabelle IIT die Fälle, für welche ganz schwache 
Winde oder Windstillen notiert sind, 8o zeigt sich allerdings — und dies ist 
lehrreich — über der westlichen Hälfte des Ozeans, also an der amerikanischen 
Küste, ein leichtes Vorwiegen von Stromrichtungen, die nicht lediglich als 
Windtriften gelten können, nämlich für die südlichen Dampferwege Nordost- und 
Nordwest-Richtung (Golfstrom-Richtungen), für die nördlichen Dampferwege Nord- 
ost- und Südwest-Richtung (Golfstrom- und Küstenstrom-Richtung). Über der öst- 
lichen, europäischen Hälfte des Ozeans, wo man nur von einer „Golfstromtrift“ 
redet, fehlt auch bei schwachen Winden oder Stille eine irgendwie deutlich aus- 
gesprochene Stromrichtung. Mit anderen Worten heißt dies: während der 
yanzen Überfahrt zwischen Europa und New York hat der Schiffsführer in der 
Hauptsache nur mit Versetzungen, deren Richtung die Winde regeln, zu rechnen, 
) „Ann. d. Hydr. etc.“ 1888, S. 1ff. 
?) Ebenda, 1895, S. 427.
	        
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