280 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903,
vorübergehend trockenes und teilweise heiteres Wetter ein. Ein am 11. in Nord-
westen über dem Ozean herannahendes tiefes Minimum hatte eine südliche Ver-
lagerung des Maximums zur Folge, so daß zunächst an der Nordsee westliche
Winde und schon an diesem Tage ostwärts bis Rügen wieder Niederschläge
eintraten.
Vom 12, bis 17. lag die Küste andauernd im Bereiche einer Depression,
die von einem Minimum im hohen Norden bis über Norddeutschland reichte und
auf ihrer Südseite in steter Folge längs der Küste schreitende Ausläufer und
Teilminima entwickelte. Bei anhaltend hohem Luftdruck über dem Ozean ent-
stammten die an der Küste auftretenden nordwestlichen bis südwestlichen Winde
höheren Breiten, so daß kühle Witterung mit fast täglichen Niederschlägen über
dem ganzen Gebiet bestand. KEin ostwärts vordringender Ausläufer rief am 12,
an der Nordsee steife und stellenweise stürmische nordwestliche Winde hervor;
ein nachfolgendes, am 18. und 14, über Jütland nach der südlichen Ostsee vor-
dringendes Teilminimum verursachte in der Nacht zum 14. und am 14. ostwärts
bis Mecklenburg steife und fast überall bis Stärke 8 anschwellende, nur ver-
einzelt stärkere Winde meist aus dem Nordwestquadranten.
Die Tage vom 18. bis 21. brachten die hervorragendste Witterungs-
erscheinung des Monats, das Vordringen eines der bekannten, von aufserordent-
lich starken Niederschlägen begleiteten Sturmwirbels von der Adria über Ungarn
und Ostdeutschland nach der mittleren Ostsee. Unter Wechselwirkung mit dem
bis zum 19, über Westeuropa lagernden, am 20. an Höhe verminderten Hoch-
äruckgebiete wurden sehr schwere Stürme als Begleiterscheinung des Nieder-
gehens mächtiger Schneemassen hervorgerufen. Die stürmischen Winde traten
in Stärke 8 bis 9 am Abend des ]8. zunächst an der preußischen Küste auf
und breiteten sich in der Nacht, während sie hier nachließen, westwärts aus;
am 19. und 20. hatte die ganze Küste ostwärts bis Pommern stürmische Winde:
am 19. an der Ostsee meist bis Stärke 10 und mehrfach darüber, aus NNO—NW,
an der Nordsee aus dem Nordwestquadranten Stärke 7 bis 8; am 20. aus dem
Nordwestquadranten fast überall bis Stärke 8 und mehrfach von größerer Stärke,
an diesem Tage an der Nordsee stärker als am vorhergehenden. Während die
Ostseeküste tägliche, am 18. und 19. sehr ergiebige Niederschlagsmengen hatte,
herrschte am 19. bis 21. an der Nordsee vorwiegend trockenes und teilweise
heiteres Wetter.
Eine eigenartige Entwickelung erfuhr die Wetterlage vom 22, bis 25.,
indem eine Depression von der Biscayasee über Frankreich und Alpengebiet nach
Nordwestdeutschland vordrang, wo sie sich ausfüllte und mit einer neuen De-
oression über dem Ozean in Verbindung trat. Durch südliche Winde auf
der Vorderseite der genannten Kontinentaleuropa durchquerenden Depression
wurde an der ostdeutschen Küste am 22, und 23. starke Erwärmung hervor-
gerufen, während an der westdeutschen Küste zunächst bei nordöstlichen, am
233, und 24. teilweise steifen und vereinzelt stürmischen Winden zunächst keine
erhebliche Temperaturänderung erfolgte. Als sich aber die Depression vom
Ozean aus über die Biscayasee ausbreitete und der Luftdruck hier niedrig blieb,
arfuhr die Temperatur an der westdeutschen Küste im Bereiche der andauernd
vom Ozean bis Nordwestdeutschland reichenden Depression bei Winden südlicher
Herkunft stetige Zunahme, während der Osten unter dem Einfluß eines über
Nordosteuropa zur Entwickelung gelangten Hochdruckgebietes und flacher Teil-
minima über Westrußland blieb und vom 24. bis 27, wieder starke Abkühlung
erfuhr. Hier brachten diese Tage, mit Ausnahme des 24., 25. und 28., aber meist
trockenes Wetter, während die westdeutsche Küste bis zum 29. täglich aus-
gebreitete, am 28. von Gewittern begleitete Regenfälle hatte.
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