Die Witterung an der deutschen Küste im April 1903.
Auch die nächsten Tage brachten an der Nordsee und in Kiel wenig Änderung,
bis sich ein meist stetiges langsames Steigen vom 25. bis 29, oder 30. einstellte;
in Wustrow und Swinemünde setzte das Steigen etwas zeitiger ein, weiter ost-
wärts aber erfuhr die Temperatur eine sehr starke Zunahme zum 22. und 23,,
worauf eine erhebliche Abnahme bis zum 27. erfolgte und dann wieder vorüber-
gehend weitere Erwärmung am 28. oder 28. und 29, eintrat. Die Morgen-
temperaturen Jagen fast durchweg unter den normalen Werten, über diesen an
der Nordsee nur am 4. bis 7., 29. und 30., an der Ostsee für die Mehrzahl der
Stationen am 1., 5., 24. und 29. — Borkum und Hamburg blieben frostfrei und,
abgesehen von Wilhelmshaven mit 4 und Kiel mit 6 Frosttagen, sank die Tem-
peratur auf den Stationen nur an 1 bis 2 Tagen unter den Gefrierpunkt am 4,,
14. oder 18. — Die Temperatur lag an der Küste zwischen — 3,0 (Neufahr-
wasser) und 18,8 (Memel), schwankte also um 21,8, während die Schwankung
auf den Stationen zwischen 14,1 (Swinemünde) und 21,0 (Memel) betrug. — Die
aus den Änderungen der Temperatur von Tag zu Tag ohne Rücksicht auf die
Vorzeichen der Änderungen als arithmetisches Mittel für die drei Termin-
beobachtungen berechnete interdiurne Veränderlichkeit der Temperatur (I. T. V.)
lag mit ihren größten Werten zwischen 1,5 (Hamburg) und 24 (Memel); die
größten Werte traten meist am Nachmittag, die kleinsten etwa gleich häufig
am Morgen und Abend auf. Die monatlichen Niederschlagsmengen waren sehr
ungleichmäßig verteilt, die kleinsten Werte wurden an der westlichen Ostsee,
die größten, 100 mm übersteigenden Werte auf den Inseln der westlichen Nordsee
und an. Teilen der mittleren Ostseeküste gemessen; gegen 41 mm in Wustrow
und 42 mm in Aarösund, Warnemünde und Stolpmünde hatten Wangeroog 111,
Ahlbeck‘ 124 und Colbergermünde 126 mm. — Die meisten Tage führten für
den größten Teil der Küste Niederschläge herbei. Über größerem Gebiete
trocken, abgesehen von geringfügigen oder vereinzelten Niederschlägen, waren
nur der 9. an der Nordsee, der 10. ostwärts bis zur Oder, der Il. von Rügen
ostwärts, der 19. bis 21. an der Nordsee, der 22, von Elbe bis Oder, der 23.
von Mecklenburg ostwärts, der 25. an der Ostsee, ausgenommen Preußen, der
26. an der Ostsee sowie der 27., 29. und 30. von Mecklenburg ostwärts. —
Sehr ergiebige, in 24 Stunden 20 mm übersteigende Niederschläge wurden
beobachtet am 12, in Pillau (23), am 18. in Ahlbeck (27), Colbergermünde (21),
Rügenwaldermünde (26), Leba (50), Rixhöft (25), Neufahrwasser (34), Hela (25)
und Brüsterort (25), am 19. in Darßerort (21), Wittower Posthaus (39), Greifs-
walder Oie (24), Ahlbeck (34), Swinemünde (21) und Colbergermünde (56) und
am 23. in Borkum (20), Wangeroog (25) und auf Helgoland (20). — Gewitter
traten über größerem Gebiete nur am Nachmittag des 28, ostwärts bis Mecklen-
burg auf. — Ausgebreiteter Nebel wurde am Il. und 12. an der preußischen
Küste, am 23, ostwärts von Mecklenburg, am 25. und 26. an der ostdeutschen
Küste, am 27. bis 29. von Rügen ostwärts und am 30. von der Elbe ostwärts
beobachtet.
Die Wetterlage vom 1. bis 7. charakterisierte sich durch ein Maximum
über der Biscayasee mit wechselnder Erstreckung hohen Drucks über Kon-
tinentaleuropa, andauernd niedrigsten Luftdruck im Nordwesten über dem Ozean
und durch die Entwickelung von Teilminima, die nördlich von der Küste ost-
wärts geschritten. . Bei Winden aus fast durchweg westlichen Richtungen hatte
das ganze Gebiet fast täglich Niederschläge. Ein am 4. bis 6. von der Nordsee
über Südschweden nach dem Finnischen Busen vordringendes Teilminimum
brachte am 4. und 5, ostwärts bis Pommern steife bis stürmische, rechtdrehende
westliche Winde, die auf den meisten Stationen Stärke 8 erreichten, diese aber
nur vereinzelt, an der westlichen Ostsee, überschritten. Ein am 7, ebenfalls über
Südschweden fortschreitendes Teilminimum rief an der ganzen Küste wieder
steife und stürmische, ostwärts bis Mecklenburg südwestliche bis nordwestliche,
weiter ostwärts südwestliche Winde hervor, die die Stärke 8 mehrfach an der
schleswig-holsteinschen und der preußischen Küste übertrafen.
Die Tage vom 8. bis Il. brachten vorübergehend die Herrschaft eines
Hochdruckgebietes, indem das Hochdruckgebiet sich (am 9.) vom Ozean über
Mitteleuropa bis Finnland ausbreitete und am 1{0. mit seinem Kern nach der
Nordsee vordrang. Die Winde drehten an der Küste demnach über Nord nach
nordöstlicher Richtung, und es trat in dem angegebenen Umfang in diesen Tagen
279