270 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903,
{2 nachts und 3" 30%in befriedigend. Die bestehenden Abweichungen dieser
Ermittelungen von der Lage des Taifunzentrums nach den Angaben des Zikawei-
Observatoriums, lassen sich nach „Bergholz, Die Orkane des fernen Ostens“
dadurch erklären, daß die Resultate der Regel Fourniers, wenn die Wind-
richtung sich wenig oder gar nicht ändert, ungenau werden.
Nach den Barometerständen und den Windrichtungen mußte das Schiff
nach der Einstellung des Barocyklonometers!) in oder doch an der Grenze des
Zentrums gewesen sein; dieses war aber nach den Begleiterscheinungen aus-
geschlossen.
Das Instrument ist daher in höheren Breiten nicht mit gleichem Nutzen
verwendbar als auf den Philippinen.
3, Fall von vulkanischem Staub auf Barbados am 23. März 1903.
1. (Nach Bericht des Kapts. Barenborg, Bark „Dora“.) Die Bark „Dora“
lag am 22. März d. J. vor Bridgetown auf Barbados vor Anker. Der Kapitän
berichtet unter Sonntag, dem 22. März, wie folgt:
„Kurz nach 9° V nahm die Luft über der Kimm im Westen eine eigen-
tümlich dunkle, blauschwarze Farbe an. Die von OzS aus der Windrichtung
ziehenden cum. und cu-eir. hoben sich grell dagegen ab. Mit dem Höherkommen
dieser Luftbildung bemerkten wir, daß diese einen ebenmäßigen schwarzen
Rand, dessen Enden den Horizont schnitten, zeigte. Bei weiterem Steigen, in
atwa 50° Höhe, hatte das Schwarz sich allmählich über das ganze Gebilde ver-
breitet und war die Wolke, nachdem sie 10* 30=in den Zenit überschritten hatte,
zo dicht und intensiv dunkel, daß sich eine eigentümliche fahle Dämmerung
verbreitete. Wenige Minuten später wurde die Sonne verdeckt, und nachdem
ler Rand der Wolke den Osthorizont erreicht hatte, herrschte eine derartige
Finsternis, daß wir in den Wohnräumen die Lampen anzünden und die vor-
geschriebenen Ankerlaternen hissen mußten. Von 10" 50=i» ab merkten wir
ginen leichten Staubfall, der sich nach und nach verdichtete und bald alles
bedeckte. Von 11" 30=in bis 11° 50min war es derartig dunkel, daß man die
Gebäude an Land nicht mehr sehen und an Deck die Leute auf etwa 10 m
Entfernung nicht erkennen konnte. Dann kam die Sonne in fahlem Lichte
wieder durch, doch blieb es noch immer ziemlich düster, da die über uns
ziehenden Staubwolken von gelblich brauner Färbung noch sehr dicht sein
mußten. Aber von 1° ab wurde es allmählich und merklich heller, und wir
beobachteten, daß der nun fallende Staub eine rötlich braune Farbe hatte und
auch bedeutend feiner war als der zuerst gefallene, der höchstwahrscheinlich
von der schweren schwarzen Wolke stammte. Letzterer war grauschwarz und
fein gekörnt und läßt sich am besten im Aussehen mit Gewehrpulver ver-
gleichen. Leider war es nicht möglich, Proben der beiden verschiedenen Sorten
zu nehmen, da alles durcheinander wehte. Ich glaube an dem schwarzeh Staub
einen leichten Gasgeruch wahrgenommen zu haben, der mir aber nachher, als
sich die beiden Arten schon zusammengemischt hatten, nicht mehr auffiel.
Der Staubfall dauerte bis gegen 5%, allerdings immer schwächer werdend. Schon
um 5% klarte die Luft in Nordwest bis Nord etwas auf, und vor Eintritt der
(Dämmerung) Dunkelheit, gegen 6" 30m", waren auch die letzten Staubwolken
über Barbados verschwunden.
Der Wind war den Tag über Ost bis Ostsüdost. Das Barometer zeigte
nicht die geringste Schwankung und stand um 8° V auf 763,3 mm (auf 0° C.
gedmziert). Auch die Lufttemperatur zeigte nichts Auffällizges und war um 12"
25,7° C.
Nach eingetroffenem Telegramm hatten auf St Vincent und Martinique
um 7b 10min bezw. S% 20=in V vulkanische Ausbrüche stattgefunden. Die aus-
gestoßenen leichteren Massen waren in den höheren Luftregionen von West
nach Ost getrieben und wurden, durch ihre eigene Schwere sinkend, vom Ost-
winde wieder zurückgeweht. Wir hatten schätzungsweise etwa 2 bis 3 Tons
Staub an Deck. KEigentümlicherweise hatten wir den folgenden Tag, den 23.
und auch den 24., fast ganz bedeckte Luft mit häufigem Regen und am 24.
1) Auf die Anwendung des Barocyklonometers und die Bedeutung seiner Angaben wird
demnächst zurückgekommen werden. D. Red.