268 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903.
Stärke erreichte er ungefähr zur Zeit des Mond-Meridiandurchgangs. Nachdem
am 11. Vollmond gewesen war, trat eine Verminderung der Windstärken be-
sonders am Tage ein.
Nach einer hier im Privatbesitz befindlichen venezuelanischen Segel-
anweisung für den Golf von Maracaibo: „Derrotero del Golfo de Venezuela
v 8ac0 de Maracaibo“ aus dem Jahre 1864 ist bis Ende März eine Steigerung
des schlechten Wetters, von April bis Juli eine Abnahme, im August wieder
eine Zunahme zu erwarten, während die Monate September bis Dezember die
ruhigen Monate sind. .
Im Gegensatz zu der bisher stets klaren sichtigen Luft war das Wetter
während der ersten zwei Wochen dieses Februar diesig und unsichtig, so daß
die Küste vom Ankerplatz aus meistens nicht zu übersehen war. Auch die
täglichen Schwankungen des Barometers, welche bisher im Golf von Maracaibo
regelmäßig verlaufende Kurven mit einem täglichen Maximalausschlag von
2 mm ergeben hatten, zeigten in der letzten Zeit ein verändertes Aussehen.
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- Tuftdruckkurve am 6. Februar
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1.93,
1903.
19028.
Sie waren größer (bis zu 4 mm) und nicht so regelmäßig. In dem bei-
stehenden Diagramm sind die Luftdruckkurven für den 6., 7. und 8. Februar
dargestellt.
Der Himmel hatte am 8. Februar noch eine Stunde nach Sonnenunter-
gang eine bläulichrote Färbung, und an diesem Tage setzte der Nordoststurm
auch etwa zwei Stunden früher ein, wie die Windstärke 8—9 in den vorher-
gehenden Tagen.
2, Taifun bei Tsushima am 4./5. September 1902.°) Nach dem Bericht
von S, M. S. „Fürst Bismarck“, Komdt, Kapt. z. S. Friedrich,
Am 4. September 6% V verliefs S. M. S. „Fürst Bismarck“ den Hafen
von Miaschima, um nach Tschimulpo zu dampfen.
Nachmittags frischte der von 0SO wehende Wind bei stetig fallendem
Barometer schnell bis zur Stärke 6 bis 7 in den Böen auf; in der Straße von
Simonoseki fielen auch Böen von den Bergen ein, welche die Stärke 8 erreichten.
In Simonoseki war Signal „Sturm zu erwarten“ geheißt. Die allgemeine
Bewölkung, das anhaltende Fallen des Barometers, die Färbung des Horizonts
beim Sonnenuntergang, sowie die aus dichten, schwarzen Regenwolken bestehende
Bank am Horizont in südwest- bis westsüdwestlicher Richtung ließen auf die
Annäherung bezw. das Vorüberziehen eines Taifuns schließen, dessen Minimum
südwestlich von Simonoseki stand. Da der Ankerplatz östlich von Rokuren
nicht sicher genug erschien, wurde trotz der voraussichtlich eintretenden An-
näherung an das Zentrum die Reise fortgesetzt. Nach Passieren von Rokuren
wurde der Kurs 8 Sm südlich von Koo Saki auf Tsushima gesetzt.
Das Barometer war in der Zeit von 6 V bis 5% 15" N um etwa 6 mm
gefallen.
So lange es hell war, konnte eine Bewegung der in Südwest stehenden
dichten Wolkenbank nicht wahrgenommen werden, so daß die Annahme gemacht
wurde, das Schiff würde mit 10 Sm Fahrt nördlich vor dem Zentrum vorbei-
laufen. Um 1% 40min war Koo Saki qauerab, der Barometerstand war auf
4) Dieser Taifun ist einer der beiden Vorläufer des Taifuns, der nach den Beobachtungen
dee D. „Prinzeß Irene“ in den „Ann. d. Hydr. etc.“ 1903, S. 41 beschrieben worden ist. D. Red.