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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Koldewey: Über Abblendung und Einrichtung der Seitenlichter. 367 
an Steuerbord ein grünes Licht auftauchte. Alsbald nach dem Insichtkommen 
hat man auch Glockenläuten und Rufen gehört. Der Kapitän des Dampfers 
schloß daraus, daß er an Backbord voraus ein ankerndes Fahrzeug habe, und 
daß das an Steuerbord sichtbare grüne Licht zu einem zweiten segelnden Fahr- 
zeuge gehöre. In dieser. Lage beschloß der Kapitän, zwischen den vermeint- 
lichen zwei Schiffen unter ganz langsamer Fahrt hindurchzufahren und seinen 
Kurs nicht zu ändern. Es stellte sich aber gleich darauf heraus, daß beide 
Lichter zu einem und demselben Segelschiffe („Maxwell“, 1856 Registertonnen 
brutto und 82 m lang) gehörten, der fast quer vor dem Dampfer vorüber unter 
kleinen Segeln beim Winde nach Süden .zu lag. Das weiße Licht war das 
Hecklicht und das grüne das Steuerbordseitenlicht desselben. Der Zusammen- 
stoß ließ sich, trotzdem die Maschine des Dampfers sofort auf volle Kraft 
rückwärts gestellt wurde, nicht mehr vermeiden, und lief die „Patagonia“ unter 
einem spitzen Winkel von hinten in die Steuerbordseite des „Maxwell“ hinein, 
der binnen 8 min gank. Die Mannschaft wurde gerettet. . 
Aus den vorstehenden Erörterungen dürfte zur Evidenz hervorgehen, daß 
gerade die deutschen Vorschriften über die Abblendung und Einrichtung der 
Positionslaternen den Artikeln 2 und 24 der Kaiserlichen Verordnung vom 
9. Mai 1897 am besten entsprechen und die vom Board of Trade in seinen 
Instructions as to the survey of lights geforderte Ausdehnung der Linse bis zum 
Scheinen des vollen Lichtes 2 Strich hinterlicher als quer als der Verordnung 
entgegenstehend anzusehen ist. 
Übrigens ist es bei Anwendung von geschliffenen Fresnellinsen ohne 
wesentliche Preiserhöhung nicht möglich, für die Seitenlaternen einen größeren 
Leuchtbogen als 10 Kompaßstriche zu ‚erzielen, - wenn die Flamme in den 
Mittelpunkt der Linse, wie es notwendig ist, gestellt wird. Die einzelnen 
Elemente der Linse werden in ganzen Ringen gegossen und geschliffen und 
dann jeder Ring für die Seitenlaternen in drei Teile, von welchen jeder Teil 
einen Bogen von 120° umfaßt, geschnitten. Durch die Fassung geht auf jeder 
Seite 3 bis 4° verloren, so daß nur ein Bogen von 10 Strichen übrigbleibt. 
Je mehr durch geeignete Vorschriften und die nötige Kontrolle dafür 
gesorgt wird, daß die Seitenlaternen überhaupt richtig konstruiert sind und vor 
allem eine solche Leuchtkraft besitzen, daß die gesetzlich vorgeschriebene 
Sichtweite von mindestens 2 Sm erreicht wird, um so besser und genauer 
werden auch die Grenzlinien des Lichtes nach vorn und 2 Strich hinterlicher 
als quer eingehalten werden. 
Um aber die richtige Konstruktion und .die Leuchtkraft der Laternen 
festzustellen, genügt. es nicht, die Laternen nur auszumessen und deren Größen- 
verhältnisse in Bezug auf Linse, Lampe und Stellung der letzteren etc. festzu- 
stellen, wie dies in England durch die Surveyors geschieht, sondern es ist vor 
allen Dingen die Stärke des Lichtes, ‘der effektive Leuchtwinkel und die Färbung 
der Gläser durch Bestimmung der Helligkeit auf photometrischem Wege zu 
ermitteln. Nur allein hierdurch wird eine genügend sichere‘ Garantie geboten, 
daß die Vorschriften des internationalen Gesetzes erfüllt werden. Kine solche 
Prüfung wird in Deutschland durch die Agenturen der Seewarte ausgeübt, und 
es wird von der Seeberufsgenossenschaft an Bord der Schiffe kontrolliert, ob 
diese Prüfung in jedem einzelnen Falle stattgefunden hat. 
Kleinere Mitteilungen, . 
1. Witterung im Golf von Maracaibo im Februar 19083.. (Bericht des 
Kommandos S. M. S. „Panther“, Komdt. K-Kapt. Eckermann.) I 
Während der Liegezeit vor der Barre von Maracaibo, in den Tagen vom 
1. bis 14. Februar d. J., wurden ebenso wie auch im vorigen Monat bei zu- 
aehmendem Mond ganz besonders schlechte Wetter- und Seegangsverhältnisse 
vorgefunden. Es kam jeden Abend, meistens von 8 ab, starker Nordostwind 
durch, der sich bis zum 7. in Grenzen bis zu Windstärke 9 hielt; am 8. er- 
reichte er die Sturmstärke 10—11 mit äußerst grober Grundsee, und auch in 
den folgenden Nächten blieb der Wind gtärker als gewöhnlich. Die größte
	        
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