262 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903,
Voraussetzung einer sachgemäßen Navigation müßte der Navigationsoffizier in
diesem Falle zu folgendem Resultat gelangen:
Datum.
Zn
Berechneter Stand.
Beobachteter Stand.
Fehler.
— Ob 50min 15,23sek
38,55
] — 5445, .
51min 25,29 51min
b2min 27,55 52min
| 53min 26,92 53min
54min 22,51 | 54min
43,50
55min 0,42 ,
Hieraus ist zu ersehen, daß der größte im Chronometerjournal angegebene
Fehler von — 35,41°%* sich sofort bei richtiger Ausnutzung der vorgenommenen
Standbestimmungen auf — 8,91°% reduziert, das ist auf weniger wie ein Viertel
des ursprünglichen Betrages. Dadurch würden die Fehler in den Längen-
bestimmungen, welche an den betreffenden Tagen vorgenommen wurden, sich
ebenfalls von etwa 9°%* auf etwa 2°* vermindern, ein Erfolg, dessen große Be-
deutung für die Navigierung über jeden Zweifel erhaben ist.
Ferner mag hier noch erwähnt werden, daß man sehr wohl in der Lage
ist, aus dem Verlauf der Gangänderungen festzustellen, ob dieselben durch
instrumentelle Anderungen oder durch falsche Beobachtungen und Berechnungen
verursacht sind, man somit ein Mittel an der Hand hat, die Leistungen des
Navigationsoffiziers auf diesem Gebiete einer Nachprüfung zu unterziehen.
6. Sind abnorme Temperaturschwankungen an Bord vorgekommen?
Temperaturschwankungen lassen sich an Bord bei dem wechselnden Auf-
enthalt der Schiffe nicht vermeiden. Ihre schädlichen Einflüsse kann man durch
regelmäßige sorgfältige Beobachtungen des Maximum- und Minimumthermometers
and demnächstige Anwendung der von den OÖbservatorien mitgegebenen Tem-
peraturkoeffizienten sehr einschränken. Umgehen kann man indessen vorüber-
gehend auftretende Temperaturschwankungen von sechs und mehr Grad innerhalb
von 24 Stunden. Derartig große Unterschiede geben häufig zu erheblichen
Gangänderungen Veranlassung und lassen sich größtenteils auf geringe Sorgfalt
in der Behandlung der Chronometer zurückführen. Sie lassen somit keinen
günstigen Schluß hinsichtlich der Pflege, welche man an Bord des betreffenden
Schiffes den Instrumenten hat zu teil werden lassen, zu.
Mit Rücksicht auf die große Wichtigkeit, welche die sachgemäße Be-
handlung der Chronometer an Bord auf die Sicherheit der Navigierung und
damit auch auf die Sicherheit der Besatzung und des Schiffes ausübt, wäre
28 dringend zu wünschen, daß die Front dauernd über die Leistungen auf
diesem Gebiete unterrichtet wäre. In einer Weise ließe sich das dadurch
arreichen, daß die Front zur Revision der Chronometerjournale mit heran-
gezogen würde, und zwar müßte die Revision in unmittelbarem Anschluß an
die Vollendung eines jeden Chronometerjournals stattfinden, damit die Navigations-
offiziere möglichst noch in den Besitz der Revisionsbemerkungen gelangen, so
lange sie sich in dieser Stellung befinden. Der Revision der Journale müßten
ähnliche Fragen zu grunde gelegt werden, wie ich sie im Laufe dieser Arbeit
aufgestellt habe.
Außer dieser Revision durch die Front würde sich eine regelmäßige
statistische Bearbeitung sämtlicher Chronometerjournale nebst den zugehörigen
Berechnungen an einer Centralstelle empfehlen. Nur so läßt sich die Möglichkeit
und Sicherheit schaffen, daß auf diesem Gebiete Fortschritte gemacht werden,
daß auftretende Fehler beseitigt werden und daß die Bildungsanstalten jederzeit
darüber unterrichtet sind, welche Punkte beim Unterricht besonders hervor-
gehoben werden müssen.