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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903.
3. Auf Grund welcher Beobachtungsmethoden sind die neuen Stände
yewonnen?
Der Wunsch, dem praktischen Seefahrer seine Aufgaben nach Möglichkeit
zu erleichtern, hat dazu geführt, die Zahl der Zeitsignalstationen nach Möglichkeit
zu vermehren. Dadurch ist ein Mittel geschaffen, die Chronometer - Stand-
bestimmungen in der denkbar einfachsten und dabei sichersten Weise vorzu-
nehmen, so daß überall da, wo derartige Zeitsignale abgegeben werden, diese
Beobachtungsmethode anzuwenden ist. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen,
daß für derartige Bestimmungen nur diejenigen Zeitsignalstationen heranzuziehen
sind, deren absolute Genauigkeit sichergestellt ist. Zeitsignale in Hafenplätzen
wie Nagasaki und St Paul de Loanda, welche zwar im „Nautischen Jahrbuch“
Aufnahme gefunden haben, deren Unsicherheit in der Abgabe der Signale in-
dessen durch die zugefügten Bemerkungen: „Das Signal wird mit der Hand
gemacht, ist auf 2% unsicher und hat nur örtliche Bedeutung, bezw. der Zeit-
ball fällt unregelmäßig“, gekennzeichnet ist, sind für Chronometer - Stand-
bestimmungen ungeeignet. Kbenso ist große Vorsicht denjenigen Zeitsignalen
gegenüber geboten, welche in der Form eines Mittagsschusses abgegeben werden
und deren Bestimmung es gar nicht ist, zu Chronometer-Standbestimmungen zu
dienen, sowie gegenüber Uhrvergleichen, welche nicht auf Sternwarten, sondern
lediglich durch Vergleich mit der Uhr eines örtlichen Chronometermachers etc.
oder den Chronometern eines anderen Kriegsschiffes gewonnen werden.
Die Anlage der Zeitsignalstationen ist keineswegs so aufzufassen, daß
nur an denjenigen Plätzen Standbestimmungen vorzunehmen sind, in welchen
ein Zeitball etc. fällt. Vielmehr ist es die Pflicht eines jeden Navigations-
offiziers, sich überall da, wo ihm derartige Hilfsmittel nicht zu Gebote stehen,
durch Vornahme von astronomischen Zeitbestimmungen zu helfen und die bei
der nächsten sich bietenden Gelegenheit beobachteten Zeitsignale dazu heran-
zuziehen, Kritik an seinen astronomischen Beobachtungen zu üben.
Unter keinen Umständen entbindet das Nichtvorhandensein von Zeitsignal-
stationen den Navigationsoffizier von der Verpflichtung, regelmäßige Stand-
bestimmungen vorzunehmen, und bei Havarien am Schiffe, welche auf die Unter-
lassung dieser Pflicht zurückzuführen wären, würde ihm stets ein berechtigter
Vorwurf zu machen sein.
Denjenigen Navigationsoffizieren, denen es während ihrer Dienstzeit an
Gelegenheit gefehlt hat, sich in astronomischen Zeitbestimmungen Gewandtheit
und Sicherheit zu erwerben, kann nur warm empfohlen werden, derartige Beob-
achtungen an solchen Plätzen auszuführen, wo Zeitsignale abgegeben werden,
weil ihnen dort ein Mittel an die Hand gegeben ist, die Richtigkeit ihrer
eigenen Beobachtungen zu kontrollieren.
Welche Beobachtungsmethode bei den einzelnen astronomischen Zeit-
bestimmungen zu wählen ist, hängt von der Witterung und der für diese Beob-
achtungen verfügbaren Zeit ab. Anzustreben ist, daß jederzeit diejenige Methode
Verwendung findet, welche die schärfsten Resultate zu geben vermag, d. h. daß
man sich beispielsweise nicht mit Einzelhöhen der Sonne begnügt, wenn die
Beobachtung korrespondierender Sonnenhöhen möglich ist.
4. Wie viel Zeitballbeobachtungen sind einer neuen Gangbestimmung zu
grunde gelegt worden?
In einem wie hohen Maße fehlerhafte Standbestimmungen die Richtigkeit
der Chronometerangaben ungünstig zu beeinflussen vermögen, ist schon erwähnt
worden. Es darf daher von seiten des Personals, dem die Sorge für die
Chronometer anvertraut ist, keine Gelegenheit unbenutzt vorübergehen gelassen
werden, welche die Möglichkeit gibt, die Standbestimmungen auf ihre Richtigkeit
zu prüfen. Bei Zeitballbeobachtungen nun läßt sich dies in einer außer-
ordentlich einfachen Weise dadurch bewerkstelligen, daß man sich nicht mit
einer Zeitballbeobachtung begnügt, sondern deren zwei anstellt. Ein Vergleich
beider Beobachtungen miteinander wird dann sofort erkennen lassen, ob sich
gröbere Beobachtungsfehler eingeschlichen haben.
Kleinere Beobachtungsfehler kann man dadurch stark herabmindern, daß
man mehrere Beobachtungen zu einem Mittel vereinigt.