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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1902—1903. 257 
Die für die diesjährige Prüfung sich ergebende Zahl 3 = 378 ist gegen- 
über den entsprechenden Werten aus den beiden vorangegangenen Jahren wiederum 
etwas größer geworden. Der Mittelwert der Größe 3 aus den Prüfungen 11 
bis 25 beträgt 376; die diesjährige Größe X besitzt demnach einen mittleren 
Wert. Dieses Ergebnis kann in Anbetracht des Umstandes, daß die Anzahl 
der zur Prüfung eingelieferten Chronometer deutschen Ursprunges von Jahr zu 
Jahr gewachsen ist und daß von dem Verhalten dieser Chronometer der Ausfall 
der Prüfungen jetzt wesentlich abhängt, als ein günstiges bezeichnet werden. 
Man kann bei einer verhältnismäßig jungen Industrie, wie es die Chronometer- 
Fabrikation in Deutschland ist, nicht schon während der ersten Jahre Ergebnisse 
erwarten, welche den um reichlich ein Jahrhundert älteren Industrien des Aus- 
landes vollkommen ebenbürtig sind. Bei der Chronometer-Fabrikation kommt 
außerdem der erschwerende Umstand hinzu, daß neue Instrumente meistens erst 
nach Verlauf einiger Jahre frei von der Acceleration werden. So hat sich auch 
während der diesmaligen Prüfung wiederum gezeigt, daß gerade die Acceleration 
neuer Chronometer das Gesamtergebnis wesentlich herabgedrückt hat; bei 
12 Chronometern (von 56) hat eine Versetzung in tiefere Klassen stattGnden 
müssen, weil die für die Acceleration festgesetzten Grenzwerte überschritten 
wurden. 
Was die Beteiligung deutschen Fabrikates an den Konkurrenz-Prüfungen 
betrifft, so geht die von Jahr zu Jahr stattgehabte Steigerung aus den folgenden 
Angaben deutlich hervor. Es wurden eingeliefert: 
Zur E Konkurrenz-Prüfung : deutsche Chronometer oder 21% der Gesamtzahl, 
24. ; u 5 A 
25. . 23 + „» %B. . 
26. M 27 . „ 8. » 
Es läßt sich demnach wohl kaum verkennen, daß sich die deutsche 
Chronometer-Fabrikation in stetiger Weiterentwickelung befindet, und es ist bei 
dem großen Interesse, welches diesem Industriezweige allseitig entgegengebracht 
wird, die Hoffnung berechtigt, daß dieser Fortschritt ein dauernder sein wird. 
Die Abteilung IV der Deutschen Seewarte. 
Dr. Stechert. 
Welche Schlüsse lassen sich aus den Angaben der Chronometer- 
journale auf die navigatorische Tätigkeit eines Schiffes ziehen? 
Von K.-Kapt. a. D. Capelle, Wilhelmshaven. 
Die Güte der astronomischen Ortsbestimmungen an Bord S. M. Schiffe 
hängt hinsichtlich der Längenbeobachtungen, abgesehen von der Schärfe der 
Höhenmessung, in erster Linie von der Genauigkeit ab, mit welcher die Be- 
stimmung der mittleren Greenwicher Zeit im Augenblick der Beobachtung 
möglich ist. Da letztere nun nur mit Hilfe der Chronometerangaben gewonnen 
werden kann, so üben die Fehler, welche den jedesmaligen Standbestimmungen 
der Chronometer anhaften, einen entscheidenden Einfluß auf die Güte der Orts- 
bestimmungen aus. . 
Die Fehlergrößen, welche bei den Chronometerständen auftreten, werden 
um so bedeutender sein, je geringer die Sorgfalt ist, welche der Behandlung 
der Chronometer und der sachgemäßen Stand- und Gangbestimmung zu teil 
wird, während sie sich bedeutend verringern, sobald auf diesem Gebiete von 
dem betreffenden Navigationsoffizier gutes ‚geleistet wird... Somit bieten die 
Angaben in den Chronometerjournalen einen vorzüglichen Maßstab dar für die 
Art und Weise, in welcher die Navigation an Bord des in Frage kommenden 
Schiffes gehandhabt ist. Um ein einigermaßen erschöpfendes Bild hierüber zu 
gewinnen, ist es notwendig, sich an der Hand der betreffenden Journale folgende 
Fragen zu beantworten:
	        
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