244 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903.
zu gefährlichen Trugschlüssen. Der Druck stellt insoweit einen wesentlichen
Faktor bei der Selbstentzündung dar, als er die einzelnen Partikelchen au- und
ineinanderstaucht und dadurch nicht nur die Innenspannung erhöht, sondern
auch das schon an sich geringe Wärmeleitungsvermögen der Kohlen, der in
und auf ihnen angehäuften Luft und des anderen Gasgemenges (Adhäsion) er-
heblich vermindert. Dadurch wird alle durch Oxydation des Kohlenstoffes
antstehende Wärme lokalisiert und kann aus der größten Dichte des Haufens
weder durch Oberflächenkühlung noch durch Strahlung noch durch Leitung
sich verteilen oder entweichen, Deshalb ist der Innendruck hoch aufgestauter
Kohlenmassen zwar kein Erzeuger, wohl aber ein Sammler und Zusammenhalter
der entstehenden Wärme, deshalb ein Begünstiger der Oxydation und dadurch
mittelbar der Selbstentzündung.
Einiges über die kritische Temperatur im Anschluß an die neueste Ver-
öffentlichung Professor Medems behalte ich mir noch vor.
Zur Höhenberechnung.
Von Dr 0, Fulst, Oberlehrer an der Navigationsschule in Hamburg.
Unter demselben Titel haben die „Ann. d. Hydr. etc.“ im Jahre 1900
(S. 320ff.) einen Aufsatz von mir veröffentlicht, in dem ich ein Verfahren
angegeben habe, um aus der Breite des gegißten Schiffsortes in Verbindung mit
der Abweichung, dem Stundenwinkel und der beobachteten Höhe eines Gestirns
den Unterschied dieser Höhe gegen die für den gegißten Beobachtungsort
berechnete Höhe zu bestimmen.
Ich war mir bei der Veröffentlichung dieses Verfahrens seiner Mängel
wohl bewußt und konnte trotz gewisser Vorzüge, die es gegenüber der gewöhn-
lichen Höhenberechnung aufwies, nicht erwarten, daß man sich auf See des-
selben in größerem Umfange bedienen würde.
Die Veranlassung zu der Veröffentlichung war für mich einerseits das
rein wissenschaftliche Interesse gewesen, das diese Aufgabe bot, andererseits
der Wunsch, daß sich auch andere Herren mit diesem Problem, das mir einer
weiteren Vervollkommnung fähig erschien, beschäftigen möchten. Ich selbst
war in der Zwischenzeit durch anderweitige Arbeiten verhindert, mich weiter
mit dieser Aufgabe zu beschäftigen, dagegen sind von anderer Seite verschiedene
Lösungen desselben Problems veröffentlicht worden, so von Herrn W. Reuter
(„Ann. d. Hydr. etc.“ 1902, S. 32ff. und S. 583ff.), von Herrn A. Wedemeyer
(„Ann. d. Hydr. etc.“ 1902, S. 399ff.) und schließlich von Herrn Dr. H. Teege
(„Ann. d, Hydr. etc.“ 1903, S. 153ff)., Außerdem ist mir in ausländischen
nautischen Zeitschriften eine Reihe von Veröffentlichungen zu Gesicht gekommen,
die sich aber nur auf eine Wiedergabe und auf eine Kritik des von mir an-
gegebenen Verfahrens beschränken.!)
Alle bisher veröffentlichten Lösungen dieses Problems sind — daran wird
kaum ein Zweifel sein — noch recht unvollkommen und nicht imstande, die
direkte Höhenberechnung zu verdrängen. Dieses bisher negative Resultat ist
aber noch nicht beweisend dafür, daß es nicht doch noch gelingen wird, auf
diesem Wege ein Verfahren zu finden, das bequemer ist, als die direkte Höhen-
berechnung,
1) Es sind dies zwei Aufsätze von Herrn Radler de Aquino in der „Revista Maritima
Brazileira“, betitelt: „Methodo de Marcq Saint Hilaire“ (Oktober 1900) und „Typos de calculo para
o methodo de Marcq Saint Hilaire pela modificacan de Dr. Otto Fulst de Hamburgo“
(Dezember 1900).
Ferner von demselben Verfasser ein Kapitel mit der Überschrift: „Calculo da differenca
zenithal pelo methodo de Dr. Fulst“ in der in Buchform erschienenen Monographie: „O methodo
de Marcq Saint Hilaire“ (Rio de Janeiro 1903).
Während von diesem Autor das Verfahren warm verteidigt und empfohlen wird, hat es in
einer Arbeit des Herrn Pesci im diesjährigen Januarhefte der „Rivista Maritima (Roma)“, betitelt:
„Sul calculo relativo alle rette d’altezza secondo il methodo di Marcq Saint Hilaire“, eine ab-
fällige Kritik erfahren.