242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903.
peraturerhöhung. Heben wir den Hammer auf und führen einen kräftigen Schlag
aus, so zeigt das Thermometer eine sprunghafte Temperaturzunahme. Mehrere
kräftige Schläge vermehren die Wärme. Denkt man sich an Stelle des Schmiede-
hammers einen großen Dampfhammer, der durch viele schnell hintereinander
erfolgte Schläge eine bedeutende Wärmemenge erzeugte, so daß man die Hand
kaum auf die Unterlage halten kann, denkt man sich ferner die erwärmte
Unterlage samt dem darauf lastenden Dampfhammer mit einer Isoliermasse von
schlechten Wärmeleitern so umgeben, daß die erzeugte Wärme nicht entweichen
kann und läßt nun die Unterlage mit dem auf ihr lastenden Druck des Dampf-
hammers mehrere Wochen ruhen und mißt dann die de wieder, 80
wird man keine Zunahme, sondern eine geringe Abnahme infolge der nicht voll-
ständigen Wärmeisolierung konstatieren. Der auf der Unterlage lastende Druck
des Dampfhammers von mehreren Tonnen hat also keine Wärme durch diesen
Druck erzeugt, denn Dampfhammer und Unterlage sind aufeinander bezogen eine
relativ ruhende Masse, die keine Wärme erzeugen kann, da sie zueinander keine
Arbeit mehr leistet.
Vergegenwärtigen wir uns weiter die Prägung des Geldes. Durch den
außerordentlich starken Druck werden die kleinsten Teilchen unter sich ver-
schoben oder ineinander gestaucht, sie beschreiben zueinander einen Weg
während der Zeit der Prägung. Es wird eine bedeutende Arbeit unter großem
Druck geleistet, und dementsprechend ist auch die Wärmeentwickelung eine
außerordentliche, so daß die frischgeprägten Münzen heiß sind. Würden diese
heißen Münzen auf einen Haufen übereinander gestapelt, so daß der Druck der
oberen Massen auf die unteren mehrere Tonnen Gewicht betrüge, das Ganze
mit schlechten Wärmeleitern (Stroh und Betten) bedeckt, die Innentemperatur
gemessen, mehrere Wochen liegen gelassen, dann die Temperatur wieder ge-
messen, so würde eine Abnahme derselben konstatiert werden; also der Druck
der oberen Massen auf die unteren hat ebenfalls keine Temperaturerhöhung
bewirkt, folglich keine Wärme erzeugt. Wo sollte die Wärme in beiden Fällen
beim ruhenden Dampfhammer und bei den ruhenden Geldstücken auch her-
kommen? Nachdem die Arbeit erzeugende Bewegung des Fallens und des
Prägens aufhörte, wurde keine Arbeit mehr erzeugt. Die Kraft, der Druck
oder das Gewicht war allerdings vorhanden, aber zur Arbeitserzeugung gehören
ja nach der Voraussetzung außer der Kraft noch der Weg, und weil ein Faktor,
die Bewegung, fehlte, konnte natürlich auch keine Arbeit, folglich auch keine
Wärme entstehen. Die Übereinstimmung der Beispiele mit dem Vorgang beim
Beladen eines Kohlenschiffes ist ersichtlich. Das Hinunterstürzen der Kohlen
aus beträchtlicher Höhe in den Laderaum erzeugt starke Reibung, Stoß und
Pressung untereinander, wodurch natürlich viel Wärme entsteht, die in den
schnell übereinander gestürzten und getrimmten Massen, welche an sich schlechte
Wärmeleiter sind, zurückgehalten wird. Nach der Beendigung des Beladens
hört aber auch die Wärmeerzeugung durch die Arbeit auf, und von da ab bleibt
der Druck der oberen Schichten auf die unteren zwar bestehen, aber als ein-
zelner Faktor, der ohne Weg keine Arbeit und deshalb keine Wärme erzeugen
kann, während die Ladung (wie der Dampfhammer zur Unterlage) bezüglich
zum Schiff und mit dem Schiff eine relativ ruhende Masse bildet.
„Bei der Bekämpfung des zweiten Irrtums, der darin besteht, daß die
Schlinger- und Stampfbewegungen des Schiffes durch Innenreibung Wärme er-
zeugen, wodurch die Selbstentzündung sich einleitet, dürfen wir keineswegs eine
Innenreibung als nicht vorhanden annehmen, weil wir im ersten Falle nachge-
wiesen haben, daß die Ladung mit dem Schiff und bezüglich zum Schiff eine
relativ ruhende Masse sei. Das gilt nicht immer, sondern nur für die gewöbhn-
lichen Fälle bei den zur Selbstentzündung neigenden Kohlen. Diese lagern
gerade an den Stellen, wo die Brandnester entstehen, also wo Grus mit Stücken
zusammen festgestampft ist, wie Zement. Werden sie aber ausnahmsweise
lebendig, dann rollen sie nicht im Schiffe hin und her, sondern schießen über
und stauen sich in Lee fest. Anders verhalten sich Nußkohlen, solche mit
glatter Oberfläche, die hart und fest sind, daher wenig Grus bilden und wegen
dieser Eigenschaften nicht zur Oxydation neigen. Sie gehen nicht nur leicht
über, sondern es liegen auch Meldungen vor, wonach sie wie Quicksand lebendig
und in leiser aber unaufhörlicher Bewegung sind. Wenn sie in Schlechtwetter