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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903,
und das Thermometer an seinem Unterende in einem KEisenkorbe enthält, auf-
zunehmen. Ist mittelst des Stockes der Propfen mit Thermometer von Deck
aus in das enge Rohr im Unterraum hineingesetzt, dann kann das obere Rohr
mit dem Deckaufsatz als Saugerohr mit Windmühlenantrieb zum Absaugen der
Kohlengase aus dem Unterraum unter dem Zwischendeck Verwendung finden.
(Wenn mehrere Plankengänge des Zwischendecks auf beiden Seiten aufgenommen
sind, ist diese Anordnung unnötig.)!) Die Peilrohre bleiben einen, besser ein
und einen halben Meter vom Boden frei. Ein Peilrohr in jeder Luke genügt
für einen großen Segler nicht, jedes hinzukommende Peilrohr aber erhöht die
Sicherheit von Schiff und Ladung.
Zweite Regel: Die Ablesungen der Thermometer, die womöglich Maximal-
thermometer und über 100° C, eingeteilt sein sollten (für jedes Peilrohr ein
besonderes Thermometer), müssen jeden Tag vorgenommen werden, da ein Brand
ebenso gut nach 30 Stunden als nach 30 Tagen ausbrechen kann; dieser For-
derung entsprechend, müssen die Peilrohre auch bei schlechtem Wetter zu-
gänglich sein.
Dritte Regel: Steigt in einem Peilrohr die Temperatur über 50° C., so
ist in dessen Nähe ein entstehendes Brandnest zu vermuten, das ausgegraben
werden muß. Bei schlechtem Wetter und einer Temperatur über 100° C. empfiehlt
sich die Anwendung eines Kohlenbohrers?) und von vielem Wasser. Sobald das
Thermometer über 50° C. steigt, besinne man sich nicht lange und beginne,
wenn das Wetter es erlaubt, mit Umschaufeln, denn hier heißt es »Zeit ge-
wonnen, die Herrschaft (über das Feuer) gewonnen«.
Vierte Regel: Die rückständige Gewohnheitsregel, keine oder nur
gelegentliche Temperaturbeobachtungen anzustellen, den Brand erst entstehen
lassen und ihm dann Zeit zur Ausbreitung gewähren, indem man ängstlich allen
Zug vermeidet, muß als grundsätzlich falsch aufgegeben werden. Eine tägliche
und systematische Beobachtung der Innentemperatur an möglichst
vielen Stellen ist unbedingt notwendig.
Fünfte Regel: Ist der Brand trotz aller Vorsicht ausgebrochen, so
besteht die Hauptaufgabe nicht in dem schleunigen Aufsuchen eines Nothafens,
sondern im Aufsuchen des Feuerherdes, Ist der gefunden, dann bedarf es keiner
weiteren Maßnahmen, als mit viel Wasser die Glut zu ersäufen, Alle Mann in
den Raum und an die Löscharbeit, kleine Segel, damit eine einfallende Böe
keine Unterbrechung verursacht; das Löschwasser kann später ausgepumpt
werden. Eine gut wirkende, nicht zu winzige Handdruckpumpe muß daher
gefordert werden, Rauchkappen wären wie die Davyschen Sicherheitslampen
wünschenswert.
Im vorigen Jahrhundert hat man empfohlen, ein brennendes Schiff voll-
laufen zu lassen. Das Mittel erscheint nicht sehr empfehlenswert, denn der
Feuerherd pflegt ja in der Mitte der Ladung zu liegen, daher kann das ein-
dringende Wasser das Feuer noch nicht erreicht haben, wenn ein mit Kohlen
beladenes, also tiefgehendes Schiff, sein Auftriebsmoment bereits verliert. Das
»Abbuddeln« kann man füglich dem Zufall überlassen, nachdem nichts mehr zu
retten ist.“
Hiermit könnte die rein praktische Seite als erledigt gelten, bezüglich
der definitiven Lösung des Problems vom wissenschaftlichen Standpunkte aus
bliebe aber noch mancher Punkt unaufgeklärt. Der Schreiber kann sich als
Autodidakt nicht anmalisen, viel zur Klärung in diesem Sinne beizutragen, aber
er traut sich zu, die wissenschaftlich gebildeten Fachleute auf manche Irrtümer
1) Die Teilung der Ladung im Unterraum und Zwischendeck ist vorzuziehen, aber nicht
immer durchführbar.
3) Als Kohlenbohrer habe ich beschrieben und benannt ein dickes Gasrohr, an das am
unteren Ende ein einfacher stählerner Bergbohrer mit geringer Steigung, der das Eindringen in die
Kohlenmasse ermöglicht, eingesetzt und angeschraubt ist. Über dem Stahlbohrereinsatz ist das Rohr
mehrfach durchlöchert; ein dünneres Gasrohr ist hineingeschoben und verbindert während des
Bohrens das Vollsickern durch Grus.
Dies einfache Instrument wird an der gefährdeten Stelle (bei schlecht Weiter) durch ein
Decksloch gesteckt und mittelst Kardelstroppen und Handspaken hineingeschraubt. Ist der Brand-
herd erreicht, so zieht man das innere Stück heraus und pumpt Wasser hinein, das direkt in das
Feuer gelangt und nicht nutzlos über die Ladung verläuft.