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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

v, Schrötter, A,: Die Gefahren der Kohlenladungen, 
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Wärmemenge, die dabei entwickelt wird,!) nicht zur Erklärung genügt. Einen 
gewissen Einfluß dürfte der Schwefelkies allerdings ausüben, aber nur insofern, 
als er durch seine Volumvermehrung bei der Oxydation die Kohlen auseinander- 
treibt und so die absorbierende Oberfläche derselben vergrößert.“*). „Bei Schiffs- 
ladungen hat man auf Erhaltung großer Kohlenstücke zu sehen, das Material 
bei längeren Reisen vorher mindestens vier Wochen lagern zu lassen, damit es 
nicht über 3 Prozent Feuchtigkeit enthält, und die Kohleuräume zur Verhinde- 
rung des Gasaustausches vom übrigen Schiffe abgeschlossen zu halten‘) und nur 
durch ein Luftrohr von 5 cm Durchmesser nach oben zu ventilieren; ausgebrochene 
Brände aber löscht man am besten mit Kohlensäure.“ Ich habe geglaubt, diese 
Auslassungen von Autoritäten wiedergeben zu müssen, obgleich die gemachten 
Vorschläge zur Verhinderung von Explosionen durch die Praxis bereits teil- 
weise als unrichtig bewiesen sind (vgl. in der „Marine-Rundschau“ 1897, Heft 4; 
in diesem Aufsatz zeigt Herr Ingenieur Eggert, daß die gewöhnliche Ventilation 
zum Fortschaffen der gefährlichen Gase nicht genügt, und gibt ein sehr probates 
Mittel an, um das zu erreichen, allerdings nur, wenn Ventilationsmaschinen an 
Bord.sind.) Es läßt sich mancher gut gemeinte Vorschlag nicht ausführen; so 
riet Liebig dem Vegesacker Schifferverein, die Kohlen mit Asphalt oder Kohlen- 
teer zu begießen, um Luft und Feuchtigkeit von ihnen abzuhalten, theoretisch 
ganz richtig, aber deshalb unausführbar, weil dann Kohlenschiffe nichts mehr 
verdienten, .also auch nicht mehr Kohlen fahren würden. Ferner ist verlangt 
worden, der. Kapitän sollte nur große Stücke einnehmen, und müßte daher die 
Trimmer und Besitzer der Kohlenschütten veranlassen, die Kohlen nicht in das 
Schiff zu stürzen, sondern hinabzufieren. Der unpraktische Kapitän kann lange 
auf Kohlen warten, und seine Reederei würde wohl schnell einen anderen schicken, 
der überhaupt Kohlen bekommt. Ebenso unausführbar und unnötig ist der Rat, 
die Kohlen wochenlang lagern zu lassen, wodurch auch der Brennwert ver- 
mindert wird. Die Ratschläge sind wie einige Liebigs an sich richtig, aber 
nicht gut ausführbar oder ganz unnötig. 
Aber im allgemeinen sind die von wissenschaftlicher Seite gemachten 
Vorschläge auch für Seeleute verständlich und praktisch verwendbar, und das 
ist das Ausschlaggebende und Wertvolle für uns. Sonst ständen wir immer 
noch unter dem Banne des Liebigschen Irrtums und wüßten uns nicht zu 
helfen. Jetzt liegt die Sache dank Dammer, Richters, Kifsling, Medem u. a; 
wesentlich anders. 
Es würde zu weit führen, wollte- ich die praktischen Belege für diese 
Theorie hier beibringen, wer sich überzeugen will, sei auf die Broschüren und 
die daselbst angeführten Fachschriften verwiesen. 
Die Regeln, um die Selbstentzündung einer Kohlenladung zu verhindern 
oder einen dennoch zum Ausbruche gelangten Brand zu löschen, ließen sich 
gemäß dem Ausgeführten etwa folgendermaßen gestalten (wörtliche Abschrift 
aus der Broschüre): 
„Erste Regel: Je nach der Größe des Schiffes und nach der Anordnung 
der Füllluken plaziere man Temperaturmeßrohre (Peilrohre) an: diejenigen 
Stellen, wo erfahrungsgemäß der meiste Grus ablagert. So beispielsweise an 
den vier Lukenecken und da, wo die Kohlen nach ‘achtern und vorn überhin 
getrimmt werden. Diese Peilrohre versehe man mit einem abschraubbaren An- 
satz, der schnell aufgesetzt ist und Temperaturmessungen auch bei schlechtem 
Wetter gestattet, Die Verschraubung an Deck schließe gasdicht an das Rohr- 
stück, welches durch und unter das Zwischendeck führt. Das Rohr, welches im 
Unterraum lose und mit weitem Spielraum in das erstere hineinfaßt, ist dazu 
bestimmt, einen Wergpfropfen, der mit Leder überzogen an einem Stocke sitzt 
1) Nach Richters könnte ein Gehalt von 1 Prozent Schwefelkies bei plötzlicher Er- 
wärmung und Ausschluß von Wärmeverlusten, welche Bedingungen beide aber nie eintreten, eine 
Temperaturerhöhung um 72° veranlassen. 
2) „Marine-Rundschau“ 1897, Heft 11, S. 1028. Das Ergebnis einer Königlich englischen 
Kommission in Nen-Südwales, um den Gründen der Selbstentzündung von Kohlen nachzuforschen, ist 
ein. sehr geringes, fast nur das negative, daß der Schwefelkiesgehalt der Neu-Südwales-Kohlen ohne 
Einfluß auf die Selbstentzündung sei.“ 
Also Theorie und Praxis stimmen auch hier. überein, wenn vorurteilsfrei zu Werke 
gegangen wird. 
%) Sehr richtig1 (Der Verfasser.)
	        
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