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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

v. Schrötter, A.: Die Gefahren der Kohlenladungen. 
daß eine erhebliche Ausatmung der Kohlengase stattfindet, die auch noch im 
Schiffsraum sich fortsetzt und dort bei fallendem Barometer und steigendem 
Thermometer weiter sich steigern muß. (Vergleiche die vom Seeamt zu 
Hamburg festgestellten Tatsachen bei Fall „Euterpe“.) Dagegen wird bei 
steigendem Barometer und fallendem Thermometer die Abgabe der Kohlengase 
an die Luft im Laderaum, wenn nicht verhindert, so doch sehr verlangsamt, so 
zwar, daß eine gefahrbringende Absonderung erst nach mehreren Tagen unter 
den zuerst angeführten Witterungsverhältnissen eintreten kann. 
Die allein unter deutscher Flagge bekannt gewordenen und von Medem 
zusammengestellten Unglücksfälle durch Gasexplosionen bilden eine Kette von 
Beweisen, von dem einfachen ruhigen Gasbrand mit der typischen bläulichen, 
wenig leuchtenden Flamme des Sumpfgases auf S. M. S. „Baden“ bis zur ver- 
nichtenden Explosion auf dem Segler ‚„„Euterpe‘“ („Baden‘“ über 16% 0, „Euterpe“ 
9 bis 10% Gasgehalt der Bunker- bezw. Raumluft). ; 
Ungezwungen ergibt sich hieraus, daß die Verhinderung der Kohlengas- 
explosionen ebenso wie in den Bergwerken auch auf Seeschiffen durch eine 
zweckentsprechende Ventilationsanlage erreichbar ist. Es muß aber deutlich 
ausgesprochen werden, daß aus allen bisher bekannt gewordenen Unglücks- 
fällen hervorgeht: eine für gewöhnliche Ladung ausreichende Ventilation 
ist ungenügend für ein Kohlenschiff. Der im Schiffe stets zu beobachtende 
Zug ist der. über das Schiff hinwegstreichenden Luftströmung entgegengesetzt, 
daher 8oll zweckentsprechend die Ventilationsanlage so angeordnet sein, daß 
die Leeventilatoren, über alle Aufbauten hinausragend in. den Wind gedreht, 
dieser natürlichen Zirkulation entsprechen und sie verstärken, während die Luv- 
ventilatoren, aus dem Winde gedreht, die ausströmende Luft abführen. Dieser 
Forderung genügen die üblichen Ventilationsanlagen, die meistens nur nach 
Ansichten der Erbauer, nicht nach physikalischen Prinzipien angeordnet sind, 
keineswegs. In den Raum muß nicht nur Luft hineingeschafft, sondern, und das 
wird fast immer übersehen, auch ebenso viel hinausgeschafft werden. Ferner 
ist zu beachten, daß bei Kohlenschiffen der ganze Raum ventiliert sein kann, 
während in den Luken, den höchsten Stellen, noch immer explosive Gasgemengen 
angesammelt sind und andauernd ergänzt werden, was vielfach durch Beispiele 
nachgewiesen ist. Künstliche Saugevorrichtungen können empfohlen werden, 
besonders da, wo auf Dampfern die Ventilation wegen lokaler Baulichkeiten 
dem natürlichen Prinzip schwer anzupassen ist. Zur Verhütung von Kohlengas- 
explosionen seien folgende Regeln abgeleitet (teilweise Abschrift aus der 
Broschüre): 
1. Nach Einnahme der Kohlen in das Schiff als Ladung oder Bunker- 
kohle kontrolliere man die Luft über den Kohlen alle Tage wenigstens eine 
Woche lang mit der Sicherheitslampe, auch später noch bei fallendem Barometer, 
steigendem Thermometer und wenn wegen Schlechtwetter die Luken längere 
Zeit geschlossen bleiben mußten. Zeigt sich im Schiffsraum die Flamme inner- 
halb des Drahtkorbes größer als in freier Luft, dann muß besser ventiliert werden. 
Ohne eine solche Probe sollte der Kohlenraum nach längerem Geschlossensein 
nicht betreten werden. 
2. Ventilatoren sind im Gegensatz zu der bisher üblichen Anordnung 
auf den Luken 80 anzubringen, daß sie auch bei schlechtem Wetter funktionieren. 
3. Nach der Kohleneinnahme lasse man die Luken, nur gegen Regen 
und Spritzwasser geschützt, offen, wenn keine Lukenventilatoren vorhanden sind.) 
4, Über der Ladung muß eine einheitliche Ventilation mit Gegenzug 
geschaffen werden. Möglichst sollen die Zwischendecksplanken auf beiden 
Seiten entfernt sein, damit die Gase freien Abzug nach oben haben. Wo das 
nicht angängig ist, versäume man nicht, besondere Ventilatoren durch und unter das 
Zwischendeck zu leiten, womöglich mit künstlicher Saugvorrichtung (Windmühlen- 
antrieb), 
1) Bei Schlechtwetter und dem jetzigen Lukensystem auf See ist dies freilich nicht immer 
ausführbar.
	        
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