Von Philadelphia nach Hiogo und von Puget Sound nach dem Kanal. 235
der Boden stark angesetzt war, sehr schlecht. An den Lamakwera- (Zemandro)
und Sapi-Straßen trieben wir vorbei, wir hatten oft ganze Wachen hindurch
kein Steuer im Schiff.
Am 28. April vormittags segelten wir mit mäfsiger östlicher Brise in die
Allas-Straße ein, trieben später. zurück, erreichten am 29. einen Ankerplatz
und waren am 30. 9% nachmittags klar von der Straße.') Hier fanden wir den
Wind östlich und wählten den Weg durch die Makassar-Straße, wo wir wieder
viel Stillen antrafen, glücklicherweise aber auch ausgiebigen Regen. Am
18. Mai klarten wir diese Straße. Es folgte die Celebes-See; auch dort nichts
wie Stille und Mallung. Am 30, Mai gelangten wir, zwischen den Inseln Sanguir
und Lipang durchsteuernd, in den Stillen Ozean. Östlich von den Philippinen
fanden wir statt des Südwest-Monsuns ganz flaue östliche Kühlte oder totale
Stille. Erst in der Breite der Nordspitze von Luzon kam etwas südwestliche
Brise durch, mit welcher wir nach einer Reise von 189 Tagen Hiogo erreichten.
In 60 aufeinanderfolgenden Tagen hatten wir. nicht so viel Wind, um eine
Wache 5 Sm pro Stunde Fahrt zu machen.
Über den Verlauf der Reise von Hiogo nach dem Puget Sound ist
nichts Besonderes zu bemerken.
Vom Puget Sound nach Cardiff bestimmt, ging die „Oregon“ am 9. No-
vember 1902 in See. Anfangs war das Wetter stürmisch. Wir schnitten die
Linie in 126° West am 3. Dezember 1902 nach 24tägiger Reise und erreichten
Kap Horn am 28. Dezember nach weiteren 25 Tagen. Der Eisgefahr wegen
hielten wir. uns zunächst sehr westlich, verfolgten jedoch später einen öst-
licheren Kurs, so daß 30° S-Br. in 27° W-Lg. geschnitten wurde. Der dann
nach etwas Mallung einsetzende Südost-Passat wehte aus nordöstlicher Richtung
bis 9° Süd, wo wir einige Tage Ostsüdost-Wind hatten. Ganz außergewöhnlich
ist das frühe Einsetzen des Nordost-Passats schon auf 2° S-Br. und 32° W-Lg.
Anfangs flau, frischte er“ bald bis zu frischer Brise auf. Später gelangten wir,
ohne nennenswerte Mallung, in den Bereich der westlichen Winde und sichteten
Lizard am 20. Februar d, J. nach 103tägiger schneller Reise.
Die Gefahren der Kohlenladungen.
Von Kapt. A. Frhr. v. Schrötter, Hilfsarbeiter der Seewarte.
Unter diesem Titel hat der Verfasser einen Aufsatz in Broschürenform
im Verlage von Eckhardt & Messtorff veröffentlicht. Da es nur einem Zu-
fall zuzuschreiben ist, daß diese Arbeit in der ursprünglichen Form nicht in
den „Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“ Aufnahme fand,
diese Zeitschrift aber bestrebt ist, aufklärend zu wirken und praktische Vor-
schläge zur Verhütung von Schiffs- und Menschenverlusten weiter zu verbreiten
und zur Diskussion zu bringen, so ist mir die Anregung geworden, einen Aus-
zug meiner Arbeit mit stellenweiser Erweiterung für diese Blätter fertig-
zustellen.
Über die einfachsten chemischen und physikalischen Vorkenntnisse
werden die meisten Leser dieser Zeitschrift verfügen, womit der Rahmen für
den Auszug vorgezeichnet war. Deshalb erscheint die Einleitung der Broschüre,
eine Erklärung für die Entstehung der Kohlenflötze und ähnliches, hier
überflüssig.
Die Anschauungen in Schiffahrtskreisen, die immer noch als vererbtes,
daher ehrwürdiges Glaubensbekenntnis gelten, welche aber nach meiner Ansicht
nicht nur falsch sind, sondern auch geeignet erscheinen, schwere Unterlassungs-
sünden weiter zu begünstigen und zweckentsprechende Gegenmaßregeln zu ver-
eiteln, sind folgende:
‘) 32 Tage waren also nötig gewesen, um eine der östlichen Straßen zu durchsegeln. Nach
dem Segelhandbuch für den Indischen Ozean nimmt sonst die Durchfahrt durch die Ombai-Straße
4 bis 10 Tage, die durch die Allas-Straße 3 bis 5 Tage in Anspruch, Die Red.