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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1903,
umsegelnden Südost-Spitze der Insel Ombai und segelten in etwa 1,5 Sm Abstand
längs der Küste. Mit flaner westlicher Kühlte machten wir 2,5 Sm Fahrt
Jurchs Wasser und etwa die Hälfte über den Grund. Plötzlich bemerkte ich,
daß die „Oregon“ sich beträchtlich der Küste näherte. Sofort ließ ich die
Rahen B-B. anholen und dwars von Land absteuern; indes eine von der Insel
Timor herüberkommende Stromkabbelung warf das Schiff in den alten Kurs
zurück. Auf etwa 4 Kbilg von Land fanden wir mit 100 Faden (183 m) Leine
keinen Grund, auf 2 Kblg 60 Faden (110 m) Tiefe. Die „Oregon“ trieb jetzt,
östlich anliegend, querschiffs einer kleinen halbkreisförmigen Bucht zu, deren
Halbmesser etwa 80m betragen mochte. Als letztes Mittel ließen wir den
fertig hängenden St-B. Buganker fallen, welcher auf 15 Faden (27 m) Grund
fand und auch hielt, obwohl wir kaum 5 Faden Kette geben durften. Die
„Oregon“ schwaite jetzt mit dem Heck in die Bucht hinein, keine 12 m von
dem äußeren westlichen, die Bucht formenden, scharfen Felsen freischwingend.
Als das Schiff rechtwinklig zur Küste lag, hörte ein weiteres Schwaien auf.
Das vordere Drittel des Schiffes ragte in die Straße hinein, der Rest lag in
der Bucht, beide Seiten und auch das Heck nur 17 bis 20 m von den Felsen
entfernt. Die Bäume auf der hinter dem Heck steil ansteigenden Küste be-
schatteten unser Achterdeck. Glücklicherweise war nicht die geringste Brandung
vorhanden. Wir setzten sofort ein Boot aus und loteten in der nächsten Um-
gebung 8 bis 35 Faden (15 bis 64 m) Tiefe. Noch war die „Oregon“ unversehrt,
und jetzt hieß es, so schnell wie möglich wieder aus der Bucht herauskommen,
Schleunigst wurde ein Warpanker von der Back in der Richtung nach der
Straße ausgebracht, und nachdem dies Manöver drei Mal icdesholt war, mit
gleichzeitigem Lichten und Wiederfallenlassen des Bugankers, gelang es, die
„Oregon“ so weit vorwärts zu bringen, daß das Heck des Schiffes gerade frei
von der Bucht war. Ein weiteres Abwarpen war der großen Wassertiefe und
des steil abfallenden Grundes wegen nicht tunlich. Inzwischen nahm der bis
dahin flaue westliche Wind zu bis zur Stärke 3 bis 4, die, mit Ausnahme des
Besahn, noch stehenden B-B. angebraßten Segel füllten sich, und nach
schleunigem, gleichzeitigem Lichten des Bug- und Warpankers, bekam das
Schiff Fahrt. Wir steuerten dwars von der Insel ab, und die „Oregon“ war
für diesmal, gerade noch vor Sonnenuntergang, dem drohenden Unheil ent-
ronnen, Nicht wenig wurde unsere Arbeit mit den Ankern durch die Hilfe
der an Bord befindlichen Dampfwinde beschleunigt und erleichtert. Hätte uns
die etwa eine halbe Stunde später einsetzende Bö noch in der Bucht gefunden,
so wäre es wahrscheinlich um die „Oregon“ geschehen gewesen.
In der Bucht herrschte an der Oberfläche Stillwasser; zu weiteren Beob-
achtungen über die auffallende Lage des Schiffes in der Bucht reichte die
Zeit nicht.
Das Verhalten der Insulaner, während die „Oregon“ in gefährlicher
Lage, war: Sobald unser Anker gefallen, sahen wir uns von ihren Kanoes um-
schwärmt, die Insassen erkletterten sehr bald die Schiffsseiten und setzten sich
auf die Reeling. Da nun irgend welche Hülfe von diesen Wilden nicht zu
erwarten war, so wurde ihnen bedeutet, sich schleunigst wieder in ihre Fahrzeuge
zu begeben, ein Befehl, dem auch Folge geleistet wurde. Unterdessen hörten
wir die Eingeborenen an Land Heultöne auf Muschelschalen machen, wahr-
scheinlich Signale für die entfernter wohnenden Landsleute, denselben damit
anzeigend, daß sich an der Küste ein besonderes Ereignis abspielte. Diese
[nsulaner werden wohl nie ein vorbeisegelndes Schiff belästigen, dazu sind ihre
Kanoes, welche allein dem Fischfang zu dienen scheinen, viel zu schwach, auch
erschweren die über denselben querschiffs angebrachten Auslieger ein Längsseit-
legen sehr. Wäre die „Oregon“ auf die Klippen geraten, so hätten die
Insulaner jedenfalls das Schiff als gute Beute angesehen, und uns hätte ein
ernstlicher Zusammenstoß mit ihnen bevorgestanden. Den Insulanern war kein
Wort irgend einer europäischen Sprache geläufig.
Bis zum 17. April versuchten wir noch nach Osten vorwärts zu kommen,
Es war aber nicht möglich, der westliche Strom schien noch an Stärke zu ge-
winnen; ich entschloß mich deshalb eine andere Durchfahrt zu versuchen. Bei
sehr flauem veränderlichen Winde arbeiteten wir westwärts, unterstützt durch
den westwärts setzenden Strom. Die „Oregon“ segelte und manövrierte, weil