Fahrten an der Nord- und Westküste von Haiti,
hier indessen bleibt die wichtige Tatsache bestehen, dafs, wenn sich in einer
Schicht aus irgend welcher Ursache eine anders als der Trägheitskreis
gekrümmte Bewegung und ein dem entsprechendes Quergefälle bezw. eine zur
Bewegung normale Komponente des Gradienten eingestellt hat, in den darüber
und darunter liegenden Schichten sich radiale Bewegungen oder Bewegungs-
komponenten einstellen, die dieses Gefälle zu zerstören streben, und da(s sich
aus denselben mechanischen Ursachen verbindende aufwärts und abwärts
gerichtete Luftbewegungen in diesen Wirbeln ausbilden müssen; man weils aber,
welche grofse Bedeutung letztere Bewegungen für die Hydrometeore, also für
unser Wetter, haben. Die Erzeugung, Unterhaltung und Vernichtung der
beweglichen, kurzlebigen Luftwirhel, die unser Wetter machen, ist noch immer
von Geheimnis umgeben, da die Entscheidung zwischen verschiedenen möglichen
Erklärungen noch aussteht. Je besser wir aber den Mechanismus wenigstens
der fertigen Wirbel kennen lernen, um so besser werden wir auch zur Lösung
jener schwierigsten Frage vorbereitet sein.
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Fahrten an der Nord- und Westküste von Haiti,
Nach Bericht des Kommandos S. M. S. „Panther“, K-Kapt. Eckermann, vom 4. Oktober 1902,
Die Fahrt an den Küsten von Haiti mufs sich in Ermangelung von
künstlichen: Peilobjekten und Vertonungen auf die Peilung von Huken und
Bergen stützen. Die Konturen der Küsten, die Lage von Bergen und Huken
sind, abgesehen davon, dafs sie teilweise schlecht auszumachen sind, gröfsten-
teils astronomisch nicht so genau festgelegt, dafs man sich auf die Peilungen
verlassen kann. Man hält sich daher während der Nacht im allgemeinen besser
nicht zu nahe an der Küste und fährt des Tages am besten nach Augenmafs,
In der Nähe von Kap Haiti sind sichere und unschwer auszumachende
Landmarken die Inseln Limbe und Cabrits. Die Buchten von Chouchou, die
Salt River-Bucht, Fond la Grange und die St. Anne-Bucht sowie die sie
begrenzenden Landhuken sind von der offenen See aus nicht zu erkennen, weil
sie eine zu geringe Tiefenausdehnung haben. Sie sind aus der Nähe nur an
dem Sandstrand zu erkennen, der sonst an dieser Küste fehlt. Die Küste von
Kap Paix nach Osten bis zur St. Anne-Bucht verläuft nördlicher, als auf der
Karte angegeben ist, erst von der St. Anne-Bucht an südöstlich.
East Point und West Point der Tortuga-Insel sind als Landmarken un-
reeignet, weil offenbar nicht richtig festgelegt. Von Kap Haiti durch den
Tortuga-Kanal bis nahe an Kap Nicolas-Mole wurde bei östlichem Wind stets
beträchtlicher W-Strom beobachtet, bis 1 Sm in der Stunde. Dieser W-Strom
trifft ungefähr bei Kap Nieolas-Mole den dicht unter der Küste. um Kap Foux
setzenden N-Strom, wodurch eine deutlich erkennbare Stromkabbelung entsteht.
Die Stärke des N-Stroms wurde zu 0,8 Sm die Stunde beobachtet. Bei Kap
Nicolas-Mole bezw. Kap Foux befindet sich die Wetterscheide: nördlich davon
weht der regelmäfsige. NO-Passat, südöstlich davon beginnt das Gebiet der
cegelmäfsigen Land- und Seewinde in der grofsen W-Bucht der Insel Haiti.
Kap Nicolas-Mole, «Kap Foux und Platform Point sind gute Landmarken;
Platform gleicht, von WNW und O0SO gesehen, einem künstlichen Fortbau und
ist auf gröfsere Entfernungen sicher auszumachen.
Der Hafen von St. Nicolas-Mole bietet guten Ankergrund, jedoch kann
man den in. der englischen Segelanweisung und auf der Karte angegebenen
Ankerplatz mit 7 bis 10 Faden (13 bis 18 m) Wassertiefe nördlich von Fort
St. George leicht verfehlen.
Sobald man nur ein wenig über die angegebenen Peilungslinien hinaus-
kommt, ergeben die Lotungen schon wieder 36 m Wassertiefe und mehr. Am
besten ankert man selbst mit einem sehr grofsen Schiff im innersten Winkel
der Bucht, der Carcnage7 die Untiefen zu beiden Seiten der.KEinfahrt in die
Carenage sind gut sichtbar, man braucht daher nur die Mitte des Fahrwassers
7zu halten.