Ann. d. Hydr. etc., XXXI. Jahrg. (1903), Heft VI.
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Von Philadelphia nach Hiogo und von Puget Sound nach dem Kanal,
Dezember 1901 bis Februar 1903,
Bericht des Kapt. D. Hashagen vom Schiffe „Oregon“.
Die am 20. Dezember 1901 von Kap Henlopen angetretene Reise verlief
bis zur Linie ganz normal... Schon auf 33° Nord und 44° West fanden wir östlichen
Wind, welcher, später in den Passat übergehend, Richtung oftmals südlich von
Ost, uns bis 3'/4° N-Br. und 26° W-Lg. brachte. Hier trafen wir Mallung und
starken nordwestlichen Strom... Wir schnitten die Linie nach 27tägiger Reise
am 16, Januar 1902 in 29° W-Lg, fanden darauf den Südost-Passat bis 10° Süd
recht schral. Später brachte uns ein größtenteils ostsüdöstlicher Wind bis
nach 40° S-Br. in 23° W-Lg. Es folgte dann Mallung für zwei Tage, worauf
der längst erwartete westliche Wind einsetzte, mit welchem am 11, Februar
0° Länge geschnitten wurde, Zwischen den Parallelen von 42° und 44° S-Br.
segelten wir dann mit fast stets günstigem Wind unsere Länge ab und schnitten
am 2. März 80° O-Lg. in 39° S-Br. In 38° und 52° O-Lg. herrschte fast
ununterbrochen Nebel, selbst bei mitunter recht steifer Brise. Die Reisedauer
betrug bis 80° O-Lg. 72 Tage.
Da es noch reichlich früh für die Sunda-Straße war und ich andererseits
den weiten Umweg südlich von Australien scheute, wählte ich eine der östlichen
Durchfahrten, die Ombai-Straße.
Auf dem Wege dahin trafen wir es leider recht schlecht. Einen richtigen
Südost-Passat fanden wir gar nicht, sondern in seinem Gebiete nur ganz flaue
südwestliche Brise. Am 29. März, nach 99 Tagen, sichteten wir die Sandelwood-
Insel und beobachteten bald einen westlich setzenden Strom. Bei flauer,
meistens östlicher Kühlte, abwechselnd mit gänzlicher Stille, arbeiteten wir
ostwärts durch die Ombai-Straße, fanden aber die Gegenströmung um so stärker,
je weiter wir vorankamen, und Schwankungen von 1 bis 3 Sm unterworfen.
Mitunter trat auch für kurze Zeit Stillwaser ein, sehr selten eine kaum bemerk-
bare östliche Stromrichtung. Ebbe und Flut waren nicht zu unterscheiden.
Anfangs konnte ich mir nicht erklären, warum die „Oregon“ bei gleichem
leisen Zuge, Windstärken hatten wir. leider nie zu verzeichnen, mitunter
doppelt soviel Fahrt durchs Wasser machte als sonst. Die Sache klärte sich
aber auf, als ich eines Tages eine Leine zum Fischen mit einem Lot hinunter-
ließ. Bis zu etwa 3,5 m unter der Wasseroberfläche war nichts zu bemerken;
darunter aber zeigte die !/a m von dem Lot entfernte Angel mit dem Köder
stramm nach achtern, somit einen Gegenstrom in dieser Tiefe andeutend. Jetzt
war mir klar, weshalb das Schiff bei 2 kn Brise nicht durchs Wasser wollte,
der untere Teil des Rumpfes wurde durch den unteren Gegenstrom zurück-
gehalten. Noch oft hatte ich später Gelegenheit, mich davon zu überzeugen,
dafs in größerer Tiefe als 3 bis 4 m ein ganz anderer Strom herrschte, wie
weiter nach oben. Mehrfach waren wir z. B. bei vollständiger Windstille in
der Nähe von strichweise treibenden Hölzern. Ihr Abstand vom Schiff nahm
bisweilen ziemlich schnell zu, in anderen Fällen schnell ab. Dies ließ sich
auch nur durch einen Unterstrom erklären. Damit stehen auch wohl die in
jenen Gewässern so häufigen Stromkabbelungen in enger Verbindung. . .
Übereinstimmend mit dem Segelhandbuch der Seewarte fanden wir die
westliche Strömung nahe bei der Insel Ombai bedeutend schwächer als in der
Mitte der Straße oder an der Timor-Küste, weshalb wir uns soviel wie möglich
in der Nähe von Ombai hielten, wo wir mehrfach ein starkes Abtreiben von
Land wahrnahmen. . Eingeborene mit ihren zerbrechlichen Kanoes kamen öfter
längsseits, um Früchte und Hühner gegen Kleidungsstücke, Messer und haupt-
sächlich Streichhölzer auszutauschen.
Nachdem wir nun Tage lang kaum von der Stelle gekommen waren,
befanden wir uns am 13. April 2" nachmittags etwa 13 Sm von der zu
Ann. d. Hydr. otc., 1903. Haft YI.