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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1903
die sich am 16. in einem Ausläufer über das Nordsee-Gebiet ausbreitete und
dann einen Ausläufer entwickelte, der am 17. bis 19. vom Kanal her längs der
Küste fortschritt. Nachdem zunächst am 16. und 17. Regenfälle an der Nordsee
geherrscht hatten, traten solche am 18, bis 20. an der ganzen Küste auf, am
letztgenaunten Tage bereits an Stärke und Ausbreitung nachlassend. Die vor-
wiegend südwestlichen Winde wehten am 18. und 20. an der Nordsee vielfach
steif und vereinzelt stürmisch bis Stärke 8.
Der 20. März zeigte ein von der Biscaya-See nach Kontinentaleuropa
verlagertes Hochdruckgebiet und leitete damit die zweite trockene Periode des
Monats ein. Diese im Westen bis zum 25., von Rügen ostwärts bis zum 27.
währende, durch fast überall auftretendes heiteres Wetter am 22. und 23. aus-
gezeichnete Periode zeigte die Küste meist im Bereiche eines von Süden her
über Kontinentaleuropa ausgebreiteten Hochdruckgebietes, so dafs zumeist süd-
westliche Winde wehten, die vom Inland stammend zusammen mit dem heiteren
Himmel die ungewöhnlich hohen Temperaturen bewirkten. Kine vorüber-
gehende Störung dieser Tage brachte ein am 24, längs der Küste schreitender
Ausläufer eines über Nordskandinavien ostwärts ziehenden Minimums, der an der
Nordsee in der Nacht zum 24, und am folgenden Tage leichte Regenfälle, an
der ganzen Küste eine vorübergehende, im Osten recht kräftige Temperatur-
abnahme und ebenfalls für das ganze Gebiet am 24, stark auffrischende Winde
aus westlichen Richtungen hervorrief, an der Nordsee nur bis Stärke 7, an der
Ostsee aber fast überall bis Stärke 8 und im Osten meist bis 9 und vereinzelt
Stärke 10, so dafs dieser Sturm an der Ostsee als der stärkste des Monats zu
bezeichnen ist.
Wiederum breitete sich die über dem Ozean mit niedrigstem Drucke
lagernde Depression ostwärts über Europa aus und leitete die letzte Wetter-
periode ein, die wie die beiden früheren niederschlagsreichen Perioden an-
dauernd den niedrigsten Druck nördlich von Schottland und hohen Druck im
Südwesten und meist auch im Osten zeigte. Wieder schritten Ausläufer
niedrigen Druckes längs der Küste fort, aber in mehr östlicher Richtung, da
in diesen Tagen Minima im hohen Norden ostwärts vorüberschritten. Die
Niederschläge traten am 26. bis 28. ostwärts bis Mecklenburg, am 29. meist
nur westlich der Elbe, an den beiden letzten Tagen aber wieder fast über dem
ganzen Gebiete auf. Im Bereiche zweier aufeinander folgender Ausläufer hatte
zunächst die westdeutsche Küste am 28, und die ganze Küste am 29. und dann
am 30. die Küste ostwärts bis Rügen steife und teilweise stürmische Winde
aus dem Südwestquadranten; die stärksten, nur vereinzelt Stärke 8 über-
schreitenden Winde traten in diesen Tagen an der schleswig - holsteinschen
Küste auf. Mit der Zufuhr von ozeanischer Luft mehr nördlicher Herkunft
führten die letzten Tage des Monats zunächst im Westen des Gebietes wieder
Abnahme der Temperatur herbei.
Berichtigungen.
Ai. In dem Artikel: „Die Haupthäfen Venezuelas“, „Ann. d. Hydr. etc.“ 1902, findet
sich auf Seite 62 unter Ansteuerung von Maracaibo ein Druckfehler, Auf Zeile 21 von unten muls
es SWzS statt SWzW heifsen, wie auch aus dem Sinne der Heckpeilung — NOzN — hervorgeht.
2, In dem Artikel: „Die erdmagnetischen Verhältnisse auf und um Bornholm“ nach
Ad. Paulsen, „Ann. d. Hydr. etc.“ 1903, ist auf Seite 149 in der 5. Zeile von oben zu lesen:
„Östlich von Greenwich“ statt „westlich von Greenwich“.
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