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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1903. 
und die Höhe der Grenzfläche desselben gegen das Wasser gemessen. Fette 
Öle erwiesen sich als unbrauchbar, weil sie mit Wasser verseiften und zu grofse 
Adhäsion am Glase zeigten. Es wurden daher ätherische Öle angewandt, und 
zwar Anisöl und Kampferöl. Letzteres erwies sich als das günstigste, obwohl 
es nur eine 8fache_Vergröfserung lieferte, gegen die 20fache des schwereren 
Anisöles. Da die Öle sich verändern, mufste die Skala durch direkte Aichung 
bestimmt werden, und waren genaue absolute Messungen ausgeschlossen; die 
Methode ist aber, wenn man genügend schnell verfährt, für vergleichende 
Messungen sehr geeignet. Die gemessenen Werte des Quergefälles bewegten 
sich, je nach den angewandten Geschwindigkeiten, zwischen ] und 12 mm. 
Das Ergebnis falst der Autor in die folgenden Worte zusammen: 
„Wird in irgend einer Schicht durch eine im Bogen strömende Flüssigkeit 
ein Quergefälle erzeugt, so überträgt sich dieses Quergefälle sofort auf Schichten 
anderer Höhenlage und zwar, von störenden Einflüssen, Widerständen ete. 
abgesehen, in seiner vollen Gröfse. Wenn zuerst die tieferen Schichten noch 
nicht in Bewegung sind, wird durch das unten sofort entstandene Quergefälle 
eine Bewegung von Wasserteilchen von den Räumen höheren Drucks nach 
denen niederen Drucks, also unten von der Peripherie nach der Achse zu statt- 
finden. Dort steigen die Teilchen auf bis zu den in horizontaler Richtung 
bewegten oberen Schichten, werden durch Mischung mit den schnell kreisenden 
Wasserteilchen mitgerissen und dann ihrerseits auch durch die Centrifugalkraft 
nach aufsen gedrängt. So werden die schneller kreisenden Wasserteilchen 
in Spiralbahnen nach aufsen geführt, während die Wasserteilchen der lang- 
samer wirbelnden Schichten nach innen gekehrte Spiralbahnen verfolgen. Der 
Zuflufs nach der Peripherie in der schneller kreisenden Schicht, und der 
Abfluls von der Peripherie zur Mitte in der langsamer wirbelnden Schicht 
bedingt weiter eine an der Peripherie senkrecht nach unten gerichtete Bewegung, 
welche die oben schneller kreisenden Teilchen auf tiefere Höhenlagen über- 
führt.“ Durch diese Spiralbewegung wird also ein Wirbel mit horizontaler 
ringförmiger Achse erzeugt. 
Zur Prüfung dieser Sätze hat Herr Hartmann noch einige interessante 
Versuche ausgeführt. 
Setzte er in das Gefäßls, 7 cm über dem Boden, ein Sieb ein, so war das 
Quergefälle am Boden dasselbe, einerlei, ob das Einströmen unterhalb oder in 
verschiedenen Höhen oberhalb des Siebes stattfand; im letzteren Falle pflanzte 
sich also das Gefälle unverändert aus der bewegten in die ruhende Schicht fort. 
Nahm er statt des Siebes eine Pappscheibe, die in der Mitte ein 2 cm großes 
Loch hatte und am Rande einen ringförmigen Schlitz frei ließ, so bewegte 
sich, wenn oberhalb der Scheibe das Wasser in Rotation versetzt wurde, unter 
derselben Cigarrenasche oder gefärbtes Wasser nach der Mitte zu, stieg durch 
das Loch in die Höhe und sank am Umfang der Scheibe wieder herab. 
In dem Aufsatz des Herrn Hartmann werden zum Schlufs die An- 
wendungen dieser Gesichtspunkte auf den Strombau einer näheren Betrachtung 
unterzogen. Hindernisse im Strome, die eine Krümmung der Strombahnen 
hervorrufen, erzeugen Quergefälle. Dort, wo dieses Quergefälle vom Hindernis 
fort gerichtet ist, also im Aufstau, bewegt sich am Boden das Wasser von 
diesem weg, und indem es Bodenteilchen mitnimmt, findet eine Auskolkung 
des Grundes statt. Diese Bewegung wird durch einen am Hindernis ab- 
steigenden Strom genährt. Wo dagegen das Quergefälle nach dem Hindernis 
hin gerichtet ist, im Sog-Gebiet, findet ein Anschwemmen von Boden statt. 
Bei jeder Flufskrümmung ist die Tendenz zum Auskolken des Grundes am 
konkaven, die zur Anschwemmung am konvexen Ufer bekannt; an jedem 
Brückenpfeiler tritt erstere am oberen, letztere am unteren Ende desselben auf, 
oben und unten in der Richtung des Stromlaufs verstanden; ähnlich, wenn 
auch nicht ganz so einfach, liegen die Verhältnisse an Buhnen und Schlengen. 
Die bisher besprochenen Versuche und Überlegungen bezogen sich auf 
Flüssigkeiten von gleichförmiger Temperatur und Dichtigkeit, mindestens 
innerhalb eines und desselben Niveaus. Bei den grofsen atmosphärischen 
Wirbeln liegen die Dinge viel komplizierter, weil man es hier innerhalb desselben 
Wirbels mit warmer und kalter, dünner und diehter Luft zu tun hat. Auch
	        
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