Köppen, W.: Mechanische Erzeugung vertikaler und radialer Bewegungen etc,
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Horizontalschichten gleichzeitig der Fall sein. Denn ein in einer Schicht ent-
atandenes Gefälle pflanzt sich, nur verändert durch die Unterschiede im
specifischen Gewicht der Flüssigkeit, sofort in alle darunter und darüber
liegenden Schichten fort, auch wenn diese nicht dieselbe Bewegung haben; es
ruft daher in diesen Schichten transversale Bewegungen hervor, die es zu zer-
stören oder zu vergröfsern streben. .
Ist z. B. in einer Schicht, wie in der untersten Schicht der Atmosphäre,
die Bewegung wegen der Reibung bezw. der Bewegungshindernisse bedeutend
schwächer als in den darüber liegenden Schichten, so müssen dennoch die den
letzteren entsprechenden radialen Gradienten auch in .die unterste Schicht sich
fortpflanzen und hier, wo denselben nicht durch entsprechend große Centrifugal-
kräfte die Wage gehalten wird, eine centripetale, dem Gradienten folgende
Luftbewegung oder doch Bewegungskomponente hervorrufen. Die Wirkung
dieses Massentransportes vom höheren zum niedrigeren Drucke mufs eine
Schwächung des radialen Gradienten sein, die sich wiederum sofort auch auf-
wärts fortpflanzen mufs,- so dafs oben der Gradient nicht mehr genügen wird,
der Centrifugalkraft das Gleichgewicht zu halten und: dort somit die strömenden
Teilchen sich vom Centrum des Wirbels entfernen müssen. Als Verbindung
der centripetalen Bewegung unten mit der centrifugalen oben tritt eine auf-
steigende in der Mitte und eine absteigende am Umkreise des Wirbels ein. Ein
rein tangentialer Impuls führt also, sobald die erzeugte tangentiale Geschwin-
digkeit nicht in allen Schichten gleich ist, notwendig zur Entstehung ’ auch
radialer und axialer Bewegungskomponenten im Wirbel.
War dieses Ergebnis bisher schon ‘auf deduktivem Wege ziemlich
zweifellos ermittelt, so kommt doch, bei der Wichtigkeit dieser Frage, der
experimentelle Beweis sehr erwünscht, den Herr R.. Hartmann Kürzlich
durch eine Reihe sehr klarer und einfacher Versuche geführt hat.!)- Die An-
leitung zu: der Untersuchung hatte Herr Professor Max Möller gegeben. . Die
Anordnung der Versuche geht aus der beistehenden Figur hervor.
Ein cylindrisches
Gefäßs W von 20 cm
Durchmesser und 30 cm
Höhe ist mit Wasser
gefüllt, das dadurch in
kreisförmige Bewegung
gesetzt wird, dafs in eine
der drei 5 mm weiten
Einlafsöffnungen e € e,
die in 5, 15 und 25 cm
Höhe über dem Boden
angebracht sind, Wasser
tangential zur gekrümm-
ten. Wand einströmen
gelassen wird. Um ein
konstantes Niveau zu
erhalten, ist das Gefäfs
stets gefüllt, und läuft
das zuströmende Wasser
über. . Zwei weitere .
kleine Röhrchen a und a‘ sind am Boden des Gefäfses angebracht und schliefsen
mit der Innenwand glatt ab. Sie führen. mittelst Kautschukschläuchen zum
Mefsapparat M, in welchem der Druckunterschied zwischen Centrum und
Peripherie des Gefälses durch den ungleichen Wasserstand ‚in zwei. Röhren zum
Ausdruck kommt. Um die kleinen Druckunterschiede, um die e8 sich hier
handelt, gut melsbar zu machen, ist eine sinnreiche Methode angewandt worden,
indem der Unterschied in der Zusammensetzung zweier gleich hoher Flüssigkeits-
säulen von wenig verschiedenem specifischen Gewicht gemessen wird. In das
kommunizierende Rohr über den beiden Wassersäulen wird nämlich Öl gebracht
3) Beitrag zur Wirbelbewegung. Braunschweig 1902. 318. 8°, Dissertation, von :der
Herz "Fechn. Hochschule zu Braunschweig zur Erlangung der Würde eines Dr.-Ing. genehmigt.