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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Schott, G.: Die diesjährige grofse Eistrift an der Östkante der Neufundlandbank, 205 
z. T. aus .dem Grunde, weil. die Zahl der Berge zunimmt, z. T. auch offenbar 
deshalb, weil die Eisberge näher an die Dampferwege kommen und deshalb 
dieselben . Eismassen wiederholt gemeldet werden, ohne dafs natürlich eine 
[Identifizierung möglich wäre. Einen ziemlich guten Überblick. über die Aus- 
breitung seitdem nach Süden, Osten und Westen gewährt unsere Skizze (Tafel 10); 
die letzten hier verwendeten Nachrichten beziehen sich auf am 19. April ge- 
sehenes Eis. Es ist lehrreich — wenn auch nicht neu — zu sehen, dafs die Bank 
selbst. von den tiefgehenden Bergen fast ganz unbesetzt bleibt, es ist dies nicht 
otwa nur scheinbar, weil sich jetzt wenig Schiffe quer über die Bank einen Weg zu 
bahnen suchen, sondern eine erklärliche und bekannte Tatsache; Packeis, Feld- 
eis, Scholleneis treibt sicherlich in Massen auf der Bank umher, wie solches 
ja auch von der Gegend der Cabot-Strafse gemeldet wird. Interessant ist 
ferner das Zusammendrängen der Eisberge im Süden, etwa zwischen 41° und 
43° N-Br., unter den Längen von 49°. bis 53° W-Lg.; der Eis führende 
Labrador-Strom ‚wird hier vom Golfstrom.in der Hauptsache gestoppt, so dafs 
die Berge über 41° N-Br. nicht erheblich weiter nach Süden vordringen können 
und in dem Grenzgebiet beider Strömungen hin und her treiben, bis sie der 
Vernichtung unter dem Einflusse des warmen Wassers unterliegen. | 
Es läfst sich, wenn auch nicht mit Sicherheit, so doch mit einiger Wahr- 
scheinlichkeit die Geschwindigkeit des Vorrückens der diesjährigen HEistrift be- 
stimmen, indem man die jeweilig südlichste. Position nicht eines einzelnen 
Berges, sondern des Gros der Berge dem Datum nach festlegt, und unter 
Berücksichtigung auch der gutgemachten Länge die Distanzen berechnet; man 
sieht dann — und hierzu dient die nachstehende Tabelle — deutlich, dafs die 
Geschwindigkeit des Labrador-Stromes mit der Annäherung an den Golfstrom 
im grofsen und ganzen sehr erheblich abnimmt, wie es naturgemäfs ist und er- 
wartet werden mußte. 
1903 
Südlichste Standorte der 
Eisberge dicht am Ost- 
rande der Bank 
Ungefähre Distanz 
(inkl. 
Längenunterschied) 
Tägliche Trift der Eisberge 
oder Geschwindigkeit des 
Labrador-Strom pro Etmal 
März 6. 46° . N!Br. 
8. 45° 10° 55 Sm 
12. 23. 43° 30. 108 , 
18. 19. ] 42° 20 , 90 
24. |. 41° 0,” 90 
28 Sm 
24 
15 
16 _ 
Die weite Ausbreitung der Eismassen im Süden von der Bänk nach 
Westen hin bis fast 55° W-Lg. ist nur erklärlich, indem man daraus schliefst, 
dafs der kalte Strom durch seinen Zusammenstofs mit dem Golfstrom unter rund 
49° bis 50° W-Lg., wenn auch nicht ganz, so doch zu einem erheblichen Teile 
nach Westen hin abgelenkt wird. Die einzelnen, sehr weit nach Osten vor- 
geschobenen Eisberge folgen wahrscheinlich der Golfstromtrift; am weitesten 
östlich stand ein am 7. April vom D. „Ramore Head“ in 45° 36‘ N-Br. unter 
40° 42' W-Lg. gesichteter, auf 100 m Höhe geschätzter Eisberg. Auffälliger ist 
noch die Meldung eines Berges am 25. März unter 42° W-Lg. in der südlichen 
Position von 42° 12’ N-Br.; dieser Berg dürfte sich, falls kein Irrtum in der 
geographischen Länge vorliegt, in einem normalerweise mindestens 14° bis 15° C. 
warmen Oberflächenwasser befunden haben.!) Das nach Süden am weitesten 
vorgedrungene Eis wird am 5. April in 40° 42‘ N-Br. und 52° 52’ W-Lg. vom 
D. „Arcadia“, Kapt. Meggersee, und aufserdem zwischen 40° 30‘ N-Br. 53° W-Lg. 
und 41° N-Br. 54° W-Lg. von dem englischen D. „Sibiria“ gesehen. 
Wie schnell gewisse Meeresgegenden, die soeben noch ausdrücklich als 
eisfrei beschrieben sind, unter Umständen von den gefährlichen Treibprodukten 
besetzt werden können, zeigt folgendes: Am 8. April wurde der für die inter- 
nationalen Dampferwege auf der Rückreise sonst übliche Ansteuerungspunkt 
41° N-Br. 48° W-Le. ausdrücklich als eisfrei gemeldet, und am 10, April sieht 
in genau dieser Position der D. „Saxonia“ einen grofsen Eisberg. : 
1) Die Position dürfte wohl richtig sein; denn am 31. März sichtete der Schnelldampfer 
„Deutschland“, Commodore Barends, etwa 80 Sm nördlich davon in 43° 23’ N-Br., 42° 25' W-Lg. 
einen 18 m hohen Eisberg.
	        
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