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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1903. 
Der Himmel ist von reinem schönen Kornblumenblau, doch ist der 
Horizont meist von einem weißen Dunststreifen begrenzt, der nur bei Sonnen- 
aufgang zuweilen sich nicht zeigt und einer scharfen Begrenzung des See- 
horizontes Platz macht. Von ganz besonderer Schönheit und Helligkeit sind 
die Vollmondnächte. Die Abendröte ist zwar von kurzer Dauer, aber von den 
schönsten orangegelben Tinten begleitet. 
In der trockneren Jahreszeit hat Dr. Funk sehr häufig das Zodiakallicht 
bis zu einer Stunde nach Sonnenuntergang beobachten können. 
Das Klima der Samoa - Inseln wird als vortrefflich und gesund 
geschildert. Während der Regenzeit kommen zwar einige Fälle von Malaria 
und Ruhr vor, doch nehmen dieselben keinen schlimmen Charakter an. Im Juli 
und August bis Mitte September zeichnen sich die Südostwinde zuweilen durch 
Kühle und Schärfe aus. Sie halten die Atmosphäre rein, verursachen aber 
leicht heftige Katarrhe, die als „Influenza“ epidemisch auftreten. 
Europäer können lange Zeit ohne ernstliche Schädigung ihrer Gesundheit 
auf diesen Inseln leben. !) 
Die diesjährige grofse Eistrift an der Ostkante der Neufundlandbank. 
Von Dr. Gerhard Schott, 
Abteilungsvorstand bei der Deutschen Seewarte. 
(Hierzu Tafel 10.) 
Das Jahr 1903 bringt aufsergewöhnliche Ereignisse im Bereiche des Nord- 
atlantischen Ozeans; der grofse Staubfall von Ende Februar und Anfang März 
führte Wolken von afrikanischem Wüstenstaub weit über die bisher bekannten 
äufsersten Grenzen solcher Vorkommnisse nach Norden sowohl wie nach Süden, 
hier bis über den Aquator hinab,”) und in dem entgegengesetzten, also nord- 
westlichen Teile des Ozeans, ist das arktische Eis in diesem Frühjahr so zeitig 
und in solchen ungeheueren Massen erschienen, wie seit sehr vielen Jahren 
nicht, so dafs zum ersten Male seit ihrer Einführung die vereinbarten trans- 
atlantischen Dampferwege nicht eingehalten werden können. 
Sehen wir von den Verhältnissen im St. Lorenz-Golf ab, wo es sich um 
das Eis dieses Golfes und des St. Lorenz-Stromes handelt, so wurden die ersten 
Meldungen über nordpolare Eisberge an der Ostküste Neufundlands — nicht der 
Neufundland-Bank — unter dem 2. Februar d. J. von einkommenden Küstenfahrern 
nach St. Johns gebracht; es hiefs damals, dafs gewaltige arktische Eismassen 
von Norden her antreiben, die östlichen Küsten gänzlich zu blockieren und sich 
über die Neufundland-Bank auszubreiten drohen; die nördlichen Teile der Neu- 
fundland-Küste seien sicher bis Mai unzugänglich. Am 5. Februar war der 
Hafen von St. Johns durch ozeanisches Eis blockiert; an der ganzen Küste 
lagen Packeistriften; das Meer war voll von arktischem Eis, das sich mit dem 
Labrador-Strom nach den Dampferwegen hin bewegte. Am 10. Februar trieb in 
Sicht von St. Johns ein grofser Eisberg vorbei, am 27. Februar wird der erste 
Eisberg von einem Dampfer gemeldet, nämlich auf 47° N-Br. und 47° W-Lg. 
durch D. „Damara“., Ende Februar standen also die äufsersten, d. h. südlichsten 
Vorposten des Eises über dem tiefen Wasser genau an der Stelle, wo die von 
NW nach SO verlaufende Kante der grofsen Neufundland-Bank plötzlich in 
SSW-Richtung umbiegt. 
Mit Anfang März beginnt nun das den transozeanischen Verkehr bedrohende 
schnelle Vorrücken der Kisberge in Süd-Richtung. Am 8. März wird von einer 
ganzen Reihe von Eisbergen der 45. Breitengrad erreicht, und zwar recht an 
der Kante der Bank, in der Nähe der 200 m-Tiefenlinie; doch stehen zwei 
einzelne Berge am 5. März schon aufsergewöhnlich weit im Osten, unter 43° W-Lg. 
Von nun an häufen sich die Meldungen von Tag zu Tag ganz aufserordentlich, 
ij) Ahner, Deutsche Kolonialzeitung. IX. 1885. S. 642. 
2%) Vgl. hierzu die vorläufige Notiz auf der Rückseite der „Monatskarte für den Nord- 
atlantischen Ozean“, Mai 1903.
	        
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