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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Orkan im Arabischen Meere am 16. Oktober 1902, 
Orkan im Arabischen Meere am 16. Oktober 1902. 
Herr Kapt. v. Szymanski, D. „Ockenfels“ der Deutschen Dampfschiff- 
fahrtS-Gesellschaft „Hansa“, gibt über den Verlauf des Orkans, den er in der 
Mitte des Oktober 1902 im Arabischen Meere antraf, folgenden Bericht: - 
„Mit Stückgut nach dem Osten bestimmt, traf ich am 14, Oktober auf 
13° 49‘ N-Br., 54° 51' O-Lg. merkliche NO-Dünung, mein Aneroid zeigte abends 
761 mm!). Ich war der Ansicht, dafs die NO-Dünung und häsige Luft eine 
Folge des einsetzenden NO-Monsuns sei, der zur Zeit mit Stärke 2 bis 4, bei 
leicht bedecktem Himmel, wehte. 
Am 15. Oktober mittags auf 15° 3‘’NBr., 58° 45' O-Lg. liefs ich für rauhes 
Wetter präparieren, mein Barometer zeigte abends noch 757,5 mm. Der Wind 
begann nördlicher zu holen und an Stärke zuzunehmen, die Sonne ging hinter 
gebrochenem Gewölk unter, ohne den Himmel auffällig zu färben. 
Am 16. Oktober morgens 4° auf 15° 34' N-Br., 60° 46‘ O-Lg. war das 
Barometer auf 754 mm gefallen, der hoch nördliche Wind wehte mit Stärke 7 bis 
8. Es war kein Zweifel, ich hatte es hier nicht mehr mit gewöhnlichen Be- 
gleiterscheinungen des Monsunwechsels zu tun. Daher sicherte ich nochmals 
alles über Deck, laschte die Luken und versuchte südwärts abzuhalten, denn 
ich vermutete das Herannahen einer. Cyklone, deren Centrum östlich vom Schiffs- 
ort liegen mulste. 
Die Luft sah steif aus, Regen fiel in Schauern. Das Schiff kämpfie schwer 
mit zwei Wogenrichtungen, wovon die heftigere von Ostnordosten, die andere 
von Norden her auf das Schiff zulief. 
Die wilden, doppelten Seerichtungen liefsen das Schiff leider nicht mehr 
genügend drehen, auch brach die See schwer über Deck, Kabinen und Gänge 
unter Wasser setzend. 
Ich sah ein, dafs der Lenzversuch verfehlt war, und drehte daher über 
B-B.-Halsen bei, hoffend, die starke Abtrift würde das Schiff südlich am Centrum 
des Orkans vorbeiführen, 
So lag das Schiff verhältnismäfsig‘ sicher, wenigstens nahm es keine 
soliden Seen mehr über. Das Centrum selber erreichte das Schiff zwar nicht, 
doch dürfte es in grofser Nähe vorbeigegangen sein. 
Zwischen 12 und 1® mittags am 16. Oktober hatte das Wetter den 
Höhepunkt erreicht, das Glas zeigte 731 mm, der Wind wuchs bis Stärke 12 
und drehte mehr und mehr nach Westen. Strömender Regen mischte sich mit 
der Gischt der See, deren Wogenkämme sich lösten, Kegel bildend. 
Um 8* abends war das Barometer bereits auf 751 mm gestiegen, der 
Wind wehte noch mit Stärke 9 aus SW, doch wurde es merklich besser. Ich 
hielt nunmehr auf die See, gleichviel was anlag, 
Mit Tagesanbruch am 17. Oktober konnte ich wieder Kurs steuern, der 
Schiffsort wurde mittags auf 16° 3‘ N-Br., 61° 21' W-Lg. astr. festgestellt. 
Bombay erreichte ich am 20. Oktober bei leichtem NO-Monsun. 
Das Celsius - Thermometer schwankte während des Sturmes zwischen 
29° und 255°, letztere Grade wurden beim niedrigsten Barometerstande 
abgelesen. 
Die in Heft VIII des vorigen Jahrgangs (1902) der »Annalen der 
Hydrographie ete.« veröffentlichte Arbeit „Der Orkan im Indischen Ozean im 
Mai 1902« von Herrn Kapt. Meyer, Assistent bei der Seewarte, gab mir für 
diesen Fall sehr gute Fingerzeige.« 
Einige Bemerkungen zu diesem Bericht. Herr Kapt. v. Szymanski 
yibt in einer Skizze die Bahnrichtung als zwischen N und W liegend an, 
entsprechend einer Windänderung von NO über N nach W und SW, mit 
Orkanstärke aus der N-Richtung. 
Aus den Karten, welche für 8* V vom 13. bis 18, Oktober 1902 für 
Luftdruck und Wind hergestellt wurden, und von denen die für den 16. und 17. 
)y Um 4,9 mm, den ungefähren Standfehler, erhöhte Aneroidablesungen.
	        
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