192 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1903.
Joch behielt auch dieser in den ersten Tagen noch seine hochnördliche Richtung
bei und kam, was für das grofse Schiff am unvorteilhaftesten war, nur selten
über die Stärke 2 nach Beaufort-Skala hinaus. Am 10, Dezember befand sich
das Schiff auf 14° S-Br. und 22,5° W-Lg., und erst von hier ab kann der Wind
als wirklicher Passat gelten, da er nun erst die südöstliche Richtung annahm.
Aber auch auf der Weiterreise schien das Glück „Preufßsen“ verlassen zu haben,
da der Südost-Passat zwar stetig war, aber niemals die Stärke 4 überschritt,
sogar meistens nur mit Stärke 2 wehte; hiermit konnte das grofse tiefbeladene
Schiff natürlich nicht den erwünschten Fortgang machen. Es wurde daher auch
erst am 15. Dezember in 27,5° W-Lg. der Äquator überschritten, am 30. Tage
von Kap Horn. Es ist dies eine lange Zeit, wenn man berechnet, dafs das
Schiff von Kap Horn bis nach 37° S-Br. nur sieben Tage gebrauchte,
Auch auf der Weiterreise im Nordatlantischen Ozean wurden die Ver-
hältnisse nicht besser. Am 18. Dezember überschritt der Fünfmaster die
äquatoriale Grenze des Südost-Passats auf 5°N-Br. und 27,8° W-Lg.; es
erfolgte der Übergang in den Nordost-Passat ohne gröfßeren Zeitverlust, da
nur ungefähr 16 Stunden Mallung angetroffen wurde. Zur polaren Grenze des
Nordost-Passats gelangte „Preufsen“ aber erst am 1. Januar 1903 in
28,6° N-Br. und 37,3° W-Lg., also erst am 14. Tage nach dem Eintritt.in den-
selben. Dieses schlechte Resultat wurde dadurch veranlafst, dafs der Nordost-
Passat bis zum 17. Breitenparallel nur mit weniger als mittlerer Stärke wehte
and von hier ab bis zum 30. Dezember eine Passatstörung mit Stille eintrat;
das Schiff benötigte für einen Weg von ungefähr 200 Sm volle sechs Tage, ob-
wohl natürlich jede Gelegenheit, vorwärts zu kommen, auf das sorgsamste aus-
genutzt wurde. Schiffe, wie z.B. das Schulschiff des Norddeutschen Lloyd, die
„Herzogin Sophie Charlotte“, die den Aquator fünf bis sechs Tage später
als „Preufsen“ kreuzten, haben sowohl südlich, als auch nördlich von der Linie
steiferen Passat gehabt und sind aufserdem ohne die erwähnte Passatstörung
direkt bis zur polaren Grenze desselben in 32° N-Br. und 30,4° W-Lg. gesegelt.
Hierdurch wird es erklärlich, dafs „Herzogin Sophie Charlotte“, die sich am
15. Dezember, als „Preufsen“ von Süd- in Nordbreite überging, noch in 17° S-Br.
and 26,3° W-Lg. befand, sich am 30. Dezember ihrem grofsen Rivalen so weit
genähert hatte, dafs beide Schiffe nur wenige Meilen in Breite voneinander
entfernt waren; in Länge allerdings standen sie ziemlich auseinander, da
„Preufsen“ 20° N-Br. in 39° W-Lg. und „Herzogin Sophie Charlotte“ diesen
Breitenparallel in 34,5° W-Lg. schnitt. KErsteres Schiff hatte nämlich im Nord-
ost-Passat einen hoch nördlichen Wind angetroffen, während letzteres einen
Wind fand, der meistens aus ostnordöstlicher bis ostsüdöstlicher Richtung wehte.
Der letzte Abschnitt der Reise verlief dann für „Preufsen“ noch einiger-
malen günstig, da von 30° N-Br. bis zum Kanal westliche Winde vorherrschien,
womit das Schiff am 11. Januar 1903 in den Englischen Kanal einlief, während
„Herzogin Sophie Charlotte“ dieses Ziel erst am 15. Januar erreichte. Hier auf
diesem letzten Reiseabschnitte zeigte es sich auch, dafs das größere Schiff
„Preufsen“ dem kleineren „Herzogin Sophie Charlotte“ im Segeln überlegen
war; denn beide waren am 30. Dezember auf 20° N-Br. nicht weit voneinander
entfernt, haben dann ungefähr gleiche Wind- und Wetterverhältnisse bis zum
Kanal angetroffen, und doch konnte das gröfsere Schiff das kleinere noch um
ungefähr vier Tage überholen. Während auf „Preufsen“ auf dieser letzten
Strecke Geschwindigkeiten von 58 Sm in der Wache verzeichnet sind, konnte
„Herzogin Sophie Charlotte“ es nur bis auf 52 Sm bringen, was aber auch
eine gute Leistung ist. Diese Geschwindigkeit des Schulschiffes entspricht
angefähr der eines „P“-Dampfers der Hamburg— Amerika-Linie, während die
Maximalgeschwindigkeit des Seglers „Preufsen“, die ungefähr 15,5 Sm in der
Stunde beträgt, ungefähr mit der des Dampfers „Blücher“ verglichen werden
kann. Für die Strecke vom AÄquator bis nach dem Englischen Kanal hatte
„Preufsen“ also 27 Tage gebraucht, was zwar für einen Segler noch ein gutes
Mittelresultat ist, aber für die erste Reise des grofsen Schiffes doch nicht ganz
befriedigend genannt werden dürfte. „Potosi“ hat auf ihrer ersten Reise für
dieselbe Strecke die ungewöhnlich kurze Zeit von 18'% Tagen gebraucht, eine
Zeit, welche auch von guten Frachtdampfern dazu benötigt wird. Die „Potosi“
brachte auf ihrer ersten Heimreise von Ilqauiaue bis nach dem Englischen