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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Erste Reise des ‘deutschen Fünfmasters „Preufsen“ von der Nordsee nach Iquique ete. 191 
zunächst nur flauer Südwind,. der im Laufe des Nachmittags in Südost-Passat 
überging. Mit mäfsigem, zuweilen nur leichtem Passat wurde weitergesegelt 
und die polare Grenze des Südost-Passats auf 30,5° S-Br. und 89° W-Leg. 
an 1. November, am siebenten Tage von Iquique, überschritten. Auf diesem 
Wege zeigte es sich, dafs die „Preufsen“, auch tief beladen, ein guter Segler 
war; denn bei Windstärke 4 wurden mit dem Südost-Passat 28 Sm, bei Stärke 5 
40 Sm und bei Stärke 6 sogar 48 Sm in der Wache zurückgelegt. Von nun 
an wurden bis nach 50° S-Br. meistens hoch südliche bis südwestliche Winde 
angetroffen, so dafs teils auf B-B.-, teils auf St-B.-Halsen dagegen angekreuzt 
werden mufste; 40° S-Br. wurde daher erst am 6. November in 85,3° W-Lg. 
und 50° S-Br. am 12. November, ain 19. Tage von Iquique;, in 81,2° W-Lg. ge- 
schnitten. Es zeigte sich aber, dafs „Preufsen“ auch bei steifen vorderlichen 
Winden mit grober See, also bei nur sieben Strich am Winde liegend, mehrere 
Wachen hintereinander 48 Sm zurücklegte, und in einem ganzen Etmal, in dem 
der Wind nicht einmal sehr beständig war, bei dem Winde liegend 256 Sm 
gutgemacht wurden, was wohl als eine gute Leistung gelten kann. 
Von 50° S-Br. an gestalteten sich die Windverhältnisse günstiger, .denn 
der Wind drehte allmählich über West nach Nordwest und brachte das Schiff, 
obgleich der Wind an einem Tage noch wieder nach Süden zurückdrehte und 
zum Orkan ausartete, am 15. November, am dritten Tage von 50° S-Br, am 
22, Tage von: Iquique, nach dem Kap Horn, das wegen des sehr unsichtigen 
Wetters nicht gesichtet wurde. Für diese Strecke hat seinerzeit „Potosi“, da 
sie von 30° S-Br. bis nach 40° S-Br. bedeutend günstigere Windverhältnisse traf, 
21 Tage nötig gehabt. Auch ist zu bemerken, dafs am 15. November morgens 
auf 56,5° S-Br. und 72,4° W-Lg. so viel Eis angetroffen wurde, ‘dafs deshalb 
gewendet werden mulfste. 
Nachdem Kap Horn passiert war, drehte der Westwind über Süd nach 
Ost bis Ostnordost, was eine für diese Jahreszeit gewifs seltene Erscheinung ist, 
und nahm bei fallendem Barometer bald an Stärke zu. Kapitän Petersen 
nahm daher auf Grund der den Wind begleitenden Lufterscheinungen, . wie 
Windbäume in Nord und Nordost, an, dafs sich im Norden bis Nordwesten 
vom Schiffe eine Depression befinden müfste, und entschlofs sich, um nicht 
allzu lange von den östlichen Winden belästigt zu werden, seinen Kurs west- 
wärts von den Falklands-Inseln zu nehmen. Auf diese Weise gedachte der 
Kapitän das Minimum an seiner Westseite zu umsegeln, was ihm auch, wie die 
nächsten Tage zeigen, vorzüglich gelungen. ist. Der östliche Wind: drehte 
nämlich bald, nachdem „Preufsen“ einen nordwestlicheren Kurs eingeschlagen 
hatte, zurück nach Südost bis Süden, ein Zeichen, dals sich das Schiff schon 
an der westlichen Seite des Luftdruckminimums befand und demselben nicht 
sehr fern gewesen war. Mit diesem günstigen Winde, der später noch mehr 
nach Westen drehte; wurde dann schon am 18. November, am dritten Tage von 
Kap Horn, der 50. Breitenparallel im Südatlantischen Ozean in 60,6° W-Lg. 
überschritten. Auch hielt dieser günstige Wind noch bis zum 23. November aus 
derselben Richtung an, so dafs 40° S-Br. schon am 21. November, am dritten 
Tage von 50° S-Br., in 47,5° W-Lg. geschnitten wurde. Auf diesem Wege war 
es nun „Preufsen“ vergönnt, zu zeigen, was sie im: beladenen Zustande zu 
leisten vermochte. Ihre gröfste Geschwindigkeit erreichte sie auf dieser Strecke, 
wie überhaupt auf der Rückreise, am 21. November auf 42° S-Br. und 45° W-Lg. 
Hier wurden mit westlichem Winde von Stärke 8, mit welchem 50° (NO'/0) 
gesteuert wurde, 59 Sm in der Wache zurückgelegt. Auch wurden am 20. und 
21. November im Etmal 281 bezw. 287 Sm gutgemacht, was für ein Segelschiff 
in beladenem Zustande eine gute Leistung ist, da fast 12 Sm in der Stunde 
erzielt wurden. Ein fernerer Beweis für die Segelfähigkeit der „Preufsen“ ist der 
Umstand, dafs für die Strecke von 50° S-Br. im Stillen Ozean bis nach 50° S-Br. 
im Atlantischen Ozean nicht ganz sechs Tage nötig waren, wozu „Potosi“ auf 
ihrer ersten Reise acht Tage gebraucht hatte. 
Von 37° S-Br. an waren nun die Verhältnisse für „Preufsen“ nicht so 
günstig, da vom. 22. November bis zum 7. Dezember leichte nördliche bis nord- 
östliche Winde vorherrschend waren. 30° S-Br. wurde daher erst am 27. No- 
vember in 28° W-Lg. und 18° S-Br., in 21° W-Lg. erst am 27. Dezember über- 
schritten. Hier schien der Südost-Passat sich allmählich zu .entwiekeln.
	        
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