190 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1903.
liche Richtung, so dafs der Äquator am 27. August in 26° W-Lg. geschnitten
wurde. Die „Preufsen“ hatte also die Strecke von Lizard bis nach dem Aquator
in 22 Tagen zurückgelegt, eine Leistung, die zwar schon von anderen Schiffen,
besonders von seinem früheren Rivalen „Potosi“ übertroffen ist, aber dennoch
in Anbetracht der am Anfang der Reise getroffenen westlichen Winde und des
später für dieses grofse Schiff nur flauen Nordost-Passats, dessen Stärke
meistens weniger als 4 betrug, eine recht zufriedenstellende genannt werden
kann. Bemerkt sei, dafs „Potosi“ auf ihrer ersten Reise für die Strecke von
Lizard nach dem Aquator 20 Tage 8 Stunden gebrauchte.
Während der ganzen Zeit war die Schnelligkeit der „Preufsen“ trotz des
vielfach nur schwachen Windes nur wenige Male auf weniger als 20 Sm in der
Wache gesunken, doch auch ihre gröfste Geschwindigkeit betrug bis jetzt erst
57 Sm in der Wache. N
Mit mäfsigem Südost-Passat wurde nun vom Aquator ab weiter gesegelt
und am 3. September die polare Grenze des Südost-Passats in 20° S-Br.
und 39° W-Lg. erreicht. Nachdem nun ungefähr zwei Tage lang flaue ver-
änderliche Winde geherrscht hatten, traten am 5. September wieder frische ver-
änderliche Winde auf, die das Schiff am 7. August abends nach 30° S-Br. und
47,5° W-Lg. brachten. Von hier ab wurden bis zum 40, Breitengrade be-
ständige, hoch südliche bis südwestliche Winde angetroffen, so dafs erst am
13. September abends 40° S-Br. in 57,3° W-Lg. gekreuzt wurde. Danach ge-
stalteten sich die Verhältnisse günstiger, indem frische Winde „Preufsen“ schon
nach Verlauf von 4'/% Tagen nach 50° S-Br. und 64,5° W-Lg. brachten. Auch
konnte das Schiff auf dieser Strecke seine Geschwindigkeit zeitweise bis auf
58 Sm in der Wache erhöhen. Der Weg von dem Äquator bis nach 50° S-Br.
war also in 22 Tagen zurückgelegt worden; „Potosi“ hatte hierzu seinerzeit
24 Tage gebraucht. Auch von hier ab hielt die günstige Wetterlage noch an,
so dafs Kap Horn nach Verlauf, von vier Tagen in 56,9° S-Br. passiert wurde,
also am 26. Tage von dem Aquator. Auf diesem ‘letzten Wege konnte
„Preufsen“ bei nordwestlichem Winde von Stärke 8 ihre Geschwindigkeit auf
62 Sm in der Wache erhöhen; in einem Etmal wurden 307 Sm zurückgelegt.
Im Stillen Ozean gestalteten sich die Windverhältnisse für das große
Schiff recht günstig, da bis zum Bestimmungsorte meistens recht frische Winde
angetroffen wurden. Zwar wurden auf der Strecke von 59,5° S-Br. und
71,2° W-Lg. bis nach 54° S-Br. und 75,7° W-Lg. bei einem schweren westlichen
Orkane, in dem sogar die Mars- und Focksegel aus den Lieken platzten, drei
volle Tage zugebracht, so dafs 50° S-Br. im Stillen Ozean erst am 27. September,
am fünften Tage von Kap Horn, in 81,5° W-Lg. überschritten werden konnte.
Der Rest der Reise verlief dann aber ohne gröfsere Verzögerung. Am 8. Oktober
mittags, am 11. Tage nach dem Schneiden von 50° S-Br., traf die „Preufsen“
wohlbehalten in Iquique ein; sie hatte also für die ganze Strecke von Lizard
bis nach Iquique 64 Tage gebraucht, wozu „Potosi“ auf ihrer ersten Reise
66 Tage nötig hatte. Die einzelnen Reiseabschnitte wurden in folgender Zeit-
dauer zurückgelegt:
Wesermündung bis
Lizard “
Aquator &
50° S-Br.
Kap Horn
50° S-Br.
Bremerhaven
Lizard
%
»
1
Von Iquique nach Hamburg.
Nachdem der Ballast in Iquique gelöscht war, wurde auch in demselben
Hafen eine Ladung Salpeter wieder eingenommen, Am 24, Oktober spät nach-
mittags trat „Preufsen“, nach einem Aufenthalte von 16 Tagen im Hafen von
1quique, mit 7800 Tonnen Salpeter beladen, die Heimreise an. Nachdem der
Lotse und der Schlepper das Schiff verlassen hatten, trieb „Preufsen“ bis zum
nächsten Tage in Sicht des Hafens von Iquiaue in Windstille. Hierauf folgte