Erste Reise des deutschen Fünfmasters „Preufsen“ von der Nordsee nach Iquique ete. 189
Die Takelung‘ des Schiffes „Preufsen“ ist. die eines fünfmastigen Voll-
schiffes mit doppelten Mars- und Bramrahen in allen fünf Toppen. Sämtliche
Masten, Rahen und Stengen sowie das Bugspriet sind aus Stahl hergestellt.
Die Mars- und Bramrahen werden mittelst Fallwinden geheißt, . während. zum
Brassen der Unter- und Marsrahen Brassenwinden aufgestellt sind, und die
Schoten der Segel mittelst Relingwinden und Gangspills leicht gesetzt werden
können. ;
Das stehende Gut besteht aus westfälischem Stahldraht, das laufende
Gut aus Hanf oder biegsamem Stahldraht. Sämtliche Blöcke aus Eichenholz
oder Eisen sind mit Pockholzscheiben oder solchen aus verzinktem Eisen mit
Selbstschmiervorrichtung - versehen. Die Gesamtlänge des stehenden Stahlguts
beträgt 10800 m, die des laufenden Stahlguts 13230 m und die des laufenden
Hanfguts 17260 m, so dafs die Länge des für die Takelung verwendeten Stahl-
oder Hanfguts im ganzen mehr als 41 km. beträgt.
Die Segel sind aus bestem Tuch angefertigt, und sind im ganzem 43 Segel
von einer Gesamtfläche von 5560 qm für die Fortbewegung dieses Riesenschiffes
vorgesehen.
Aufserdem befinden sich noch in der Einrichtung des Schiffes sechs
Anker, von denen die schwersten je 4000 kg wiegen. Für diese Anker sind
560 m. Ketten von 65 mm Gliedstärke im Gesamtgewicht von etwa 66 Tonnen
vorhanden. Alle bewährten Einrichtungen, welche die Bedienung der Takelage
und das Löschen und Laden erleichtern, sind auf diesem Schiffe vorgesehen.
Von Bremerhaven nach Iquique.
Am 31. Juli 1902 verlief. die „Preufsen“ im Tau des holländischen
Schleppdampfers „Titan“, der eine Maschinenkraft von 1200 indizierten Pferde-
stärken besitzt, die Wesermündung und passierte am 2. August morgens Dungeness
im- Englischen Kanal. In der Nordsee herrschten‘ mäfsige westliche Winde,
die auch im Kanal anhielten und nach dem Passieren von Dungeness noch auf-
frischten, so dafs „Preufsen“ unter Führung ihrer Schrägsegel mit dem Schlepp-
dampfer kreuzen mufste, weil letzterer im geraden Kanalkurse mit dem Schiffe
keinen Fortgang machte, Am 4. August morgens wurde: Start/Point passiert
und der Schhelldampfer entlassen. Im Laufe des Vormittags flaute der südwest-
liche Wind ab und drehte bei fallendem Barometer nach Südost. Am 5. August
1 V wurde Lizard passiert und mit noch immer fallendem Barometer und ost-
züdöstlichem Winde von Stärke 3 in den Atlantischen Ozean hineingesteuert,
Im Laufe dieses Vormittags flaute der östliche Wind ab, drehte über Süd nach
Südwest und wurde, bis zum Abend nach West holend und von starkem Blitzen
begleitet, stürmisch. Bis zum 6, August wurde: auf B-B.-Halsen gesteuert und
an diesem Mittag 49,2° N-Br. und 9,9° W-Lg. erreicht. Da der Wind nun all-
mählich bis nach Westnordwest geholt hatte und das Barometer zu steigen
begann, so wurde das Schiff auf St-B.-Halsen gelegt und mit. vollen Segeln
weggehalten. Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich, dafs „Preufsen“ bei Wind-
stärke 4 in der Nachmittagwache 32 Sm, in der Abendwache bei Windstärke 5
soyar 36 Sm zurücklegte. Bis zum 8. August abends hielt der westliche Wind
an; er drehte dann aber in der Nacht bei immer noch steigendem Barometer, *)
das allmählich einen Stand von 767 mm eingenommen hatte, nach Osten und
bildete sich bald zum Passat aus. Die polare Grenze des Nordost-
Passats wurde somit auf 43° N-Br. und 10,5° W-Lg. angetroffen.
Das nun in rascher Fahrt nach Süden eilende Schiff hielt sich, nachdem
30° N-Br. in 20,6° W-Lg. am 13. August geschnitten war, östlich von den Kap
Verden und erreichte dort am 19. August die in 15° N-Br. und 22° W-Lg.
liegende äquatoriale Passatgrenze. ‚Der sich zuerst nach rechts ändernde
leichte Wind nahm im Laufe des Nachmittags eine immer südlichere Richtung
ein und bildete sich zum mäfsigen Südwest-Monsun aus. Da der Wind im
Laufe des Abends westlicher als Südwest holte, so wurde bis zum 24. August,
bis nach 3° N-Br. und 18° W-Lg., auf St-B.-Halsen gesegelt. Hier holte der
Wind allmählich nach Süd, und es wurde daher um 4"N gewendet, Auch
während der nächsten Tage behielt der Südost-Passat noch seine hoch. süd-
1) Die Barometerstände sind auf 0° Temperatur reduziert.