‚Ludwig Eduard Dinklage $. — Georg Adolf Rung +.
187
gebnis vertieften Studiums in ihnen enthalten war, Es sei an’ die von ihm
schon 1875 in überaus einleuchtender Form dargestellte Lehre‘ von dem kalten
„Auftriebwasser“ an Leeküsten erinnert, welches Phänomen, von Dinklage
richtig nach seiner Ursache gedeutet, der wissenschaftlichen Meereskunde einen
sehr wichtigen Baustein zur Auffassung der gesamten ozeanischen Zirkulation
geliefert hat. Wir nennen ferner seine ebenfalls prinzipiell sehr bedeutsam
gewordene. Untersuchung vom : Jahre 1888 über die Strömungen bei dem
Feuerschiffe „Adlergrund“ in ihrer Abhängigkeit von den Winden: der Einflufs
der Erdrotation auf die Meeresströmungen wurde hier zum ersten Male sozusagen
zahlenmäfsig an einem Beispiele festgelegt. Fast noch wichtiger ist seine
Bearbeitung der Stromversetzungen‘ zwischen Ouessant und Finisterre geworden,
welche in das Jahr 1895 fällt: sie gab wenn auch nicht den ersten Anstofs, so
doch den letzten und entscheidenden Ausschlag zur definitiven Beseitigung der
falschen und‘ für die Schiffahrt in der Biskaya geradezu unheilvollen „Rennell-
strömung“ von unseren Stromkarten, sie zeigte auch von neuem unwiderleglich,
dafs die vorherrschenden Winde die vornehmste Ursache für die Meeresströmungen
nach Richtung und Betrag abgeben, was übrigens Dinklage schon im Jahre 1875
ausgesprochen hat. ; I ;
” Lieblingsthemata waren für Dinklage ferner die Berichte über das Vor-
kommen : von. Eis sowohl im Nordatlantischen Ozean als. auch in den hohen
züdlichen Breiten aller drei Ozeane; mehrfach hat er auch über die Staubfälle
im östlichen Nordatlantischen Ozean gearbeitef und in aufserordentlich über-
zeugender Form neue Beispiele und damit Beweise ihres afrikanischen Ursprunges
geliefert; die Erhitzung und Selbstentzündung von Kohlenladungen. in Schiffen
hat ihn in den letzten Jahren sehr beschäftigt, und er hat durch die maritimen
Mitarbeiter der Seewarte zu diesem Zwecke ein reichhaltiges Material von
Temperaturbeobachtungen im Raume von Kohlenschiffen zusammengebracht,
Aber alle diese Arbeiten — so sorgfältig sie abgefalst sind — standen doch
seinem Herzen nicht ganz so nahe wie das schon oben bei den Segelanweisungen
näher ‚besprochene grofse Thema: „Rasche Reisen deutscher Segler“; hier
wurde Dinklage nicht müde, immer neue und mit neuen Gesichtspunkten ver-
bundene Berichte zu geben, in denen er oft mit dramatischer Anschaulichkeit
das Rennen der heutigen großen Dreimaster, Viermaster und Fünfmaster über
die Salzwasserflut beschreibt, Berichte, aus denen der Stolz auf die Leistungen
der Beobachter. zur See herausklingt. Der letzte, umfassende Bericht (Beiheft I
der „Ann. d. Hydr. etc.“ vom Jahre-1902) ist im Mai ausgegeben und schliefst
u. a. mit den Worten: „Möge unser Bericht den Beteiligten zum Ruhm, den
übrigen zur Nacheiferung dienen. Wir haben die sichere Hoffnung, dafs unser
Wunsch erfüllt werden wird“. Das Schicksal hat es gewollt, dafs genau um
diese Zeit Dinklage die Feder für immer aus der Hand legen mufste, indem
am 6. Mai 1902 eine schwere und unheilbare Gehirnerkrankung zum Ausbruch
kam, von welcher ihn der Tod am 24. März 1903 befreite.
Dinklages Andenken wird innerhalb der Seewarte auch ohne diese
Zeilen immer in Ehren gehalten werden; möge dieser Nachruf weiteren Kreisen
der Seefahrt und der Wissenschaft einen ungefähren Überblick über die Summe
dessen, was sie ihm verdanken, gewähren. G. Schott.
Georg Adolf Rung +.
Am 28, März d. J. starb "in Kopenhagen Georg Adolf Rung, zweiter
Direktor des Königlich Dänischen Meteorologischen Institutes im Alter von
58 Jahren.
Nach Beendigung seiner Studienjahre trat er bei der Artillerie ein und
wurde 1867 zum Leutnant befördert, ging aber im Jahre 1872 als Assistent
zum Königlich Dänischen Meteorologischen Institut über, dem er dann bis zu
seinem Tode angehörte.
Hier hatte sein Konstruktionstalent reiche Gelegenheit zur Betätigung.
Wir erwähnen nur seinen Thermographen, seinen Schöpfapparat, um Wasser