Ann. d. Hydr. ete., XXXI. Jahrg. (1903), Heft V.
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Ludwig Eduard Dinklage +.
Am 24. März d. J. starb nach längerem Leiden der seit dem 1. Januar d. J.
in den Ruhestand getretene Abteilungsvorstand bei der Deutschen Seewarte,
Kapt. L. E. Dinklage in Hamburg im Alter von 66 Jahren. Die „Ann, d.
Hydr. etc.“ verlieren in ihm einen verdienstvollen Mitarbeiter, die Seewarte
einen in 23jähriger treuer Tätigkeit erprobten Beamten, dem in verantwortungs-
voller Stellung. als Leiter ‚der Abteilung I, d. h. der Abteilung für maritime
Meteorologie und Ozeanographie, eine hervorragende Aufgabe gestellt war, und
dem ein ganz wesentlicher Anteil an dem Aufblühen der Anstalt zuzuschreiben ist.
Es ist eine Pflicht und eine Freude zugleich, etwas näher auf den Lebensgang
Dinklages einzugehen und seine amtliche, praktisch-wissenschaftliche Lebens-
arbeit — diese freilich nur in kurzen Umrissen — hier zu würdigen.
Dinklage war am 26. April 1837 in Osternburg bei Oldenburg im Grofs-
herzogtum geboren, besuchte die höhere Bürgerschule in Oldenburg bis Prima
und ging im Alter von 16 Jahren zur See. Nach der üblichen Laufbahn, in
welche. auch der Besuch der Navigationsschule in Elsfleth fällt, erhielt er in
dem aufserordentlich jugendlichen Älter von 25 Jahren bereits die Führung des
Segelschiffes .„Johanne Elise“. Von März 1863 bis Februar 1864 war Dinklage
seitens der Königl. hannöverschen Regierung bei der Vermessung der Nordsee-
küste beschäftigt, und fuhr dann wieder, nunmehr 10 Jahre lang, als Kapitän
auf den Kauffahrteischiffen „Wilhelm Kirchner“, „Orion“, „Cito“ und „Charlotte“,
wobei er Reisen nach Ostindien. und China, in der Nord- und Ostsee und im
Mittelmeer, nach Westindien und nach der Westküste von Amerika ausführte.
Ausgerüstet mit klarem Verstande, umfassender seemännischer Erfahrung,
und — was für seine spätere Laufbahn an der Seewarte ganz besonders in das
Gewicht fiel —. mit guter höherer Schulbildung versehen, war Dinklage eine
geeignete Persönlichkeit, um in den Jahren 1875 bis 1878 als Lehrer an der
Navigationsschule zu Elsfleth mit Erfolg zu wirken; so wurde er nach dem
Tode des ersten Vorstandes der Abteilung I, des Kapt. Wagner, gegen Ende
des Jahres 1878, aus einer grofsen Anzahl von Bewerbern ausgewählt und mit
dem 1.Januar 1879 an die Deutsche Seewarte berufen, zunächst als Hilfs-
arbeiter, wennschon sogleich mit der Anwartschaft auf die Stellung des Vor-
standes, dann vom 1. Juni 1880 ab definitiv zum Abteilungsvorstand. bestellt.
Dieses Amt hat Dinklage somit nahezu 22 Jahre bekleidet.
Alle diejenigen grofsen Arbeiten, welche den Grundpfeiler. der Tätigkeit
der ‘ Deutschen Seewarte auf dem Gebiete der maritimen Meteorologie und
Ozeanographie bilden, fallen in diese 22 Jahre, und an allen diesen Arbeiten
hat Dinklage hervorragenden Anteil: es seien hier nur genannt die sogenannte
„Quadratarbeit“, die in Verbindung mit dem MDänischen Meteorologischen
Institut herausgegebenen .„Täglichen synoptischen Wetterkarten vom Nord-
atlantischen Ozean“, die 7 Bände „Pilote“ und ganz besonders die grofsen
Segelhandbücher und Atlanten der drei Ozeane. Zu der gegen Ende des
Jahres 1884 ‚erschienenen ersten Auflage des Segelhandbuches des Atlantischen
Ozeans hat Dinklage ungefähr die Hälfte, und zwar die weitaus wichtigste
Hälfte, nämlich die gesamten eigentlichen Segelanweisungen, . beigesteuert.
Dinklage hat aber im Laufe der Jahre diese seine Untersuchungen über
die besten Wege für Segelschiffe auf alle Ozeane ausgedehnt. Wohl hatte
Maury schon die Arbeitsmethoden im grofsen und ganzen unter Berücksichtigung
der mittleren Verhältnisse im Luft- und Wasserozean gegeben; aber in dem Ausbau
der Segelanweisungen unter Anpassung an die augenblicklichen Wetterlagen und
an die mit den Jahrzehnten wesentlich veränderten Bedingungen der Segel-
schiffahrt, der Schiffe ‚wie der Besatzungen, in der wissenschaftlichen Aus-
nutzung eines vervollkommneten deutschen . maritimen Beobachtungsmaterials
für die Praxis der Segelschiffahrt liegt Dinklages besonderes Verdienst. Der
wesentliche Fortschritt in den Dinklageschen Anweisungen liegt vorzugsweise
darin, dafs er, durch das Studium der synoptischen Wetterkarten vom Ozean
dazu geführt, die Verwertung der Minima und Maxima für die Förderung der
Ann. 8. Hydr. etc... 1903, Heft Y.