Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1903,
an trüben und heiteren Tagen, die im Mittel für Januar, April, Juli und Oktober
gleich 9,25 und 1,07 an Stelle der vom Zufall geforderten Werte 8,5 und 1,5
gefunden wurden. Wären bei dieser Berechnung die Tage mit einer mittleren
Bewölkung von 8,0 bezw. 2,0 fortgelassen worden, so würden sich die ermittelten
mittleren Bewölkungsgrade für trübe und heitere Tage in noch höherem Grade
den in obiger Weise anderweit a priori abgeleiteten Werten 9,5 und 0,5 an-
gepafst haben.
Wenn trübes Wetter die Zahl der hohen Bewölkungsgrade und heiteres
die der niedrigen Bewölkungsgrade gegenüber dem Walten des Zufalls erhöht,
30 wirken die ersteren erhöhend, die letzteren erniedrigend auf die mittlere
Bewölkung der mittelwolkigen Tage Bei gleicher Häufigkeit von trüben und
heiteren Tagen wird sich dieser Einflufs nahezu ausgleichen; da jedoch im
Durchschnitt die ersteren bei weitem überwiegen, so wird zu erwarten sein,
dafs die mittlere Bewölkung an mittelwolkigen Tagen eine etwas höhere sein
werde, als es der Zufall allein mit sich bringen würde, und in dieser Weise er-
klärt sich auch die zweite Abweichung der empirischen Beziehung von der
Forderung des blofsen Zufalls.
Bis zu einem gewissen grofsen Grade ordnen sich zufolge dieser Dar-
legungen die an den Beobachtungsterminen notierten Bewölkungsgrade für einen
längeren Zeitraum nach dem Zufall an, es existiert aber eine bestimmte gesetz-
mäfsige Abweichung und diese hat sich auf dem Wege des Vergleichs der ge-
yebenen Verhältnisse mit den rein zufälligen in einfacher Weise klar zu erkennen
yegeben. Es liegt also hier ein weiterer Fall vor, der lehrt, wie wertvoll es
sein kann, dem Widerstreben der Natur gegen den blofsen Zufall nachzuspüren.
Bis zu welchem Grade der Genauigkeit die Formel 1} die mittlere Be-
wölkung zu berechnen gestattet, sei hier noch an einem lehrreichen Beispiel
darzulegen gestattet. Es handelt sich dabei um Hamburg und Altona und die
Monate Mai, Juli und August 1886, für welche in dem „Meteorologischen Jahr-
buch“ des Königl. Preufs. Meteorol. Instituts die betreffenden Angaben enthalten
sind; für Hamburg beziehen sich die Beobachtungen auf 8° V, 2 und 8" N, für
Altona auf 6" V, ZZ und 10” N, und es wurden gerade diese Monate heraus-
yegriffen, da für die übrigen die Bewölkungsmittel der Termine am Morgen,
Nachmittag und Abend, die der Reihe nach mit I, II, III folgend bezeichnet sind,
nahe übereinstimmten.
Bowölkung IH |
| MM | Ir | Mittel
T
Mitt], Bewölk
nach Formel
A | Monat
Hamburg. . ..
Altona .....
Hamburg. . . I
Altona .....
Bamburg. | 63 | 61 ] 501 581 7,9 586 10,2!
Altona .....]| 52 | 56 | 32 47 | 81 3 46 [021 August
|
+0,81 ar.
+ da} Mai
I- 02h Jali
Wir sehen, dafs hier in allen drei Monaten trotz der meist erheblichen
Unterschiede in den Bewölkungsmitteln der drei Termine die Formel in jedem
Fall nahezu die gleiche Abweichung der nach ibr aus den heiteren und trüben
Tagen für die beiden Schwesterstädte berechneten Bewölkung von den in ge-
wöhnlicher Weise abgeleiteten Monatsmitteln der Bewölkung ergeben hat —-
der von der Natur auf die Verteilung der Bewölkungsgrade an den trüben,
heiteren und mittelwolkigen Tagen ausgeübte Zwang war eben in jedem der
Zeiträume für beide Orte der gleiche.
Schlielslich sei noch darauf hingewiesen, wie die Anwenlung der Formel
ein einfaches Mittel bietet, um Rechen- oder Druckfehler bei den Mitteln der
Bewölkung oder den Häufigkeitszahlen der heiteren und trüben Tage zu finden,
da Abweichungen zu Ungunsten der Formel von einer Einheit der Bewölkung
äufserst selten vorkommen und gröfsere Unterschiede fast mit Sicherheit auf
Fehler hinweisen.