Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1903.
Ein neues tiefes Minimum zog am Il. bis 13. im hohen Norden vorüber
and breitete sein Gebiet bis zur Mitte Kontinentaleuropas aus, während sich
wieder hoher Luftdruck in seinem Rücken, diesmal mit einem Maximum über
den Britischen Inseln, einstellte. Steife und stürmische südwestliche Winde
traten vielfach bereits wieder in der Nacht zum ll, ein und erhielten sich, bald
nach dem Nordwestquadranten drehend, bis zum 13. über dem gröfsten Teil der
Küste; Windstärken 9 und darüber traten in grofser Ausbreitung am Il. an der
ostdeutschen Küste sowie in der Nacht zum 13. und am 13. an der Ostsee auf,
während an der Nordsee nur vereinzelt gröfsere Stärken als 8 erreicht wurden.
Niederschläge traten am 11. an der Nordsee, am 10., 12. und 13. über dem
ganzen Gebiete auf.
In den Tagen vom 14, bis 17. stand die Küste zunächst vom 14. bis 16.
unter dem Einflufs eines von der Nordsee nach Nordösterreich dringenden Teil-
minimums und des in seinem Rücken von Westen her wieder vordrängenden
Hochdruckgebietes, so dafs am 14. und 15. an der ganzen Küste und am 16.
noch an der Ostsee ausgebreitete Niederschläge eintraten. Jenes Teilminimum
rief am 14. an der Nordsee, das vordrängende Hochdruckgebiet am 15. und 16.
an der preufsischen Küste steife und stürmische nordwestliche Winde hervor.
Die anhaltenden nordwestlichen Winde und vorübergehendes Aufklaren führten
um Mitte des Monats die niedrigsten Temperaturen des Monats herbei.
Ein am 17, und 18. vom Norwegischen Meere südostwärts nach Südrufsland
dringendes Minimum hatte an der Ostsee einige Niederschläge und am 17. viel-
fach steife nordwestliche Winde im Gefolge, im übrigen war das Wetter am I6,
mit Ausnahme des Ostens, und 17, bis 19. wesentlich trocken, wie noch am 20.
westlich der Elbe.
Nachdem der Monat bereits vielfach stürmische Winde gebracht hatte,
trat jetzt die längste Periode anhaltend stürmischer Witterung ein. Bei hohem
Luftdruck über Südeuropa schritten am 19, bis 21. und 21. bis 23. tiefe Minima
im hohen Norden ostwärts vorüber, die ihren KEinflufs bis Süddeutschland er-
streckten, und am 23, bis 24. drang ein tiefes Teilminimum nördlich von der
Nordsee her nach Westrufsland. Am Abend des 19, und in der folgenden Nacht
setzten steife und stürmische südwestliche Winde ein und erhielten sich im
Bereiche dieser Minima unter zeitweisem Rechtdrehen und nachfolgendem Zurück-
drehen meist bis zum 24.; in grofser Ausdehnung und zum Teil lange anhaltend
wehten starke Stürme bis zur Stärke 10 und zum Teil darüber, besonders stark
in den Nächten.
Während der letzten Tage stand die Küste unter dem Einflufs einer neuen
Depression über dem Ozean, die längs der Küste sechreitende Ausläufer und ein
am 27. und 28, von Schottland nach Skandinavien dringendes tiefes Minimum
gegenüber anhaltend hohem Luftdruck über Südeuropa zeigte. Im Gefolge der
Ausläufer traten wieder am 24, westlich der Elbe, am 25. ostwärts bis Mecklen-
burg und am 26. an der Nordsee, am 27. im Gefolge des genannten Minimums
ostwärts bis Pommern und in der folgenden Nacht auch an der preufsischen
Küste steife und mehrfach stürmische südwestliche Winde auf. Diese Herrschaft
der Depressionen vom 20. bis 28. führte fast täglicb an der ganzen Küste
Niederschläge bei anhaltend frostfreiem Wetter herbei.
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