170 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1903,
Zucker- und Bananenpflanzungen bebaut. Die Anwohner sind meist Indianer,
welche in niedrigen offenen Hütten wohnen. Die nächste gröfsere Ansiedelung
oberhalb Curiapo ist Barrancas, ein Ort mit festen Steinhäusern, aus denen
sich ein größeres, die Kirche, abhebt. Zurzeit ist dort ein deutscher Händler
and Pflanzer, namens Lehmann, ansässig. Die Ufer haben von hier an kein
urwaldartiges Aussehen mehr; der Wald besteht meist aus hohem Buschwerk
mit vielen weiten Lichtungen dazwischen. Von Barrancas ab aufwärts läuft
der Fluß zunächst südwestlich bis an die Bergkette, welche im Süden das Delta
begrenzt, und welcher er stromabwärts in Ost—Westrichtung bis Ciudad Bolivar
folgt. Von der Bergkette treten an einigen Stellen Ausläufer direkt an das
rechte, also das Südufer, des Flusses heran, während die eigentliche Kette mehr
oder weniger von dem Flufßsbette zurückliegt. Das linke, d. i. das Nordufer,
ist durchweg flacher. Dort dehnt sich, etwa 70 m höher als das Flufstal liegend,
eine weite Ebene (Savannah) aus, deren Abhänge steil abfallen, aber an keiner
Stelle bis direkt an das Flufsbett herantreten. Von höheren besonders markanten
Bergen liegen am nördlichen Ufer nur der Sorondo- Hügel unterhalb Guiana
Vieja und der Guarampa-Hügel oberhalb Las Tablas.
Auf einem der erwähnten Ausläufer der Bergkette am Südufer liegt der
Ort Guiana-Vieja mit zwei Forts. Die Hügel, auf denen die Forts liegen, sind
nicht, wie auf den Karten angegeben, 500 und 300 Fufs hoch, sondern nur etwa
120 bezw. 50 m hoch. Das Fort auf dem höheren Hügel ist ein quadratisches
Mauerwerk, über welches einige Häuser hinwegragen, mit der Hauptfront nach
Nordost. Es schien in ziemlich verwahrlostem Zustande zu sein. Das Fort auf
dem kleineren Hügel, mit der Hauptfront nach Norden, war anscheinend besser
erhalten. Zwischen beiden Hügeln liegt die Ortschaft, von der vom Flusse aus
jedoch nur einige Lehmhäuser und Hütten zu sehen sind.
Zwischen Guiana Vieja und Cuidad Bolivar liegt als einziger gröfserer
Ort, gleichfalls am Südufer, Las Tablas. Derselbe ist an einer Bucht angelegt,
in welcher der Strom (wie in der Tabelle angegeben) nicht besonders stark ist,
and die guten Ankergrund bietet. Der Ort besteht aus steinernen Wohnhäusern,
aus denen sich die Kirche als gröfseres Gebäude mit flachem Dache abhebt.
Las Tablas ist für den Verkehr insofern von Bedeutung, als von hier aus eine
Verkehrsstrafse nach den Erz- und Goldminen im Süden des Landes führt.
Abweichungen von den Karten. Soweit es bei Dampfern möglich war,
wurden die amerikanischen Karten kontrolliert. Dabei wurde festgestellt, dafs
sie verschiedene Ungenauigkeiten in der Zeichnung der Uferkonturen, Angabe
der Entfernungen und der Namen enthalten. Diese sind von der Mündung an
aufwärts folgende:
1. Südlich von Nuina, westlich von Cangrejito, liegt in der Mitte des
Flusses eine Sandbank. Sie ist etwa 2 Sm lang und erstreckt sich fast bis
Yatica Point; trotz des hohen Wasserstandes war sie zum grofsen Teile trocken.
2. Die beim Rio Osadero eingezeichnete Insel liegt weiter östlich, als
auf der Karte angegeben.
3. Oberhalb Curiapo läuft der Fluß weiter nach Süden, biegt dann vom
Rio Acuri nach Westen um und trifft auf den Arm, in welchem die Kurslinie
eingezeichnet ist. Diesen Weg benutzte der Lotse auf der Fahrt stromabwärts,
wie oben angegeben ist.
4, Die Strecke zwischen Lorqueta und Cafo- Imataca ist etwa 2 Sm
kürzer, die von hier bis zum Cafio Paloma etwa 1 Sm länger, die Breite des
Flusses geringer, als nach der Karte.
5. Die Entfernung Cao de Toro—Devils Hock ist kürzer, von hier bis
zum Rio Grande etwa 1,5 Sm länger, als nach der Karte.
6. Die 2 Sm oberhalb eingezeichneten Paloma-Inselin sind nicht vor-
handen. ,
7. Die Abzweigung des Rio Grande ist nicht richtig gezeichnet. Derselbe
ist etwa doppelt so breit, d. i. 1,5 Sm. Von Punta Piedra kann man diesen
Arm hinabsehen, ohne Land am Horizont zu sehen.
8. Die Insel Sacupana hat eine andere Lage; der nördlich von derselben
vezeichnete Flufsarm ist von keinem Punkte der Kurslinie zu sehen.