Orinoco-Fahrten.
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Ändern der Kurse ergab, war es ebenso wie auf dem Hinwege, nicht möglich,
einen Kurs als künftigen Anhalt festzulegen. Um. 12" 50" wurde die Barima-
Hulk passiert und dann mit 30° (NNO*/sO)-Kurs über die Barre gesteuert,
wobei die Lotungen wieder Tiefen von. nicht unter 5,5 m ergaben. Da die
Luft an diesem. Tage sehr sichtig war, war die Cangrejo-Insel von der Mitte
der Barre noch gerade zu sehen. Ebenso war bei dem wolkenlosen Himmel
der Unterschied in der Wasserfärbung bei verschiedenen Tiefen sehr deutlich
zu sehen. Während das Wasser auf der Barre eine ausgesprochen gelbe Farbe
hatte, wurde es, als die Tiefen 7 m' und mehr erreichten, schmutzig grüngelb.
Nach dem Passieren der Barre, d.h. nachdem Tiefen von 10 m und
darüber gelotet wurden, wurde der Kurs auf Galeota Point genommen und dann
durch Serpents Mouth in den Golf von Paria gesteuert.
Die Fahrt auf dem Orinoco hat somit, von der Barima-Hulk an gerechnet
bie Ciudad Bolivar, stromaufwärts bei Umdrehungen der Maschinen für 10 Sm
Fahrt, 29!/s Stunden, und stromabwärts dieselbe Strecke bei Umdrehungen für
9 Sm Fahrt, 17'/2 Stunden erfordert. .
Tiefen- und Stromangaben. Abgesehen von den bereits erwähnten
Lotungen, konnten solche und Strommessungen wegen der Kürze der Zeit nur
dort angestellt werden, wo S.M.S. „Panther“ zu Anker lag. Dort wurde
folgendes festgestellt, wobei zu beachten bleibt, dafs die folgenden Angaben im
Oktober ermittelt sind, also nur für hohen Wasserstand gelten.
Ort
Cariapo. . . . +.
Vor dem Rio Grande . .
Barrancas . . . . 0...
2 Sm unterhalb Guiana
Vieja . 0.0. 0-0 0-0 + +
Las Tablas. .. ..-.
Ciudad Bolivar . . . .“ |
Tiefe
in m
7
\4
13,5
18
15
925
Grund
feiner weifser Sand
® »
grauer Sand
; feiner grauer Sand
Strom
in Sm
2,2
2,0
23
3,2
1,8
2,0
Bemerkung: Der verhältnismäfsig. schwache Strom von 2,0 Sm bei
Ciudad Bolivar herrschte nur an. dem Ankerplatz S. M. S. „Panther“, der nahe
am Ufer lag und durch eine etwas oberhalb vorspringende Huk geschützt war.
Am Westende der Stadt, wo das rechte Ufer eine Biegung macht, und in der
Mitte des Flusses erreicht der Strom 4 Sm Geschwindigkeit und darüber.
Während der Wasserstand des Orinoco auf die Tiefen der Barre keinen
merklichen Elnflufs ausübt, betragen die Niveauunterschiede zwischen hohem
und niedrigem Wasser bei Ciudad Bolivar 7 m und mehr. Der späteste Monat,
in dem ein Schiff vom Tiefgang S.M.S. „Panther“ noch den Orinoco hinauf-
gehen kann, ist Dezember. Von Januar bis März sind 3 m (10°) der äufserste
zulässige Tiefgang.
Ufer. Die ganze Küstenstrecke des Orinoco-Deltas besteht aus flachem,
dicht bewaldeten Lande und bietet keine markanten Punkte, welche zur
Orientierung dienen könnten. Die Wassertiefen nehmen schon auf Entfernungen
vom Lande, auf welchen dieses noch garnicht gesichtet wird, Stark ab, so dafs
für Schiffe, welche an dieser Küste zu fahren haben, ein dauernder Gebrauch
des Lotes durchaus erforderlich ist, zumal da man hier mit beträchtlichen Strom-
versetzungen zu rechnen hat.
Die Flufsufer an der Boca Grande sind in der Nähe der Mündung mit
undurchdringlichem Urwald bestanden, welcher nur durch die vielen Flufsarme
unterbrochen wird. Die erste Lichtung ist durch das Dorf Curiapo gebildet,
welches aus einigen wenigen festen Häusern, sonst nur aus Indianerhütten be-
steht. Oberhalb Curiapo setzt sich der dichte Urwald bis Imitaka fort. In der
Nähe dieser Insel treten die Ausläufer der Berge von Britisch-Guiana bis nahe
an den südlichsten Arm des Deltas heran. An den Bergen bei dem Orte Imataka
liegt eine Eisenerzmine, die, durch einen Arm, der für 3,3 m (11‘) tiefgehende
Schiffe befahrbar ist, mit dem Boco Grande-Arm verbunden ist. Hinter Imataka
wird der Wald etwas lichter als unterhalb, und die Ufer sind stellenweise mit
Ann. d. Hvdr, ete.. 1903, Heft IV.