Messerschmitt, J. B.: Magnetische Störungen infolge des Vulkanausbruches auf Martinique. 151
18 Stunden, und der Staub. wurde bis zu 20 km in die Höhe geworfen, wo er
in Form von leichten Wölkchen während der darauffolgenden zwei Jahre die
viel bewunderten prächtigen und seltsamen Dämmerungsphänomene und leuchtenden
Nachtwolken hervorrief. Ja die leuchtenden Nachtwolken verschwanden sogar
erst nach mehr als zehn Jahren.
Nach der Katastrophe auf Martinique sind keine solch allgemein auf-
fälligen Phänomene aufgetreten; die Dämmerung wurde nur in geringem Mafse
verändert, die Barometer entfernter Stationen zeigten keine Druckschwankungen
an, und auch die Erdbebenmesser liefsen keine Erschütterungen erkennen. Da-
gegen haben die registrierenden erdmagnetischen Apparate aller magnetischen
Öbservatorien der Erde deutlich Störungen angezeigt, welche der Zeit nach in
kausalem Zusammenhang mit dem. grofsen Ausbruch der Montagne Pelce stehen.
Diese magnetische Störung wurde auch. vielfach an den Kompassen der Schiffe
beobachtet, welche plötzlich ohne äufsere Ursache unruhig wurden, und es wäre
wohl nicht ohne Interesse u. a. auch in den Deviationsjournalen der Schiffe zu
verfolgen, auf welche Entfernungen von Westindien diese Unruhe der Kompasse
noch bemerkt, oder ob sie nur in gröfserer Nähe erkannt wurde.
Die Montagne Pelce ist 1350 m hoch, an. deren südlichem Fufs in
etwa !/ı km Entfernung die Stadt und der Hafen Saint-Pierre lagen. Der Vulkan
war seit 1851 still und begann seine Tätigkeit erst im Laufe des Monats April 1902
wieder, aber sogleich in solchem Mafse, dafs die Bevölkerung der ganzen Insel
in grolse Angst versetzt wurde. Am 8. Mai morgens 7'/a Uhr erfolgte ein
schrecklicher Erdstofs, der von unterirdischem Rollen gefolgt war; dann entstieg
dem Gipfel des Berges eine mächtige, dichte Rauchsäule, angefüllt mit heifsen,
giftigen Dämpfen und Gasen, die sich auf die Stadt und Reede von Saint-Pierre
stürzte und alles in finstere Nacht hüllte. Gleichzeitig fielen Asche, feurige
Schlacken und heiße Bimsteine vom Himmel, allerdings nur in geringen Mengen.
Durch die heißen Gase wurde alles in Brand gesetzt und selbst die Schiffe im
Hafen fielen ihnen zum Opfer. Die Uhr des Hospitals blieb 10 Minuten vor
IE stehen; zeigte also etwa die Zeit des Eintritts der Katastrophe in der
tadt an.
Die magnetischen Kurven verliefen nach den Aufzeichnungen der
registrierenden Instrumente des erdmagnetischen Observatoriums in München an
den vorhergehenden Tagen ganz ruhig, bis am 8. Mai mittags 12°/4 Uhr plötzlich
eine magnetische Störung begann, die sowohl bei der Deklination, als auch in
noch höherem Mafßse bei der Horizontal-Intensität mit einem starken Ausschlag
einsetzte, wie dies auch aus den unten gegebenen Kurven zu ersehen ist. Der
Ausschlag zeigt nicht den Charakter eine mechanischen Erschütterung, sondern
einer rein magnetischen Erscheinung, d. h. die. Kurven blieben scharf und
deutlich, ohne verwaschene und verschwommene Stellen.
1
Horixontal-Intensität,
Deklinati, ok
ni
Bifler
Ynkfitar
Die Horizontal-Intensität zeigt um 12" 43,3» M, 0. Z. München den ersten
Ausschlag (Zunahme) von 10 Einheiten der fünften Dezimalstelle (C. G. S.), dem
etwa drei Minuten später eine weitere Zunahme von der gleichen Gröfse folgte;
dann bleibt die Kurve unruhig und zeigt viele kleinere, kurzandauernde
Schwankungen, bis die Störung am Abend gegen 8 Uhr mit einem grofsen Aus-
schlag abschliefst. In der Nacht zum 9. Mai bleibt die Bewegung normal, und
erst gegen Morgen um 5% 28min beginnt eine stärkere Unruhe des Bifilars, die
bis in die Morgenstunden (3" V) des 10. Mai andauert, Der Charakter dieser
zweiten Störung ist dem der ersten entgegengesetzt, d.h. die Horizontal-
Intensität nahm ab.
Der erste Ausschlag in der Deklination gibt um 12" 45,4 "in M, 0. Z.
München eine Zunahme der westlichen Deklination um 0,7‘, der etwa 4 Minuten
später eine weitere gleichgrofse Zunahme folgte. Die Unruhe der Nadel, wenn
auch weniger deutlich als bei der Horizontal-Intensität, dauerte ebenfalls bis
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