150 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1903.
Mittelpunkt und im Süden der Insel stark zu und erreicht auf den Stationen
Nr. 38 und 70 88°.
Nach den zahlreichen Deklinationsbestimmungen, die der Kapt. z. S. in
der dänischen Kriegsmarine, Hammer, auf dem Meere um Bornholm gemacht
hat, nimmt die Deklination ab, wenn man sich der Westküste der Insel nähert,
in deren Nähe sie nahezu denselben geringen Wert wie auf dem Strand erreicht.
Von ihrem hohen Wert an der Ostküste nimmt die Deklination ziemlich rasch
ab, wenn man ostwärts fährt. Die magnetische Einwirkung der Insel Bornholm
erstreckt sich auf dem Meere bis in Entfernungen von etwa 15 km von ihren
Küsten.
An der Südwest- und der südlichen Ostküste Bornholms ist die Horizontal-
komponente der störenden Kraft im allgemeinen nicht senkrecht zur Küste
gerichtet, sondern wir finden ähnliche Verhältnisse wie im Innern der Insel vor.
Die Rönne-Bank zeigt eben noch ähnliche Wirkungen wie Bornholm selbst, nur
in etwas geringerer Stärke. Die Hammerschen Beobachtungen ergeben, ver-
glichen mit den Normalwerten, westlich der Rönne-Bank zu kleine, östlich von
ihr zu grofse Deklinationen. Die Bestimmungen sind auf einem eisenfreien, aus
zwei Booten zusammengesetzten Flofs gemacht. Auf dem Kriegsschiff selbst
konstatierte Hammer in den Küstengewässern südwestlich von Bornholm be-
trächtliche Einwirkungen auf die Deviation an Bord, was auf bemerkenswerte
Anderungen, besonders in der Vertikalkomponente des magnetischen Feldes,
schließen läfst. Auch auf einer Route von Nordost nach Südwest, nahe bei der
Nordspitze der Insel, ergab sich eine scheinbare Änderung der Deklination um
5 bis 6°, während die tatsächliche Deklinationsänderung nur 2 bis 3° betrug.
Auf der Insel selbst hat Paulsen sehr starke Unterschiede in der Größe
der störenden Kraft auf benachbarten Stationen gefunden, so ist der Wert ihrer
Horizontalkomponente auf Station 9 0,00245 c. g. s., dagegen auf Station 10
0,00986 ec. g. s., und auf Station 63 0,00308 c. g. s., dagegen auf Station 43
0,02070 c. g. s.
Auch aus dem übrigen Gebiet des Königreichs Dänemark sind magnetische
Störungen bekannt geworden: Im nördlichen Teil von Fünen ist die westliche
Deklination 1° gröfser als im Süden der Insel. Bei Korsor und Skelskor
erreicht die Deklination beinahe denselben Wert wie im nördlichen Fünen.
H. Maurer.
Magnetische Störungen infolge des Vulkanausbruches auf Martinique.
Von Dr. J. B. Messerschmitt in München,
Der schreckliche Ausbruch der Montagne Pelde auf Martinique, der am
8, Mai (Himmelfahrttag) v. J. die blühende Hafenstadt Saint-Pierre in wenigen
Minuten zerstörte, erregt in so hohem Mafse das allgemeine wie das wissen-
schaftliche Interesse, dafs es wohl angebracht erscheint, alle hierauf bezüglichen
Naturerscheinungen möglichst genau kennen zu lernen.
Die Katastrophe erinnert in vieler Beziehung an diejenige des Krakatau
in der Sunda-Strafßse, zwischen Java und Sumatra, vom 25. August 1883, und hat,
frotzdem sie weniger heftig und ausgedehnt war, doch wahrscheinlich etwa die
gleiche Anzahl Menschenopfer gefordert, da sie eben in einer dicht bevölkerten
Gegend stattfand. Der Ausbruch des Krakatau, bei welchem durch eine förmliche
Explosion der ganze Gipfel des Berges in die Luft gesprengt wurde, war so
heftig, dafs die Erschütterung rund um den ganzen Erdball verspürt wurde. Die
durch den senkrecht in die Höhe geworfenen Staub hervorgerufene atmosphärische
Erregung bewirkte eine Luftbewegung, die dreimal um die ganze Erde ging,
ehe sie sich verlor. Sie wurde durch die Schwankungen der Barometerstände
angezeigt, ja in gröfserer Nähe, wie in Indien, war der Druck so grofs, dafs
die Gasometer der Gasanstalten ihn aufzeichneten. In ähnlicher Weise wurde
eine Flutwelle von 35 m Höhe erzeugt, die dann auf den benachbarten Inseln
alles zerstörte und der etwa 40000 Menschen zum Opfer fielen. Der Aschen-
regen und die dadurch hervorgerufene Dunkelheit dauerte beim Krakatau etwa