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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1903
sin für die Epoche 1900,5 umgearbeiteter Auszug aus einer früheren Arbeit
desselben Verfassers über den gleichen Gegenstand.') Im folgenden soll das
wesentliche aus dem Inhalt dieser beiden Abhandlungen kurz zusammengefafst
wiedergegeben werden,
Bornholm liegt in der Ostsee 41 km von der Südostspitze Schwedens und
155 km östlich von der Insel Seeland, in Form eines Parallelogramms, dessen
eines Seitenpaar von Nordwest nach Südost, dessen anderes nordsüdlich ver-
läuft. Die Nordspitze hat 55° 17‘, die Südspitze 55° 0‘ nördliche Breite,
während die Ost- und Westspitze auf den Meridianen 15° 9‘ und 14° 42‘ Ost
von Greenwich liegen. Von der Südwestküste erstreckt sich bis zum Adlers-
Grund die flache Rönne-Bank, während die drei anderen Küsten von tiefem
Meer umgeben sind. Der Boden des gröfseren Teils der Insel, nördlich von
der punktierten Linie auf Fig. 2 (Tafel 8) besteht aus eisenhaltigem Granit,
der südliche aus Sandstein. Ein pflastersteingrofses Stück dieses Granits
oörachte, dicht an das Kompafsgehäuse gehalten, eine Ablenkung der Magnet-
nadel um 2° hervor. Seit 1890 hat nun A. Paulsen systematische Unter-
suchungen über die erdmagnetischen Verhältnisse der Insel angestellt, ins-
besondere an 103 Stationen Bestimmungen meist aller drei Elemente des Erd-
magnetismus vorgenommen. Nach diesen verhält sich der Landklotz Bornholms
im grofsen Ganzen qualitativ etwa so, wie eine Masse weichen Eisens vom Erd-
magnetismus beeinflulfst werden würde. In dem aus dem Meer emporragenden
»beren Teil des Klotzes überwiegt Südmagnetismus; das Nordende der Nadel
wird nach der Insel hingezogen, so dafs die westliche Deklination im Osten und
Nordosten den normalen Wert übertrifft, im Westen und Südwesten unter ihm
bleibt. Die Fig. 1 (Tafel 8) zeigt den Betrag dieser Abweichungen vom Normalen,
der im Nordosten + 2°, im Westen — 3° übertrifft, und man erkennt daraus,
dafs, während normal in dieser Gegend die westliche Deklination nach Westen
zunehmen sollte, sie über Bornholm nach Westen hin abnimmt, und zwar finden
wir auf der Insel Unterschiede, die im Maximum nahe an 5° herankommen,
während ein Anderungsbetrag von nur 20%, und zwar im entgegengesetzten
Sinne, normal wäre. Die Inklination ist der oben angedeuteten Grundvorstellung
entsprechend, fast überall gröfser als die normale, da das Nordende der Nadel
von der Insel angezogen wird. Von den 76 Beobachtungsorten der Inklination
zeigten nur 5 ein geringes Zurückbleiben der nördlichen Inklination hinter dem
normalen Wert, während im Durchschnitt aller 76 Beobachtungsorte die vor-
handene Inklination den normalen Wert um 28‘ übertraf.
Die Horizontal-Intensität des Erdmagnetismus erscheint im Durchschnitt
geschwächt. Unter den 99 Beobachtungsstationen zeigen nur 24 einen etwas
yröfseren Wert der Horizontal-Intensität, als er normal wäre, während der
Durchschnittswert aller 99 Stationen um 0,00065 ec. g. s. Einheiten unter dem
Normalwert liegt.
Die Normalwerte sind auf Grund der Karten von Neumayer unter Mit-
benutzung eigener Beobachtungen in Kopenhagen und auf Jütland von Paulsen
abgeleitet, und zwar gibt er für die Mitte von Bornholm an:
Westl. Deklination. Nördl. Tnklination, Horizontal-Intensität.
189155. . . 9° 20,2 68° 15 0,17672 c. g. 8.
19005. . . 8° 322 68° 4' 0.17863 ec. g. 3.
1891,5. 1900,5.
für die Nordspitze: Inklination. . . 68° 225'N 68° 115° N
Südspitze: # „00. 68° 15N 67° 56,5 N
Westspitze: Deklination. . . 9°29 W 8° 41' W
Ostspitze: ” „0.00. 9°10 W 8° 23 W
in der Fig. 1 (Tafel 8) sind die normalen Isogonen 8° 23‘, 8° 32‘ und
8° 41’ für 1900,5 gezogen. Aus den Einzelresultaten der Beobachtungen für die
103 Stationen, deren Lage aus der Fig. 2 zu ersehen ist, gibt, auf die Epoche
1900,5 bezogen, die folgende Tabelle eine Auswahl, die sich über das ganze
(Jehiet erstreckt: in der Tabelle bedeuten:
4) Regime magnetique de File de Bornholm. Par Adam Paulsen. Bulletin de ’Academie
Royale des Sciences et des Lettres de Danemark, Copenhague pour l’annee 1896, pag. 246.