Heidke, P.: Graphische Darstellung der Koppeltafeln,
145
links stehende senkrechte die Koordinatenachsen darstellen, und zwar erstere
die Abscissenachse, letztere die Ordinatenachse. In Abständen von je fünf Ein-
heiten sind zu den Koordinatenachsen Parallele gezogen, deren Abstand vom
Koordinatenanfang, dem Schnittpunkt derKoordinatenachsen, auf den Koordinaten-
achsen abzulesen ist. Durch jeden Punkt in der Ebene der Zeichnung kann
man sich Parallele zu den Koordinatenachsen gezogen denken, deren Abschnitte
auf den Koordinatenachsen die Koordinaten des betreffenden Punktes genannt
werden. Es ist klar, dafs zu jedem Koordinatenpaar nur ein Punkt und zu
jedem Punkt auch nur ein Koordinatenpaar gehört.
Um auch die Entfernung eines jeden Punktes vom Koordinatenanfang
bestimmen zu können, sind um den Koordinatenanfang als Mittelpunkt
konzentrische Kreise in Abständen von je fünf der auf den Koordinatenachsen
gewählten Einheiten geschlagen worden. Als 40-Kreis möge kurz der Kreis
bezeichnet werden, an dessen Schnittpunkten mit den Koordinatenachsen die
Zahl 40 steht.
Um schließlich noch angeben zu können, welche Winkel die Verbindungs-
linie eines jeden Punktes mit dem Koordinatenanfang gegen die Koordinaten-
achsen bildet, sind vom Koordinatenanfang aus Strahlen oder Radien in Abständen
von je 5° gezogen worden; es gibt die mit M. B. bezw. K. bezeichnete Zahl
den Winkel der Verbindungslinie gegen die Abscissen- bezw. Ordinatenachse
an. Da diese beiden Achsen senkrecht aufeinander stehen, so müssen sich die
mit M. B. und K. bezeichneten Zahlen desselben Strahles stets zu 90° ergänzen.
Ebenso wie jeder Punkt in der Ebene eindeutig durch seine beiden
Koordinaten bestimmt ist, kann er auch eindeutig als Schnittpunkt eines der
angegebenen Kreise mit einem der Strahlen bestimmt werden, und umgekehrt
geht durch jeden Punkt auch nur ein Kreis und ein Strahl,
Es folgt, dafs zu jedem Paar von Abscisse und Ordinate nur ein einziges
Paar von Kreis und Strahl gehört, und umgekehrt.
2. Mathematische Begründung der Tafel.
Analog mit den Merkatorkarten möge angenommen werden, dafs die
Breitenunterschiede stets auf der Ordinatenachse, die Abweitungen, d. h. die in
Seemeilen umgerechneten Längenunterschiede, stets auf der Abscissenachse ab-
gelesen werden. .
Bei der Berechnung des gegifsten Bestecks eines Schiffes kommt es
darauf an, aus der Entfernung zweier Punkte, d. i. der zurückgelegten Distanz,
und der Richtung ihrer Verbindungslinie gegen die Nord—Süd-Richtung, d. i.
der Kursrichtung, den Breiten- und Längenunterschied dieser beiden Orte zu
bestimmen. Die Aufgabe der Stromberechnung besteht umgekehrt darin, aus
dem Breiten- und Längenunterschied zweier Orte, d.i. dem Unterschied des
astronomischen und gegifsten Bestecks, die Entfernung dieser beiden Punkte
voneinander, d. i. die Stromstärke, und die Richtung ihrer Verbindungslinie
gegen die Nord—Süd-Richtung, d. i. die Stromrichtung, zu ermitteln.
Die Lösung beider Aufgaben kann bekanntlich, weil es sich nur um
verhältnismäßig kleine Entfernungen auf der Erdoberfläche handelt, durch die
Auflösung ebener rechtwinkliger Dreiecke erfolgen, und es kommt darauf an,
die graphische Auflösung dieser Dreiecke möglichst einfach zu gestalten.
Da nun jede der beiden Aufgaben die genaue Umkehrung der anderen
ist, indem in der ersten die Stücke gegeben sind, die in der zweiten gesucht
werden, und in der zweiten die Stücke gegeben sind, die in der ersten gesucht
werden, und da ferner die Beziehungen zwischen den gegebenen und gesuchten
Stücken eindeutig sind, so ist es nur nötig zu zeigen, wie die eine Aufgabe
gelöst wird; bei der Lösung der anderen Aufgabe hat man dann nur den
umgekehrten Weg einzuschlagen. An je einem Beispiel für jede Aufgabe wird
dies noch im folgenden Absatz näher gezeigt werden.
Der einfacheren Darstellung halber möge die Aufgabe der Strom-
berechnung gelöst werden. Um die Entfernung und die Richtung der Ver-
bindungslinie zweier Punkte der Erdoberfläche gegen eine feste Richtung, welche
in diesem Fall die Nord — Süd-Richtung ist, bestimmen zu können, ist es notwendig,
Längen- und Breitenunterschied auf ein gemeinschaftliches Mafs zurückzuführen,
wozu sich die in der Nautik allgemein als Einheit angenommene Seemeile von