Seidel, H.: ‚Klima und Wetter ‚anf den Marianen,
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winkte.. Als endlich der Tag begann, sah man mit Entsetzen die „Greuel der
Verwüstung“. Jede Spur kultureller Arbeit: war verwischt.‘ Auf der Ebene
lagerten. Sand und: Steine, die das Meer hierher gespült hatte, als es .die
Ernten begrub. .
Merkwürdigerweise beschränkte sich das Unglück in der Hauptsache auf
Guam, während die übrigen Inseln beinahe gänzlich verschont blieben. Dieser
Umstand ist vielleicht nicht zufällig, da er aufs neue bei dem Taifun am 13. No-
vember 1900 zur Beobachtung kam. Nach der „Denkschrift“ vom 29. Januar 1902
(Reichstagsdrucksachen Nr. 437, S. 92) wurde damals das amerikanische Gebiet
arg heimgesucht, indes auf unserm Rota, das nicht mehr als 60km abliegt, nur
unter den Kokospflanzungen auf der Südküste .und_ unter den leichtgebauten
Hütten der Eingeborenen einiger Schaden entstand. Übrigens war, wie dieselbe
Quelle sagt, die ganze Regenzeit 1900 vom August bis in den Dezember reich
an Stürmen. Ein Gleiches hören wir vom Jahre .1899. . Der Gouverneur
v. Bennigsen unterliefs zum Teil des ungünstigen Wetters halber einen
Besuch der nördlichen Inseln, und der Transportdampfer „Kudat“ geriet am
21. November eine Tagereise vor Saipan in den „äufseren Kreis eines Taifuns“
hinein, . der auf der Reede von Garapan einen solchen Seegang erzeugte, dals
noch am 22. ein Landen und Löschen unmöglich war und das Schiff in den
Hafen von Tanapag einlaufen mufßte.!)
Was kurz vorher über Rota gesagt wurde, legt im Verein mit der Tat-
sache, wonach auf den Bonin-Inseln die Taifune selten sind,”) den Gedanken
nahe, dafs überhaupt die Mitte und der Norden unseres Archipels weniger von
Stürmen betroffen werden, als der Süden. Die Verteilungstafel beobachteter
Taifune im. „Segelhandbuch“ (Seite 245) liefert den zahlenmäfsigen Beweis, dafs
für jene Meeresstriche mit der wachsenden Breite eine Abnahme der Monsun-
orkane wohl nicht zu leugnen ist. Immerhin kommen derartige Phänomene auch
in den: nördlicheren Teilen der Marianen vor. Kommodore Anson mit dem
„Centurion“ wurde am 22. September 1742 vor Tinian von einem Sturme über-
fallen,®) der zuerst aus Norden wehte, bis er gegen Abend plötzlich nach Süden
umsprang, das Schiff von‘ seinen Ankern rifs und ins offene Meer verschlug.
Augenscheinlich war also das Zentrum des Taifuns an der Insel vorbeigegangen.
In der Nacht blitzte es so stark, dals die gröfstenteils- am Lande weilende
Besatzung nicht im Stande war, das Feuer der Notschüsse vom „Centurion“ zu
erkennen. Das Schiff trieb drei Tage in höchster Gefahr mit dem Orkan und
wurde soweit fortgeschleudert, dafs es erst am 11. Oktober, hart mitgenommen,
wieder die Reede gewann. Ein zweiter. Sturm, aber von kürzerer Dauer, traf
Anson am 14. Oktober. Auch der „Dolphin“ unter Byron erlebte vor Tinian
ein ziemliches Unwetter, das am 11. September 1765 das Fahrzeug zweimal ins
Treiben brachte.‘) Weitere Beispiele gibt die Taifunliste unseres Segel-Hand-
buches, S. 255 bis 257. So wird beim 28. Juli 1855 ein Taifun unter 16° N-Br.
147° O-Lg. gemeldet,.der — eine westnordwestliche Bahnrichtung vorausgesetzt —
zwischen Farallon de Medinilla und Sarigan hindurchgegangen ist. Man kennt
ferner einen Taifun vom 27. August 1856, der in eben dieser Breite entstanden
sein mufs, und einen dritten. vom 30. August 1858, dessen Bahn direkt über die
nördlichsten Eilande Maug und Uracas (Farallon de Pajaros) verläuft. Dals
auch Rota seine Orkane hat, lehrt die in älteren Quellen erwähnte und zuletzt
von Fritz wiederholte Nachricht, °) dafs die geräumigen Höhlen dieser Kalkinsel
den Einwohnern „bei grofsen Stürmen als Zuflucht dienen.“
Zum Schluß kehren wir noch einmal nach Guam zurück, über dessen
schlechtes September- und Oktoberweiter u. a. der Franzose Alfred Marche‘)
Klage führt, der noch zu berichten weils, dafs in den zwei Jahren seines Auf-
enthaltes. und zwar am 15. Oktober 1888, der Schweif eines Taifuns an der
1) Bericht betreffs Übernahme‘ des Inselgebietes der Karolinen, Palau und Marianen in
deutschen Besitz, „Deutsches Kolonialblatt“, Bd. 11 (1900), S. 110. .
2) „Segel-Handbuch“, S. 246. .
3) „Voyage autour du Monde“, Amsterdam et Leipzig 1749, pag. 252 bis 263,
4) „A voyage round the world“, London 1769, pag. 150. (Das Buch zeigt aber gerade für
Tinian eine bedenkliche Abhängigkeit von R. Walters Schilderung der Anson-Reise.)
5) „Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten“, a. a. O., 1901, S. 195.
‚9 „Mon voyage aux iles Mariannes“. Bulletin de la Societe de Geographie de Marseille,
tome XIV (1890), pag. 24.