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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1903, 
schweren. Das würde pro saeculo etwa 60 Stürme ergeben mit 4 excessiven. 
Dies bestätigt sich annähernd aus le Gobien, der für die Jahre 1668 bis 1700 
drei hervorragend heftige Orkane beschreibt, nämlich einen vom September 1670 
oder 1671,!) die beiden anderen vom November 1680 und 1693. Beim zweiten 
macht er den wichtigen Zusatz, dafs „man fast in jedem Jahre einen Sturm auf 
den Inseln habe.“?) Das würde der vorgenannten Summe von 60 im Jahrhundert 
nicht eben widersprechen, Auf die Monate verteilt, ergiebt sich nach allen 
Autoren ein merkliches Überwiegen für den November. Bei Knorr entfallen 
auf diesen Monat von den 15 Stürmen allein 8, je einer auf den September und 
den Juni, 3 auf den April und 2 auf den Februar. Einen Aprilorkan kennt 
auch de Freycinet; er verwüstete 1805°%) auf Guam einen grofsen Teil der 
Häuser, die bei dem trägen, gleichgültigen Wesen der Bevölkerung an zwei 
Jahre in Trümmern liegen blieben, bis der Generalgouverneur der Philippinen 
den gemessenen Befehl zum Wiederaufbau erliefs. 
Nach Art und Ort ihres Auftretens werden die Marianenorkane zu den 
Taifunen gezählt. Das Meer zwischen unserm Archipel und den Philippinen 
und Formosa ist bekanntlich die Entwickelungsstätte vieler dieser atmosphärischen 
Wirbel. Vorwiegend scheinen sie aus Norden hereinzubrechen, d.h. auf Guam 
als derjenigen Insel, von welcher die Beobachtungen stammen. Doch werden 
daselbst — je nach der Lage des Zentrums — auch andere Richtungen ver- 
merkt, z. B. Südwest, West und Nordwest. Da in der niedrigen Breite der Süd- 
Marianen „ein Barometerfall von 1 mm nahezu gleichbedeutend mit einem Fall 
von 2 bis 3 mm im 30. Parallelkreise*) ist“, so hat man während der gefährdeten 
Monate sorgfältigst jede Luftäruckveränderung zu überwachen. Nach Knorrs 
Gewährsmann ist in Guam ein Barometerstand von 752 mm von schwerem Sturm, 
ein solcher von 740'/2 mm bereits von Orkan begleitet. 
Zum Schlufs wollen wir noch einige der bedeutendsten Taifune nach 
Auftreten und Folgen kurz beschreiben, um daraus gleichzeitig gewisse all- 
gemeine Erkenntnisse zu abstrahieren. Wir nehmen zuerst den Cyklon vom 
September 1671, der gerade zu einer Zeit hereinbrach, als die Spanier in Agafıa 
von den aufständischen Chamorro hart belagert wurden. Die Angreifer bemühten 
sich vornehmlich, die Kirche in Brand zu setzen. Da kam ihnen — es war kurz 
nach der Monatsmitte — ein plötzlich hereinbrechender Orkan zu Hilfe, der 
nicht nur das Gotteshaus und die Missionsstation, sondern auch fast sämtliche 
anderen Gebäude der Stadt zu Boden stürzte.‘) Das angeblich unvermittelte 
Einsetzen des Sturmes erklärt sich wohl daher, dafs die kriegführenden Parteien 
bei der Hitze des Kampfes den voraufgehenden Umschlag des Wetters nicht 
genügend beachtet hatten und so in der Tat überrascht wurden. 
Der erste Novembertaifun ereignete sich zu Anfang des nächsten 
Dezenniums. Er kam von Norden und wütete zwei Tage — am 11. und 12. des 
Monats — so furchtbar, wie es die Spanier in Guam bis dahin noch nicht erlebt 
hatten. Er zerschmetterte die Fahrzeuge im Hafen und am Ufer, legte Häuser 
and Bäume nieder und erzeugte eine solche Flutwelle, dafs das ebene Land 
völlig überschwemmt wurde und die Menschen sich nur mit Mühe in die Berge 
zu retten vermochten.‘) Noch ärger trieb es der Novembertaifun von 1693. 
Er begann in der Nacht zum 20. unter schweren Gewittererscheinungen, be- 
gleitet von einem sintflutartigen Regen. Wieder strömte die Luft von Norden 
nach Süden; wieder trat das Meer über seine Ufer und setzte binnen kurzem, 
verstärkt durch den Wolkenbruch, alle Niederungen unter Wasser. Bäume, 
Häuser, Kirchen wurden fortgerissen; selbst die Feste in Agafa konnte dem 
vereinten Anprall der Elemente nicht standhalten. Hier wie in dem Flecken 
Umata fanden zahlreiche Bewohner ihren Tod in den Wellen. Schauerlich 
drang das Geschrei und Stöhnen der Verwundeten, Sterbenden und Ertrinkenden 
durch die finstere Nacht, ohne dafs man den Unglücklichen Hilfe bringen 
konnte. Scharenweise flüchtete das Volk in die Berge, wo allein noch Rettung 
') Für letzteres Jahr spricht augenscheinlich mit Recht de Freycinet, a, a, O., pag. 178. 
} „Histoire des isles Marianes“, pag. 281. 
5) de Freycinet, a. a. O., pag. 222, 
S) „Segel-Handbuch“, S. 249. 
5) Le Gobien a, a. O., pag. 150 und de Freycinet, „Historique“ II, pag. 178. 
5) Le Gobien, a. a. O., pag. 281 et 282 und de Freycinet, a. a. O., pag. 194,
	        
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