Seidel, H.: Klima und Wetter auf den Marianen.
des Luftdrucks „im Winter 761,96 mm, das Minimum im Sommer 756,88 mm. im
Durchschnitt.“
Bezüglich der Winde wie der Niederschläge gelten zunächst folgende
allgemeine Sätze. Im Bereich der Marianen erleidet der Nordostpassat während
unseres Sommers eine Unterbrechung durch Stillen und westliche Winde. Das
ist die Zeit, in welcher. der Monsun an der asiatischen Küste voll entwickelt
ist und der Südostpassat „am weitesten auf die nördliche Halbkugel hinüber-
gezogen wird.“!) In der Hauptsache wehen also die Winde im Archipel nur
aus zwei Richtungen, aus Osten und aus Westen. Genauer stellt sich das Ver-
hältnis so, dafs im Januar, Februar und März nordöstliche bis nördliche Winde
vorherrschen, gelegentlich von Regenböen, hier „Chuvadas“ genannt, unter-
brochen. Im April schlägt der Wind eine fast östliche bis südöstliche Richtung
ein und‘ bringt ruhiges Wetter, d. h. wenn er aus südlicherer Richtung als
Osten kommt. Im Mai hört der Passat auf, und an seine Stelle treten Winde
aus Süd und Südwest, die vorläufig noch von gutem Wetter und gelinden Nieder-
schlägen begleitet sind. HErst mit voller Regenzeit dreht der Wind ganz nach
Westen durch, und nun beginnt die Periode der heftigsten Güsse und der nicht
selten einfallenden Orkane. Letztere stellen sich besonders im November ein;
aber auch die Monate Oktober und September bis zurück in den April sind
nicht frei davon. Mit Anfang Dezember vollendet der Wind seinen Kreislauf
und geht über Nordwest und Norden wieder auf Nordosten,
Die oben genannten „Chuvadas“ ähneln durchaus den längst bekannten
tropischen Regenböen. Am heiteren Himmel erscheinen plötzlich dicke Wolken,
die mit reißsender Schnelligkeit unter Sturm und Regen heraufziehen und ebenso
rasch verschwinden. Selbst zur Zeit der stationären. Ostwinde kommt es vor,
dafs unversehens aus‘ Westen oder Südwesten ein Windstofs einsetzt, der die
nach der Abendseite offenen Häfen und Reeden ernstlich unsicher macht.
Zuweilen erscheinen auf dem Meere auch Tromben. Eine solche ging
z. B. im Mai 1791 quer über Guam hin und lief in Wald und Gebüsch eine
breite Spur zurück. Eine zweite stürzte im Mai 1805 etliche Häuser auf der
Insel um, und eine dritte schlug die Strafse zwischen Guam und Rota ein, wo
sie von den Seeleuten eines spanischen Schiffes mit tödlichem Schrecken
bemerkt wurde.
Für die Darstellung der Niederschlagsverhältnisse auf den Marianen
fehlen ebenfalls die grundlegenden Messungen. Wir müssen uns daher auf die
generelle Notiz beschränken, dafs die Inseln in das Gebiet der „Sommerregen“
gehören. Ihre Hauptregenzeit fällt in die Monate vom höchsten Sonnenstande
bis zu den Äquinoktien und darüber hinaus. Schon im Juni macht sich eine
Zunahme des Regens geltend; aber erst im August erreicht dieser seine volle
Stärke, um dann im Oktoher und gegen Anfang November wieder nachzulassen.
Nur bei den gefürchteten Orkanen tritt von neuem eine Steigerung ein. Zuweilen
verfrühen sich die Ergüsse, wie dies de Freycinet erlebte, der im Mai 1819
einen schweren Regenfall von 34 Stunden zu bestehen hatte.”) Ganz regenfrei
ist übrigens kein Monat, namentlich auf den kleineren Inseln, wo die Nieder-
schläge beständig ergiebig genug sind, um „eine tiefe Austrocknung des Bodens
und ein Absterben selbst der flachwurzelnden Vegetation zu verhindern“.) Eine
Ausnahme scheint also, wie schon oben gesagt wurde, nur für das umfangreichere
Guam zu bestehen, wenngleich auch hier eine regenfreie Periode von mehr als
Wochenlänge wohl kaum zu erwarten ist.
Von Juli bis November treten ferner Gewitter auf, -allerdings nicht sehr
häufig. Noch weniger machen sie sich in den anderen Monaten bemerklich.
Schaden durch Blitzschläge ist fast unbekannt und wird nicht einmal bei dem
furchtbaren Novemberorkan von 1693 erwähnt.
Die Sturmphänomene sind mit geringen Ausnahmen an die passatlosen
Monate gebunden. Knorrs Gewährsmann hat für das Vierteljahrhundert
1850 bis 1875 im ganzen 15 Orkane gezählt, darunter nur einen besonders
) „Segel-Handbuch“, Seite 148.
) „Voyage aut. d. Monde.“ „Historique“, tome 2, pag. 242.
"1901 ie Bericht über die Insel Rota. „Mittlg. a. d. deutsch. Schutzgebieten“, Bd. 14
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