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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1903. 
Nach diesen Vorbemerkungen können wir jetzt zu unserem Gegenstande 
selber übergehen. Das Klima der Marianen ist, wie das eines jeden anderen 
Landes, zunächst von der geographischen Lage abhängig. Es mufs, da der 
Archipel — das Santa Rosa-Riff eingerechnet — seinen Platz zwischen dem 
12. und 21. Grade N-Br. inmitten einer schrankenlosen Meeresfläche hat, ein 
ausgesprochen tropisch-ozeanisches sein. Bei der weiten meridionalen Erstreckung 
über 8 bezw. 9 Parallelkreise werden sich indes gewisse Unterschiede zwischen 
den nördlichen und den südlichen Inseln ergeben, und zwar um so mehr, als 
die ersteren sämtlich klein, hoch und vulkanisch, die letzteren dagegen gröfser 
und vorwiegend flacher sind, dazu im Wesentlichen aus Schollen gehobenen 
Korallenkalkes bestehen. Über das Mafs dieser Unterschiede wissen wir leider 
noch nichts Genaueres; dafs sie aber vorhanden sind, geht aus einer Bemerkung‘) 
über Agafıa hervor, wonach hier im August und September etwa die Hälfte 
aller Tage, von November bis April aber kaum */s der Tage mit Nieder- 
schlägen bedacht ist. Diese „Trockenheit ist aber wohl nur jener, während 
des regelmäfsigen Passats im Windschatten der ziemlich grofsen, gebirgigen 
Insel liegenden Küste eigen; denn nach den vorhandenen Schilderungen sind 
auf den übrigen Marianen die Regenschauer auch während der vollen Herrschaft 
des Passats häufig, wenngleich kürzer und minder ergiebig als in der Zeit, wo 
der Passat unterbrochen ist.“ 
Aus demselben Grunde wird man die Temperaturangaben für Guam, das 
immerhin 514 qkm mifßt, nicht ohne weiteres auf die anderen Inseln übertragen 
dürfen. Denn diese haben zusammen, von Rota bis Uracas, nur 626 qkm, und ihre 
Gröfse schwankt im einzelnen zwischen 185 qkm, wie Saipan, und 20 qkm und 
noch weniger. Kapt. de Freycinet fand vom 7. bis 21. Mai für Agaüa draußen 
im Schatten ein absolutes Maximum von 32,1° €. bei einem absoluten Minimum 
von 23,5° C. Die Mitteltemperatur lag bei 27,1° C. Zur selben Zeit mals er 
draußen in der Sonne ein Maximum von 39,9° C.?) und ein Minimum von 25,2° C. 
bei 32,7° C. als Mittel. Im Hafen von San Luis, wo vom 30. März bis 4. Juni 
beobachtet wurde, zeigten sich die Extreme unter dem Einflufs der See einander 
mehr genähert. Das Maximum draufsen im Schatten betrug 32,0° C., das Minimum 
24,0° C. und das Mittel 27,0° C. Die Messungen auf der Reede von Umata 
zieht man hier lieber nicht heran, da sie sich nur auf den 18. bis 27, März er- 
strecken und für April und Mai keine korrespondierenden Angaben enthalten. Die 
Mitteltemperatur des April berechnet de Freycinet in San Luis auf 26,6° C., 
die des Mai auf 27,4° C Letzterer ist bereits einer der heifßsesten Monate des 
Jahres, zu welchen aufserdem der Juni, der Juli und ein Teil des August 
gehören, sofern dieser nicht schon durch starke Regenfälle etwas abgekühlt 
wird. Die unserm Sommer und Frühherbst entsprechenden feuchten Monate 
pflegt man trotz ihrer hohen Wärme allgemein als „Winter“ zu bezeichnen, ein 
Brauch, der sich in sämtlichen Tropengegenden mit spanischer Zunge wiederfindet. 
Die niedrigsten Temperaturen hat man vom Dezember bis zum Februar. 
Wie der geistliche Gewährsmann unseres Kapts. Knorr nach 25jährigen Beob- 
achtungen gefunden hatte, „stellt sich das Jahresmittel der Luftwärme zwischen 
25° C. und 31° C.“, wobei aber zu bemerken ist, dafs diese Extreme jedenfalls 
Mittelwerte bedeuten sollen. Danach dürfte sich de Freycinet, der die mittlere 
Jahrestemperatur für Guam®) auf 27,31° C. ansetzt, eben nicht von der Wahrheit 
entfernen. Dagegen erscheinen die völlig abweichenden Mafse bei Guerra, 
der Schwankungen von 14° bis 33° C. kennt, nicht zur Genüge verbürgt, um 
besonderes Gewicht darauf zu legen; selbst der Zusatz, dafs die Temperatur 
für gewöhnlich innerhalb 22 bis 28° C. bleibe, bringt ihn der vorigen Autorität 
nicht näher. 
Über den Stand des Barometers erwähnen wir nur kurz, dafs de Freycinet 
die mittlere Höhe der Quecksilbersäule auf 759,16 mm bestimmt hat, d. b. für 
seine Observationsdauer. Der geistliche Herr bei Knorr gibt dagegen, auf das 
Jahr bezogen, 760,77 mm als Mittelwert an. Nach ihm beträgt das Maximum 
) „Segel-Handbuch für den Stillen Ozean“, Hamburg, Seewarte, 1897, S. 149. 
2) Allerdings nur ein einziges Mal; die nächst niedrigere Temperatur war schon 37,0° C. 
Vgl. de Freycinet, „Voyage autour du Monde“, „Meteorologie“, Paris 1844, pag. 6. 
3) „Voyage autour du Monde“, „Historique“, tome 2, Paris 1829, pag. 241.
	        
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